13.05.2010 · Johannes Teyssen wartet nicht lange: Zwei Wochen nach seinem Amtsantritt holt er mit der früheren HP-Managerin Regine Stachelhaus erstmals eine Frau in die Konzernspitze des Energieversorgers. Weitere Vorstandsressorts werden neu zugeschnitten.
Von Brigitte KochNur knapp zwei Wochen nach seinem Amtsantritt hat der neue Eon-Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen einen tiefgreifenden Umbau des Vorstandes durchgesetzt. Mit dem überraschend starken Revirement soll der Vorstand von Deutschlands größtem Energiekonzern noch enger an das operative Geschäft rücken. Zudem soll bei sich schnell verändernden technischen und geschäftlichen Umfeldbedingungen die Innovationskraft des Konzerns gestärkt werden, wie Eon am Mittwoch im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung mitteilte. Seine detaillierten Pläne zur strategischen Weiterentwicklung des in den vergangenen Jahren durch diverse Zukäufe international stark gewachsenen Konzerns will Teyssen zwar erst im Sommer präsentieren. Der rigorose Vorstandsumbau, der lediglich Finanzchef Marcus Schenck und Teyssen selbst auf ihren Stühlen belässt, schafft aber bereits die organisatorische Voraussetzung für eine Neuausrichtung des Konzerns, die auf eine noch stärkere Konzentration auf das Kerngeschäft Strom und Gas mit Schwerpunkt Europa hindeutet. Zugleich rüstet sich Eon mit der neuen Aufstellung der Konzernführung für ein schwieriger werdendes Marktumfeld und einen schärfer werdenden Wettbewerb.
Teyssen installiert gleich drei neue Vorstandsmitglieder, von denen zwei von außen kommen: Mit Regine Stachelhaus wird erstmals eine Frau in den Vorstand des gewichtigen Dax-Unternehmens einziehen. Mit dem Norweger Jørgen Kildahl wechselt zudem ein langjähriger Statkraft-Manager zu Eon, so dass Teyssen das von ihm stark verfochtene Thema Vielfalt in der Unternehmensführung (Diversity) gleich zweifach bedient. Mit dem bisherigen Vorstandsvorsitzenden der Münchener Tochtergesellschaft Eon Energie, Klaus-Dieter Maubach, holt der neue Eon-Chef einen engen Vertrauten in die Führungsriege. Ausscheiden werden Lutz Feldmann, ein enger Mitstreiter des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Wulf Bernotat und bisher für Akquisitionen, Unternehmensentwicklung und neue Märkte zuständig, sowie Personalvorstand und Arbeitsdirektor Christoph Dänzer-Vanotti.
Für die herausfordernden Aufgaben in einem schwierigen Marktumfeld habe man hervorragende neue Manager gefunden, kommentierte der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Hartmann die Personal-Rochade. Nach Abschluss der gewaltigen Akquisitions- und Investitionsphase könne unter Teyssens Leitung nun das nächste Kapitel der Eon-Konzerngeschichte angegangen werden.
Erstmals zieht eine Frau in den Eon-Vorstand ein
War die operative Verantwortung für die einzelnen Geschäftsfelder bisher mehr auf die Ebene der Tochtergesellschaften verlagert, so werden nun wichtige Funktionen in die bisher als Führungsholding aufgestellte Konzernspitze geholt. Auch die Zuschnitte der einzelnen Ressorts werden verändert. Im Einzelnen soll Stachelhaus alle das Kerngeschäft unterstützenden Funktionen, insbesondere Personal, Informationstechnologie und Einkauf, verantworten. Die 55 Jahre alte Managerin war mehr als 25 Jahre in führenden Management-Funktionen tätig, zuletzt als Geschäftsführerin für Hewlett Packard Deutschland. Nach ihrem dortigen Ausscheiden hat sie sich in den vergangenen anderthalb Jahren als Krisenmanagerin für Unicef Deutschland engagiert. Die Juristin wird zugleich Arbeitsdirektorin und für Recht und Compliance zuständig sein.
Kildahl wird ein neugeschaffenes Vorstandsressort besetzen, in dem die Strom- und Gasproduktion, das Trading sowie die energiewirtschaftliche Optimierung des Konzerns über alle Regionen und Produkte hinweg zentral gesteuert werden. Er wird damit innerhalb des Vorstands den stärksten operativen Part übernehmen.
Maubach soll sich um die Steuerung sämtlicher Forschungs- und Entwicklungsthemen kümmern. Über sein Ressort sollen künftig alle Großinvestitionen geführt und realisiert werden. Für die Distributions- und Endverbrauchergeschäfte sollen nach dem Willen des neuen Eon-Chefs die zahlreichen Landesgesellschaften mit ihrer Ort- und Wettbewerbsnähe verantwortlich bleiben. Die Steuerung der Landesgesellschaften soll aus einem weiteren neuen Vorstandsressort erfolgen. Bis für diesen Posten ein Kandidat gefunden ist, wird Teyssen die Aufgaben selbst übernehmen. Mit einem Kursplus von etwa 3 Prozent auf rund 26 Euro gehörte die Eon-Aktie am Mittwoch zu den Gewinnern im Börsensegment Dax.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.376,20 | −1,29% |
| Dow Jones | 12.474,10 | −0,85% |
| EUR/USD | 1,2413 | −0,61% |
| Rohöl Brent Crude | 104,12 $ | −2,55% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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