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Energie Wer kauft Eon die Netze ab?

01.03.2008 ·  Die Stromnetze des Eon-Konzern wecken Begehrlichkeiten allerorten. Nach Informationen der F.A.Z. wären an einem Kauf britische Energienetzbetreiber, Infrastrukturfonds, Pensionsfonds und möglicherweise deutsche Versicherer interessiert. Die Gewerkschaft würde eine Stiftung bevorzugen.

Von Werner Sturbeck, Brigitte Koch, Marcus Theurer und Daniel Schäfer
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Die Ankündigung der Eon AG, ihr Hochspannungsnetz zu verkaufen, hat einen Streit über den am besten geeigneten Käufer ausgelöst und Forderungen nach einer Verstaatlichung laut werden lassen. Hubertus Schmoldt, der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), rät zu einer vom Staat organisierten privaten Stiftung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wies diese Forderungen zurück. Bislang führt Eon zwar noch keine Verkaufsverhandlungen. Gleichwohl formieren sich schon einige Interessenten, vor allem Finanzinvestoren.

Schmoldt hat sich gegenüber der F.A.Z. grundsätzlich gegen die Pläne der EU-Kommission zu Abspaltung der Stromnetze und Gasleitungen ausgesprochen. Die Absicht der Kommission, über den Druck auf ein einzelnes Unternehmen diese Netzproblematik lösen zu wollen, findet er ärgerlich. Letztlich gehe es um die vier großen Versorger Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. „Aber wenn sich die Kommission mit ihren Forderungen durchsetzen kann, fände ich Überlegungen richtiger, dass nicht jedes Unternehmen seine Leitungen einzeln verkauft, sondern sie gemeinsam in eine Netz AG in Form einer Stiftung eingebracht werden“, sagte Schmoldt. Auf diese Weise könnte am ehesten sichergestellt werden, dass der Einfluss auf die Netze in Deutschland bleibe. Denn die Stromautobahnen dürften weder an „Heuschrecken“ noch an ausländische Wettbewerber verkauft werden, fordert Schmoldt. Der Staat könne dann den Regulierer in der Stiftung installieren, der die für Modernisierung und Ausbau erforderlichen Investitionen vorgibt.

„Ich habe kein Interesse daran, die Netze zu verstaatlichen“

Die Kanzlerin sieht das anders. „Ich habe kein Interesse daran, die Netze zu verstaatlichen“, sagte sie am Freitag nach dem traditionellen Treffen mit den Spitzen der deutschen Wirtschaftsverbände anlässlich der Internationalen Handwerksmesse in München. Verbraucherschützer hatten sich zuvor für die Verstaatlichung der Stromnetze ausgesprochen. „Wenn Finanzminister Steinbrück eine oder zwei Milliarden Euro lockermachen kann, um eine Bank zu retten, die ihr Geld in den Vereinigten Staaten verzockt hat, müsste das auch für die Versorgungssicherheit in Deutschland darstellbar sein“, sagte der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel.

Merkel kritisierte zugleich die überraschende Kehrtwende von Eon im Ringen mit der EU-Kommission: „Das wird unsere Verhandlungsposition nicht stärken, aber auch nicht unmöglich machen.“ Die Bundesregierung habe in Abstimmung mit der deutschen Energiewirtschaft und aus „voller innerer Überzeugung“ in Brüssel dafür geworben, Stromerzeugung und -netze in einer Hand zu lassen.

„Elektrizitätsverteilungsnetze sind für uns sehr attraktiv“

Sollte es zu einem Verkauf des Stromnetzes kommen, wäre die Schlange der Interessenten lang. Nach Informationen der F.A.Z. gelten sowohl britische Energienetzbetreiber als auch Infrastrukturfonds, Pensionsfonds und möglicherweise deutsche Versicherer als interessiert. Großes Interesse wird Infrastrukturfonds wie den australischen Gesellschaften Macquarie, Babcock & Brown, der britischen 3i Group und der zur Deutschen Bank gehörenden Rreef nachgesagt. „Elektrizitätsverteilungsnetze sind für uns sehr attraktiv“, bestätigte eine Macquarie-Sprecherin.

In Kreisen von Babcock & Brown wurde ebenfalls Interesse bestätigt. Als wahrscheinlich gilt in Bankenkreisen, dass sich Interessenten wegen des Preises von schätzungsweise bis zu 2 Milliarden Euro und der hohen Folgeinvestitionen zu Bieterkonsortien zusammenschließen. Denkbar wäre die Kombination eines Stromnetzbetreibers wie der britischen National Grid mit einem Finanzinvestor. Staatsfonds aus Arabien oder Asien dürften zwar Interesse zeigen, ihnen wird aber aus politischen Gründen keine Chance eingeräumt.

Die Stromnetze des Eon-Konzerns wecken Begehrlichkeiten allerorten. Gewerkschaftschef Hubertus Schmoldt rät zu einer vom Staat organisierten privaten Stiftung.

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