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Energie : Das Zauberwort lautet Flüssiggas

Auf Barrow Island wird das größte Rohstoffprojekt der Welt verwirklicht: Bis zu 1.400 Meter unter der Oberfläche werden insgesamt elf Gasvorkommen angebohrt Bild: AFP

Asien will seinen Energiehunger verstärkt mit verflüssigtem Erdgas stillen. Rohstoffkonzerne bohren immer mehr Lagerstätten in Australien an. Auf Barrow Island nimmt das größte Förderprojekt der Welt Gestalt an. Es soll eines Tages mindestens acht Prozent des globalen Bedarfs an Flüssiggas decken.

          Die Insel ist klein. Doch die Erwartungen, die auf ihr ruhen, sind riesig. Bis vor wenigen Monaten war Barrow Island 50 Kilometer vor der nördlichen Küste in Westaustralien nur Ornithologen, Naturschützern und einigen Rohstoffexperten vom fünften Kontinent ein Begriff. Das windige Eiland liegt vor weitgehend unbewohntem Festland. Nun nimmt dort das derzeit wahrscheinlich größte Industrieprojekt der Welt, ganz sicher jedenfalls das größte Rohstoffprojekt, Gestalt an.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Rund 160 Kilometer vor der Küste liegen Gasblasen, die ausreichen sollen, eine Millionenstadt über 800 Jahre mit Energie zu versorgen. Auf dieses Gas setzen nicht nur die Australier, denen es ihr Wirtschaftswachstum über Jahrzehnte erhalten soll. Auch die Asiaten wollen dank des Flüssiggases von Barrow Island ihre Energieversorgung sicherer, aber auch umweltfreundlicher machen. Riesige Tanker sollen das auf 161 Grad unter null heruntergekühlte Gas von Australien nach Japan und China verfrachten. Mindestens 8 Prozent des Weltverbrauchs an Flüssiggas soll das Gorgon-Feld eines Tages liefern. Die beteiligten Unternehmen investieren 43 Milliarden australische Dollar (30 Milliarden Euro).

          Referenzprojekt für das Trio der großen westlichen Ölkonzerne

          Damit kommt dem Projekt eine große Bedeutung zu. In seinem „Outlook for Energy“ erklärt der beteiligte amerikanische Ölkonzern Exxon-Mobil, schon 2030 läge der Energieverbrauch der Welt wohl 33 Prozent über dem heutigen Niveau. „Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass die Energienachfrage in Asien-Pazifik noch dramatischer zulegen wird. Unseren eigenen Berechnungen nach wird die Energienachfrage in der Region innerhalb der nächsten 25 Jahre um 65 Prozent wachsen.“ Chevron hält 47 Prozent des Gemeinschaftsunternehmens, das das Gorgon-Feld ausbeuten soll; Exxon-Mobil und Shell kommen auf jeweils 25 Prozent. Neu hinzugekommen sind mit Osaka Gas (1,25 Prozent), Tokyo Gas (1 Prozent) und Chubu Electric Power (0,417 Prozent) drei spätere Großkunden aus Japan.

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          Auch wenn sie das nicht öffentlich sagen, so ist das Gorgon-Feld für das Trio der großen westlichen Ölkonzerne auch ein Referenzprojekt. Unternehmen wie Exxon oder Shell rechnen insgeheim damit, sich für die Ausbeute in der Antarktis in einigen Dekaden zu qualifizieren. Denn auch die Umweltschutzrichtlinien, die Australien für das Nutzen des Naturparks Barrow Island verhängte, sind beispiellos. Die Verwaltung hat angekündigt, mehr als 40 eigene Quarantäne-Offiziere an den Ausgangshäfen der Fracht für das Projekt in Asien und Europa zu stationieren, damit schon beim Einschiffen keine ungebetenen Gäste wie Ameisen, Frösche oder Ratten mit an Bord gehen. Große Maschinenteile werden vollständig eingeschweißt, um das Einnisten von unerwünschtem Getier zu verhindern - allein diese Verpackung kann schnell 25.000 Dollar und mehr kosten.

          „Die Komplexität und die schiere Größe sind beispiellos“

          Bis zu 1400 Meter unter der Wasseroberfläche werden insgesamt elf Gasvorkommen des Gesamtfeldes angebohrt. In Rohren strömt das Gas dann in die Fabrik auf Barrow Island. Nach heutiger Planung wird sie zunächst bis zu 15 Millionen Tonnen Flüssiggas jährlich erzeugen. Daraus könnten auf Dauer 25 Millionen Tonnen werden. Um es zu verfrachten, wird das Gas extrem heruntergekühlt. In Kühlleitungen wird es dann zu einer gut zwei Kilometer langen Verladepier gepumpt. Damit dort die neuen Supertanker anlegen können, wird für sie ein Kanal zwischen Festland und Insel ausgehoben. Die Tankschiffe mit den markanten weißen Kesseln an Deck bringen das Gas zu den Kunden. Zu ihnen zählen schon heute die Staatskonzerne Petrochina International und Petronet LNG of India. „Die Komplexität und die schiere Größe des Gorgon-Projektes sind beispiellos“, heißt es bei Chevron.

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