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Ende einer Fluglinie : Air Berlin sagt Tschüs

  • -Aktualisiert am

Der letzte Flug der Air Berlin wird in Tegel am Abend des 27. Oktober 2017 mit Wasserfontänen empfangen. Bild: Reuters

Mit Air Berlin verschwindet auch ein Stück Berlin: Der letzte Linienflug unter eigener Flugnummer landete in der Nacht zum Samstag in Tegel. Es war ein tränenreicher Abschied.

          Als Joachim Hunold am Gate steht und seine Bordkarte scannt, kommt erst mal eine Fehlermeldung. Seating Issue. Der langjährige Unternehmenschef von Air Berlin hatte sich, wie schon Tage vorher kolportiert worden war, Sitz 1C gebucht, um beim letzten Flug der Airline dabei zu sein, deren Geschicke er von 1991 bis 2011 leitete. Nun stand da, dass es ein Problem mit seinem Sitzplatz gebe. Die Mitarbeiterin huschte zum Computer, klickte ein paar Mal und sagte: „Na, ich kenn' Sie ja. Gehen Sie ruhig rein.“ Hunold nahm’s mit Humor.

          Hunold hat die Airline groß gemacht, vom Nischen-Carrier zum zeitweise ernsthaften Konkurrenten der Lufthansa aufgebaut. Der letzte Flug von Air Berlin – Flug AB6210 von München nach Tegel – war ausnahmsweise voll besetzt. Am Donnerstag vor zwei Wochen hatte eine Sprecherin auf Anfrage bekannt gegeben, dass der letzte Flug sein würde. Wenig später war er ausgebucht. Thomas Schmidt, Mitarbeiter des Auswärtigen Amts, ist für eben diesen letzten Flug angereist. „Ich bin traurig“, sagt er. Beruflich sei er mit Air Berlin häufig zwischen Berlin und Köln gependelt. „Die Lufthansa wird die Preise sicher anziehen.“

          „Was passiert hier?“

          Kyong Yeong Sung und seine Freundin Seok Min Hee sitzen am Gate und verstehen die Welt nicht mehr. Die beiden Koreaner sind auf Urlaub in Deutschland, von Seoul nach München geflogen, nun wollen sie nach Berlin, bevor es von dort aus am Sonntag nach Hause geht. „Was passiert hier?“, fragt Kyong Yeong Sung. Als er erfährt, dass das der letzte Flug der Air Berlin ist, ist er erst einmal platt. Ein Pärchen steht daneben und ist auf dem Weg zu einer Hochzeit. „Das hat uns ziemlich kalt überrascht“, sagt er. „Zurück fahren wir dann mit der Mitfahrgelegenheit.“ Auch Ilkay Güttinger und ihre Freundin Simge Güzel wollten eigentlich nur nach Berlin, um sich eine Ausstellung über Claudia Schiffer anzusehen. „Erst gestern wurde uns mitgeteilt, dass unser Rückflug gestrichen ist“, sagt Güttinger. Der Flug hatte eigentlich nur hundert Euro gekostet, jetzt haben sie bei Lufthansa einen Rückflug für 300 dazu gebucht.

          Zur Begrüßung in Tegel warteten Tausende Menschen auf den letzten Air-Berlin-Flieger. Bilderstrecke
          Zur Begrüßung in Tegel warteten Tausende Menschen auf den letzten Air-Berlin-Flieger. :

          Die meisten Menschen aber, die sich am Gate versammelt haben, sind gekommen, um Abschied zu nehmen. Einige haben Blumen mitgebracht, andere Champagner. „Mir ist zum Heulen zumute“, sagt einer. Auf ihren Bordkarten steht „Take care, Tschüss und Bye Bye“. Adrian Korth ist Flugbegleiter bei Air Berlin, gerade 18 Jahre alt. Erst Mitte Juli hat er angefangen. „Ich wollte immer ins Cockpit. Air Berlin war der erste Schritt in diese Richtung.“ Er zweifelte keine Sekunde, der Airline die letzte Ehre zu erweisen, flog am Freitag nach Nürnberg und fuhr dann mit der Bahn nach München. „Ich bin mit Air Berlin groß geworden, komme aus Berlin, habe in Tegel gewohnt. Von daher tut es umso mehr weh.“ Was wird er tun nach diesem letzten Flug? „Heulen. Und dann mit meinen Kollegen feiern.“ Wie die meisten von ihnen ist seine Zukunft ungewiss. „Ich habe noch keine Kündigung bekommen, nichts“, sagt er. „Ich habe den ganzen November frei.“

          Letzter Flug von Air- Berlin : Mitarbeiter und Passagiere sagen Tschüs

          Keine interne Kommunikation

          Die Mitarbeiter von Air Berlin hatten in den vergangenen Monaten oft zu kämpfen. Einige haben ja sogar in ihrer Freizeit Gepäckstücke sortiert, Urlaubsansprüche zurückgestellt. Intern gebe es praktisch keine Kommunikation, berichten Mitarbeiter, Neuigkeiten erfuhren sie meist erst aus den Medien – auch die von der Insolvenz am 15. August. Es soll Mitarbeiter geben, die erst über Facebook erfuhren, dass sie womöglich ihren Job verlieren. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die Bezüge, die der aktuelle CEO Thomas Winkelmann noch bis 2021 bekommt, weder aus der Insolvenzmasse stammen, noch dass der Steuerzahler ran muss – zahlen tut der ehemalige Air Berlin-Großaktionär Etihad.

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