Energiepolitik: Interview mit RWE-Chef Terium
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RWE-Chef Terium : „Mitarbeiter von RWE fürchten um ihr Leben“

Fühlt sich RWE-Chef Peter Terium durch die Proteste gegen Braunkohle persönlich bedroht? Bild: Reuters

Wie sieht die Zukunft der Energiekonzerne aus? RWE-Konzernchef Peter Terium über gewalttätige Proteste gegen die Braunkohle und seine horrenden Schulden.

          Herr Terium, wann sterben die traditionellen Energiekonzerne aus?

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Keine Bange, das wird so schnell nicht passieren. Wir haben genug Luft.

          Wie lange noch? „Kein Geschäftsmodell, aber hohe Schulden“, so urteilen Analysten über RWE. Im Rating rangieren Sie nur knapp über Ramsch.

          Wir haben etliche Milliarden Euro in der Kasse, unter anderem erzielt aus dem Verkauf der Gasförderfirma DEA. Unser Geschäft ist bis zum Ende des Jahrzehntes durchfinanziert – da brennt nichts an. Und zum Rating: Die Rating-Agenturen schauen sich die Bücher schon genau an. Und die sind zu dem Urteil gekommen, dass wir eine solide Bonität haben. Die geben Ihnen nicht so ohne weiteres ein Investment-Grade.

          Hedgefonds wetten schon auf die Pleite des Konzerns.

          Die haben auch gegen Griechenland und Italien gewettet.

          Griechenland ist de facto auch pleite.

          Es gibt immer welche, die gegen Sie wetten. Auch solche, die dann viel Druck ausüben, um recht zu bekommen. Deswegen war es so ein großer Erfolg, als einige von diesen Hedgefonds im Frühjahr einräumen mussten, dass ihre Wette nicht aufgegangen ist. Man wettet nicht gegen ein gesundes Unternehmen.

          Hedgefonds tun so was tagtäglich.

          Mag sein. Solange sie verlieren, ist das auch in Ordnung.

          Und jetzt sind sie für immer verscheucht? Ihre Schulden sind mehrfach so hoch wie das Eigenkapital.

          Entscheidend für die Bonität ist vor allem die Liquidität, und da haben wir keinerlei Probleme. Über unsere bestehenden Anleihen bekommen wir zudem Geld zu sehr verträglichen Zinssätzen.

          Die RWE-Aktionäre haben 80 Prozent ihres Einsatzes verloren.

          Die Börse übertreibt manchmal, nach oben wie nach unten. Und ich behaupte: Im Fall von RWE hat der Aktienmarkt in den vergangen Jahren stark nach unten übertrieben. 2016 sind wir bisher der zweitbeste Wert im Dax.

          Woher kommt der Umschwung?

          Es spricht sich herum, was RWE für eine Perle ist. Früher haben sich Gespräche mit Investoren zu 95 Prozent um konventionelle Stromerzeugung und Kernkraft gedreht und nur zu 5 Prozent um das, was rund zwei Drittel unseres Geschäfts ausmacht, nämlich die Netze, Erneuerbare und Vertrieb. Jetzt, da wir den Teil ausgründen und planen, diesen als „Innogy“ an die Börse zu bringen, ändert sich das. Weil RWE auch danach zu rund 90 Prozent Eignerin des neuen Unternehmens sein wird, decken sich die Leute rechtzeitig ein.

          RWE als Ganzes hat heute einen Börsenwert von acht Milliarden Euro, die neue Firma Innogy, der grüne Teil davon, allein 15 bis 20 Milliarden Euro. Wie kann das sein?

          Spekulationen über den möglichen Börsenwert von Innogy kann ich nicht kommentieren. Nur so viel: Der Blick auf RWE wird derzeit stark von Themen rund um die konventionellen Kraftwerke geprägt. Die werden sehr einseitig gesehen. Das ist nicht gerechtfertigt, nicht mal wegen der Energiewende. Zumal wir gezeigt haben, dass wir Kraftwerke selbst unter schwierigen Bedingungen managen können, ohne Cash zu verbrennen. Mein Ehrgeiz ist daher, dass die RWE-Aktie weiter gut läuft.

          Lange haben Sie dafür nicht mehr Zeit: Sie werden Innogy-Chef, sobald Sie damit an der Börse sind – blöd, dass der Brexit die Tour verdirbt?

          Die erste Aufregung hat sich schnell wieder gelegt. Zudem suchen Anleger gerade in unsicheren Zeiten ein stabiles Geschäft mit einem hohen Maß an regulierten Erträgen und einer guten Dividende. Wenn man die letzten drei Jahre betrachtet, kommen bei der neuen Firma rund 60 Prozent des Ertrags aus den Stromnetzen, also aus einem regulierten Geschäft. Zum Vergleich, ganz vereinfacht gesprochen: Wer Staatsanleihen kauft, kauft ein Versprechen der Politik. Wer ein reguliertes Geschäft kauft, baut auf ein Gesetz.

          Sie werben damit, 70 bis 80 Prozent des Gewinns auszuschütten. Glauben Sie, der Regulator guckt lange zu, wie Sie aus dem Stromnetz aberwitzige Profite ziehen?

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