27.11.2007 · Der spanische Stromversorger hat sich in aller Stille zum führenden Betreiber von Windkraftanlagen entwickelt. Jetzt profitiert er davon mit einem der größten Börsengänge überhaupt, der 6 Milliarden Euro für ein Fünftel der Sparte einbringen dürfte.
Von Michael PsottaFür Spanien wird es voraussichtlich der größte Börsengang des Jahres, und auch im internationalen Vergleich dürfte er nur vom erstmaligen Aktienverkauf des chinesischen Energiekonzerns Petrochina übertroffen werden: Der spanische Stromversorger Iberdrola gibt im Zuge einer Kapitalerhöhung 20 Prozent der Anteile seiner Tochtergesellschaft Iberdrola Renovables ab. Aus der geforderten Preisspanne von 5,30 bis 7 Euro je Aktie lässt sich ein Emissionsvolumen von 4,48 bis 5,91 Milliarden Euro errechnen. Damit zeichnet sich in jedem Fall der größte spanische Börsengang des Jahres und auch einer der größten seit der Privatisierung der bedeutenden spanischen Staatskonzerne wie zum Beispiel Telefónica ab. Die Erstnotierung ist für den 13. Dezember vorgesehen.
Iberdrola Renovables umfasst das Geschäft des Konzerns mit erneuerbarer Energie. Mit diesem Geschäft hat der aus Bilbao im Baskenland stammende Konzern zwar schon seit Jahrzehnten Erfahrung, weil in dieser Region - im Gegensatz zu den meisten übrigen Landesteilen - die Wasserkraft reichlich vorhanden ist.
Ehrgeiz längst nicht gestillt
Den Schwerpunkt der Tochtergesellschaft bildet inzwischen aber das Windkraftgeschäft, in das Iberdrola seit 2001 entschlossen investiert hat. Nach eigenen Angaben ist der Konzern heute Weltmarktführer im Windenergiegeschäft mit einer Erzeugerkapazität von 7300 Megawatt. Präsent sei Iberdrola Renovables in 19 Ländern, wobei man in Spanien und Großbritannien Marktführer und in den Vereinigten Staaten Branchenzweiter sei. Zu dieser letzteren Position verhalf die Übernahme des amerikanischen Versorgers Energy East zur Jahresmitte 2007 für 6,4 Milliarden Euro einschließlich Schulden. Zuvor war Iberdrola schon durch den Erwerb des britischen Versorgers Scottish Power für 17 Milliarden Euro zum führenden Windenergiekonzern Europas aufgestiegen.
Der Ehrgeiz von Iberdrola ist aber längst nicht gestillt. Die Einnahmen aus dem Börsengang sollen dazu genutzt werden, die Produktionskapazität der Windkraftanlagen kräftig auszubauen. Mit den gegenwärtigen Projekten zeichne sich auf lange Frist eine annähernde Versechsfachung auf etwa 41 000 Megawatt ab, kündigte Iberdrola-Präsident Ignacio Galán in Madrid an. Jährlich sollen 2000 Megawatt hinzukommen, so dass sich allein bis 2010 die Kapazität verdoppeln werde.
Unter den Großkonzernen mit Abstand am besten entwickelt
Mit dem Namen des Präsidenten verbindet sich eine Unternehmensstrategie, die jedenfalls aus heutiger Sicht äußerst erfolgreich erscheint: Er entschloss sich 2001, damals noch als Vorstandsvorsitzender, im Windkraftgeschäft einen neuen Schwerpunkt zu setzen. Dies war für Spanien eine bemerkenswerte Entscheidung, denn damals gab es in diesem Land keine grüne politische Bewegung, die dies unterstützt hätte. Inzwischen hat zwar auch Spanien eine Art umweltpolitisches Gewissen entdeckt, doch zumindest bis heute ist Iberdrola in der spanischen Öffentlichkeit jedenfalls kein grünes Vorzeigeunternehmen. Öffentlichen Respekt hat sich der Konzern in Spanien eher durch seine herausragende Entwicklung an der Börse erworben: Unter den fünf führenden Konzernen des Landes, die zum Aktienindex Eurostoxx 50 mit den 50 wichtigsten Aktienwerten des Euro-Raums gehören, hat Iberdrola in den vergangenen Jahren am besten abgeschnitten: Seit 2002 hat sich der Börsenwert auf 57 Milliarden Euro vervierfacht. Damit liegt Iberdrola zwar noch deutlich hinter dem Eon-Konzern, der auf rund 95 Milliarden Euro kommt, aber bereits erkennbar vor RWE mit weniger als 50 Milliarden Euro.
Innerhalb Spaniens hat sich Iberdrola unter den Großkonzernen wie der Telefongesellschaft Telefónica, den Großbanken Santander und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria und dem Ölkonzern Repsol mit großem Abstand am besten entwickelt. Dies gilt auch gegenüber Endesa, dem langjährigen Branchenführer am nationalen Strommarkt - obwohl Endesa in einen mehr als einjährigen Übernahmekampf verwickelt war, in dem sich der Börsenwert auf 42 Milliarden Euro verdoppelt hatte. In dieses Ringen war auch Eon verwickelt. Letztlich machte aber der italienische Energieversorger Enel gemeinsam mit dem spanischen Baukonzern Acciona das Rennen. Eon gab im April auf, nachdem die spanische Regierung hartnäckig Widerstand gegen die Übernahme von Endesa durch den deutschen Branchenführer geleistet hatte.
Immer wieder Übernahmegerüchte
Auch um Iberdrola haben sich immer wieder Übernahmegerüchte gerankt. Dies hing meist mit der Spekulation zusammen, dass der Großaktionär ACS, der führende spanische Baukonzern, Iberdrola mit seiner Mehrheitsbeteiligung Unión Fenosa zusammenführen wolle, dem drittgrößten spanischen Stromanbieter. Nach den Übernahmen von Scottish Power und Energy East sowie mit dem Börsengang von Iberdrola Renovables dürfte Ignacio Galán seinem Ziel näher gekommen sein, Iberdrola die Unabhängigkeit zu erhalten.
Die europäischen Wettbewerber von Iberdrola haben erst kürzlich beschlossen, ähnliche Geschäftsschwerpunkte mit erneuerbarer Energie zu bilden. So plant Eon für seine neue Tochtergesellschaft Renewables bis 2010 Investitionen von 6 Milliarden Euro. RWE plant, dass seine Tochtergesellschaft RWE Innogy am 1. Februar mit einer Erzeugungskapazität von 1500 Megawatt an den Markt geht. Beide Unternehmen reagieren damit auch auf die Vorgabe der Bundesregierung, nach deren Willen 2020 bei der Stromerzeugung 27 Prozent aus regenerativen Quellen stammen sollen.
Michael Psotta Jahrgang 1957, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung.
Jüngste Beiträge
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.375,10 | −1,37% |
| Dow Jones | 12.462,50 | −0,94% |
| EUR/USD | 1,2413 | −0,61% |
| Rohöl Brent Crude | 104,12 $ | −2,55% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
Anonym bewerben? Ist das gut?