10.06.2005 · Die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl erreichen neue Rekordstände, und Entspannung ist nicht in Sicht. Die Mineralölkonzerne buhlen um ihre Kunden. Bei Shell kehrt sogar der Tankwart zurück.
Die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl erreichen neue Rekordstände, und Entspannung ist nicht in Sicht. Für deutlich sinkende Preise gebe es derzeit keine Anzeichen, heißt es übereinstimmend von Marktbeobachtern und aus der Ölindustrie.
Besonders unangenehm könnten die kommenden Monate für Fahrer von Dieselfahrzeugen und von Hausbesitzern werden, die ihre Öltanks auffüllen müssen. Der Preis für Heizöl erreichte in dieser Woche ein Jahreshoch und nähert sich wieder seinem Rekordstand - wohlbemerkt im Juni. 100 Liter kosten im Bundesdurchschnitt 53 Euro (bei 3000 Liter Abnahme).
"Die Mitteldestillate, also Diesel und Heizöl, geben derzeit die Schlagzahl am Preismarkt vor", sagt Rainer Wieck vom Energie Informationsdienst (EID) in Hamburg. Die Preise stiegen, weil wie jedes Frühjahr der Verbrauch durch den stärkeren Verkehr in Europa und Nordamerika zunehme. Sie stiegen aber auch, weil große Sorge vor dem Herbst herrsche. Wenn es kühler werde und der Verbrauch abermals anziehe, könne es zu Engpässen kommen. Das treibe schon jetzt die Preise.
Kaum Vorräte
Die Raffineriekapazitäten seien schlicht zu knapp. Hinzu komme, daß die Vorräte in den privaten Haushalten niedrig seien. Angesichts stetig steigender Preise hätten sich viele Menschen in den zurückliegenden Monaten mit Bestellungen zurückgehalten und müßten nun im Herbst ihre leeren Tanks auffüllen. "Man kann kaum empfehlen, jetzt Heizöl einzukaufen. Andererseits weiß niemand, ob die Preise nicht noch weiter steigen. Eine Prognose ist derzeit unheimlich schwierig", sagt Wieck.
Für die weitere Preisentwicklung spielt das Wachstum der Nachfrage am Rohölmarkt die Schlüsselrolle. Ungeachtet des verschlechterten Konjunkturausblicks rechnet die Internationale Energieagentur in Paris weiterhin damit, daß die weltweite Rohölnachfrage in diesem Jahr um 2,2 Prozent steigt, heißt es im jüngsten Monatsbericht. Im vergangenen Jahr betrug das Wachstum noch 3,4 Prozent, was allerdings der höchste Wert seit einem viertel Jahrhundert war. Derzeit wird Rohöl in New York für rund 54 Dollar je Barrel (159 Liter) gehandelt, das sind gut 40 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die in diesem Jahr rund zehnprozentige Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar hat die Einkaufspreise im Euro-Raum zusätzlich verteuert. Rohöl wird ausschließlich auf Dollar-Basis gehandelt.
Diesel immer teurer
Diesel wird immer teurer, weil nicht nur in Europa die Nachfrage hoch ist, sondern auch in China, wo es noch in großen Mengen zur Stromproduktion eingesetzt wird. Der ungestillte Energiehunger in Asien treibe die ohnehin schon auf hohem Niveau liegenden Preise weiter, heißt es vom EID. Die Tonne Diesel kostet derzeit am Markt in Rotterdam 550 Dollar und damit 50 Dollar mehr als die Tonne Benzin. Daß Diesel in Deutschland an der Tankstelle noch billiger ist als Benzin, liegt allein an der unterschiedlich hohen Besteuerung.
Shell führt den Tankwart wieder ein
Die Situation bereitet auch den Tankstellen Schwierigkeiten, denn die Kunden suchen nach Ausweichmöglichkeiten. Viele Fahrer füllen die riesigen Tanks ihrer Lastwagen in Holland, Belgien oder Polen voll. "Die einzige Flüssigkeit, die die in Deutschland zu sich nehmen, ist Kaffee", sagt Shell-Sprecher Rainer Winzenried. Er fordert deshalb die Regierung auf, auf Steuerharmonisierung in Europa hinzuwirken. Schwierigkeiten entstehen aber auch durch das Verhalten der Fahrer von Personenwagen, die zunehmend Billigtankstellen aufsuchen. Die Mineralölkonzerne versuchen dieser Entwicklung mit Kundenbindungsprogrammen entgegenzuwirken. Bei Shell kehrt zum Beispiel an diversen Stationen der Tankwart zurück. Er fülle ohne zusätzliches Entgelt den Tank auf, wische die Scheiben und prüfe den Luftdruck. Das komme vor allem bei Frauen und älteren Menschen gut an, sagt Winzenried.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.375,10 | −1,37% |
| Dow Jones | 12.462,50 | −0,94% |
| EUR/USD | 1,2413 | −0,61% |
| Rohöl Brent Crude | 104,12 $ | −2,55% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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