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Engagement in England Die Deutsche Bahn rüstet sich für den Eurotunnel

22.12.2009 ·  Von der Pannenserie im Kanaltunnel lässt sich die Deutsche Bahn nicht irritieren. Deshalb prüft der Vorstandsvorsitzende Grube, ob sein Konzern als Lizenznehmer des Eurostar die Strecke von Köln oder Frankfurt bis nach London bedienen kann.

Von Ulrich Friese
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Von der jüngsten Pannenserie im Kanaltunnel zwischen England und Frankreich lässt sich die Deutsche Bahn nicht irritieren. Deshalb prüft der Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube, ob sein Konzern als künftiger Lizenznehmer des Eurostar die Strecke von Köln oder Frankfurt bis nach London/St. Pancras in Eigenregie mit den Hochgeschwindigkeitszügen des „ICE 3“ bedienen kann. Darüber hinaus steht in Berlin zur Debatte, sich an der Betreibergesellschaft des Eurostar mit bis zu 40 Prozent zu beteiligen, hieß es am Montag im Umfeld des Konzerns. An diesem Unternehmen sind bislang die französische Staatsbahn SNCF, der belgische Konkurrent SNCB sowie die britische London & Continental Railways (LCR) beteiligt.

Die Bedingungen für ein Engagement auf dem britischen Markt hätten sich in jüngster Zeit deutlich verbessert, erklären Fachleute die Planspiele der Bahn. Bislang wurde deutschen ICE-Zügen die Zufahrt zum rund 50 Kilometer langen Kanaltunnel zwischen Calais und Folkestone aufgrund von Sicherheitsauflagen verwehrt. Doch nach einer Änderung der bisherigen Brandschutzbestimmungen entfalle dieses Hindernis, kündigte Jacques Gounon, der Chef des französischen Betreibers Eurotunnel, unlängst an. Demnach ist es dem Anbieter aus Berlin formal gestattet, zusammen mit SNCF und SNCB den Personenverkehr in die britische Metropole aufzunehmen.

Freude über die „Tunnel-Lizenz“ getrübt

Die Freude über die „Tunnel-Lizenz“ wurde in Berlin durch die jüngsten Hiobsbotschaften von Eurostar getrübt. Danach sorgten Schneefälle am Wochenende für einen Systemausfall bei fünf Schnellzügen, die 15 Jahre alt sind und auf der Technik des französischen Schnellzuges TGV basieren. Im Zuge der witterungsbedingten Pannen mussten 2000 Passagiere bis zu 15 Stunden im Ärmelkanaltunnel ausharren. Wann der Betreiber den normalen Pendelbetrieb zwischen England und Frankreich aufnimmt, war am Montag offen.

Video: Eurostar-Züge stehen weiter still

„Die jüngsten Pannen offenbaren die technischen Mängel der Eurostar-Züge, aber sie stellen nicht die Tatsache in Frage, dass die schnellen Schienenverbindungen nach London eine ernsthafte Alternative zum Flugverkehr werden“, sagte ein Bahnmanager. Der Vorstandsvorsitzende der Bahn stellte erst vor wenigen Tagen öffentlich klar, dass für die Deutsche Bahn eine schnelle Verbindung zwischen Köln, Brüssel und London „hochattraktiv“ sei. Grube verwies dabei auf eine interne Marktuntersuchung, die die Nutzer einer solchen Strecke auf 1 Million Reisende im Jahr beziffert.

Mit dem Segen aus Frankreich

Grube kann neuerdings mit dem Segen seines Rivalen Guillaume Pepy rechnen. Der Generaldirektor der französischen Staatsbahn geht davon aus, dass sich das Hochgeschwindigkeitsnetz in Europa bis 2020 um 50 Prozent vergrößert. Angesichts solcher Perspektiven plädiert Pepy jetzt dafür, die „Eurostar-Familie zu erweitern“ und so wohl auch die Deutsche Bahn als neuen Gesellschafter mit ins Boot zu holen. Das eindeutige Angebot aus Paris stellt einen Richtungswechsel der SNCF dar: Immerhin lehnte Pepy noch zu Jahresbeginn den Einstieg der Deutschen Bahn bei Eurostar mit dem Satz „Wir brauchen keinen neuen Aktionär“ strikt ab. Zuvor hatte Grubes Amtsvorgänger Hartmut Mehdorn betont: „Wir haben strategisch ein natürliches Interesse am englischen Markt – irgendwann wollen wir auch nach London.“

Für Eurostar käme ein Interesse der Deutschen Bahn zur rechten Zeit. In Londoner Bankenkreisen heißt es, der britische Gesellschafter LCR wolle sich von seinem 40-Prozent-Anteil für rund 1,5 Milliarden Euro trennen. Der Grund für den Ausstieg ist in den hohen Verlusten des Engagements zu suchen. Im Gegensatz zu den beiden Mitgesellschaftern wird die Ergebnisrechnung von LCR durch die hohen Kosten für den Neubau der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Küste und Hauptstadt belastet.

Zwar wird in Berlin ein „grundsätzliches Interesse an einem Einstieg als Betreiber des Eurostar“ bestätigt. Aber eine Entscheidung über das weitere Vorgehen sei frühestens 2010 zu erwarten. Für ihre Expansion scheint die Deutsche Bahn dennoch gut gerüstet: Von 2011 an übernimmt der Konzern 15 neue ICE-3-Züge, die schon ab Werk in Teilen Großbritanniens streckentauglich sind. (Kommentar, Seite 20.)

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft.

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