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Energie Eon sieht die BASF bei Gasprom noch nicht am Ziel

14.04.2005 ·  „Wir werden nichts verschenken und setzen uns nicht unter Zeitdruck“: Eon-Vorstandschef Wulf Bernotat über die Vorhaben der Konkurrenz und die eigenen Zukunftsplanungen - auch mit Rußland.

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Für Wulf Bernotat, den Vorstandsvorsitzenden des Düsseldorfer Eon-Konzerns, ist die zwischen der russischen Gasprom und dem BASF-Konzern vereinbarte Partnerschaft noch längst nicht in trockenen Tüchern. Bei der Absichtserklärung, die Gasprom-Chef Alexej Miller und BASF-Vorstandsvorsitzender Jürgen Hambrecht anläßlich der Hannover-Messe unterzeichnet haben, sieht er noch erheblichen Konkretisierungsbedarf. Es seien noch viele Fragen offen.

„Die Russen haben ihre Zielsetzungen und Verhandlungspositionen in den letzten Monaten mehrfach geändert“, schildert er im Gespräch mit der F.A.Z. seine offenbar nicht besten Erfahrungen mit dem langjährigen Partner von Deutschlands größtem Gas-Handelshaus, Eon Ruhrgas. „Gasprom sitzt am längeren Hebel. Der Konzern weiß das und nutzt das, um sich strategisch wichtige Positionen zu sichern.“

Herbe Niederlage

Daran ändert nach seiner Meinung auch nichts, daß Eon mit 6,5 Prozent Aktionär des russischen Gaskonzerns ist und mit Eon-Vorstandsmitglied Burckhard Bergmann sogar ein Aufsichtsratsmandat stellt. Doch sieht er keinen Sinn darin, sich jetzt aus dem Schmollwinkel über den Verhandlungsstil der Russen zu ärgern. Anders als im vergangenen Juli in einem sogenannten Memorandum of Understanding zwischen Eon und Gasprom abgemacht, soll nicht mehr Europas größter privatwirtschaftlicher Energiekonzern, sondern die BASF-Tochter Wintershall als erstes westliches Unternehmen eine direkte Beteiligung von annähernd 50 Prozent an dem gewichtigen westsibirischen Gasfeld Yushno Russkoje erhalten (F.A.Z. vom 12. und 13. April).

Daneben soll sich die Gesellschaft am Bau der geplanten Ostseepipeline beteiligen. Im Gegenzug hat Wintershall die Aufstockung der Beteiligung an dem Gemeinschaftsunternehmen Wingas auf knapp unter Prozent 50 angeboten und ist damit dem Wunsch der Russen nach einem stärkeren Zugriff auf den europäischen Absatzmarkt stark entgegengekommen. Dieses offenbar äußerst attraktive Angebot konnte Eon in den langwierigen Verhandlungen nicht übertrumpfen und mußte damit eine herbe Niederlage einstecken.

„Das alleinige Sagen“

„Hätten wir, wie von Gasprom gewünscht, eine Beteiligung an Eon-Ruhrgas angeboten, dann wäre das Geschäft schon im vergangenen Jahr zustande gekommen“, zeigt sich Bernotat überzeugt. Zu einem derart weitgehenden Schritt ist Eon allerdings nicht bereit. Denn das könnte vor dem Hintergrund der breit diversifizierten Lieferantenstrukturen des Gashandelshauses eine Schieflage bewirken. Auch eine Beteiligung an der britischen Markteinheit UK Eon, die von der russischen Seite gefordert worden sein soll, lehnt Bernotat kategorisch ab.

„In den Führungsgesellschaften wollen wir das alleinige Sagen haben.“ Das ursprüngliche Interesse von Gasprom, eine Beteiligung an den Förder- und Pipeline-Projekt im Tausch gegen die Gasprom-Aktien des Eon-Konzerns zu tauschen, ist längst vom Tisch, seit sich der Staat im Zusammenhang mit der Yukos-Übernahme eine Mehrheit an Gasprom gesichert hat.

Mögliche Stromprojekte in Rußland

In der neuen Ausgangsposition geht der Eon-Chef jetzt fest davon aus, knapp 25 Prozent an dem besagten Gasfeld übernehmen zu können. Auch wird Eon das Projekt der Ostseepipeline sowie die geplante Zusammenarbeit im russischen Strommarkt weiterverfolgen. Entsprechende Vereinbarungen für beide Projekte seien am Rande der Hannover- Messe getroffen worden, versichert Bernotat, der im übrigen ein Abkühlen der Gesprächsatmosphäre verneint. „Wir reden weiter über die Realisierung unserer Absichten.“ Hinsichtlich möglicher Stromprojekte in Rußland will Eon auch den Kreis potentieller Partner erweitern und beispielsweise eine Zusammenarbeit mit dem größten russischen Stromkonzern RAO-EES prüfen.

Die Eon-Beteiligung von 25 Prozent am Gasfeld ginge zu Lasten der BASF, die dann ebenfalls knapp ein Viertel des Feldes besäße. „Mit großem Erstaunen“ hat Bernotat zur Kenntnis genommen, daß der Chemiekonzern maßgeblich mitentscheiden will, wer als Partner ins Boot geholt werden soll. „Das kann meines Erachtens nur Gasprom entscheiden.“ Welche Beteiligungen Eon derzeit konkret im Tausch anbietet, will er nicht preisgeben.

Ausschau nach Partnerschaften

Nur soviel: Es wird lediglich über Minderheitsbeteiligungen gesprochen, und zwar bei Gesellschaften die auf Ebenen unterhalb der fünf Marktführungsgesellschaften des Konzerns liegen. „Wir werden nichts verschenken, und wir setzen uns nicht unter Zeitdruck. Denn sonst kommen nur schlechte Deals heraus.“ Bernotat pocht auf eine faire Bewertung sowohl des Gasfeldes als auch der im Gegenzug gebotenen Assets. Starkes Interesse soll die russische Gesellschaft nach Informationen dieser Zeitung an den Aktivitäten von Eon-Ruhrgas auf dem ungarischen Markt bekunden haben. Dort hat sich Eon Ende vergangenen Jahres mehrheitlich am Gasgeschäft des größten Gas- und Ölunternehmens MOL beteiligt.

Mit einer Beteiligung von rund 25 Prozent an dem gewichtigen westsibirischen Gasfeld könnte Eon Ruhrgas etwa 10 Prozent des Gasaufkommens aus eigener Produktion decken. Mittelfristiges Ziel ist indessen ein Anteil von 15 bis 20 Prozent avisiert. Vor diesem Hintergrund wird Eon nach weiteren Partnerschaften Ausschau halten. Auch das stärkere Engagement im stark wachsenden Markt des Flüssiggases (LNG) hängt damit zusammen, daß sich Eon hinsichtlich der Liefersicherheit verschiedene Optionen offen halten will.

Quelle: B.K./St. / F.A.Z., 15.04.2005, Nr. 87 / Seite 15
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