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Ende einer Ehe Daimler verkauft Chrysler

 ·  Daimler-Chrysler wird zur „Daimler AG“ - und Vorstandschef Zetsche gibt sich sentimental. Die Entscheidung, den größten Teil von Chrysler an den Finanzinvestor Cerberus zu verkaufen, sei ihm „nicht leicht gefallen“, sagte er am Montag. Einen weiteren Stellenabbau wollte Zetsche nicht ganz ausschließen.

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Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche hat den Verkauf der amerikanischen Sparte Chrysler als Befreiungsschlag für den Restkonzern bewertet. Zetsche sagte am Montag in Stuttgart: „Wir haben die Entscheidung, dies zu tun, vor dem Hintergrund einer umfassenden Überprüfung unserer Strategien sowohl für unsere vier Geschäftsfelder als auch für das gesamte Unternehmen getroffen.“ Die Synergien zwischen Mercedes und Chrysler seien ausgeschöpft gewesen. Darüber hinausgehende Möglichkeiten zur Zusammenarbeit seien angesichts der unterschiedlichen Segmente begrenzt.

„Es war also klar, dass wir eine Lösung finden mussten. Und wir haben die richtige Entscheidung getroffen. Gleichzeitig ist mir persönlich - angesichts meiner Verbundenheit mit Chrysler - diese Entscheidung nicht leicht gefallen“, sagte Zetsche.

Zuvor war bekannt geworden, dass Daimler-Chrysler neun Jahre nach der Fusion wieder den größten Teil seiner amerikanische Sparte abstößt: Der amerikanische Finanzinvestor Cerberus übernimmt die Mehrheit an Chrysler und zahlt dafür den Stuttgartern 5,5 Milliarden Euro. Cerberus werde rund 80 Prozent an der angeschlagenen Sparte kaufen, Daimler behalte die restlichen Anteile. Die Transaktion solle im dritten Quartal abgeschlossen werden. Bestehende Projekte mit Mercedes sollen fortgesetzt werden. Zetsche sagte, dass sei einer der Gründe, warum man weiterhin 19,9 Prozent der Anteile halte.

Kein personeller Kahlschlag

Die Trennung von der amerikanischen Tochter könnte auch in der Verwaltung der künftigen Daimler AG Arbeitsplätze kosten. „Ich kann kleinere Anpassungen nicht ausschließen“, sagte Zetsche am Montag. Der größte Teil der Einsparungen sei mit früheren Restrukturierungsprogrammen aber bereits geschafft. Die Trennung von Chrysler werde keinen personellen Kahlschlag zur Folge haben. Grundsätzlich habe das Management aber seine Hausaufgaben gemacht. Der Autobauer sei gut aufgestellt.

Nach der Scheidung wird auch der Name geändert: Aus Daimler-Chrysler soll künftig die Daimler AG werden. Zetsche erklärte: „Wir sind davon überzeugt, eine Lösung gefunden zu haben, die insgesamt den größten Wert schafft - für Daimler und für Chrysler. Mit dieser Transaktion haben wir die Voraussetzungen für einen neuen Start für Chrysler und für Daimler geschaffen.“

„Unser Interesse ist langfristiger Natur“

Cerberus-Chef John Snow unterstrich das langfristige Interesse seiner Gesellschaft an Chrysler. „Wir denken nicht ans nächste Quartal, unser Interesse ist langfristiger Natur.“ Der Schwerpunkt werde künftig auf der operativen Entwicklung von Chrysler liegen. Der frühere Daimler-Chrysler-Manager Wolfgang Bernhard, der Cerberus bei den Verkaufs-Verhandlungen beraten hatte, werde aber nicht zum neuen Management des Unternehmens gehören.

Snow will Chrysler wieder an die Spitze der nordamerikanischen Autobauer führen. Er gab am Montag in Stuttgart das Ziel aus, dass Chrysler in den Vereinigten Staaten an erster Stelle stehen solle. Der Finanzinvestor unterstütze die Pläne von Chrysler-Chef Tom LaSorda, wonach der Hersteller umgebaut werden soll. Im Zuge der Sanierung sollen unter anderem 13.000 Stellen wegfallen. Es gebe eine
Chance für mehr Wachstum, betonte der Cerberus-Chef, der bis 2006 amerikanischer Finanzminister war.

„Wir heißen Chrysler in der Cerberus-Familie willkommen und sind überzeugt davon, dass Cerberus eine gute Heimat für Chrysler sein wird“, sagte Snow. „Cerberus glaubt an die Kraft der verarbeitenden Industrie der Vereinigte Staaten und an die amerikanische Autoindustrie. Aber am wichtigsten ist: Wir glauben an Chrysler.“

Die Pensionsverpflichtungen trägt Chrysler

Von den 5,5 Milliarden Euro, die Cerberus für Chrysler bezahlt, fließen 3,7 Milliarden Euro in das Industriegeschäft und 800 Millionen Euro in das Finanzdienstleistungsgeschäft von Chrysler; 1 Milliarde Euro erhalte Daimler-Chrysler, hieß es. Die finanziellen Verpflichtungen für die Pensionen und die Gesundheitsvorsorge trage weiterhin Chrysler.

Ron Gettelfinger, Präsident der amerikanischen Automobilarbeiter-Gewerkschaft UAW, erklärte, der Einstieg von Cerberus werde den Interessen der UAW-Mitglieder, der Chrysler Group und von Daimler am besten gerecht. „Wir sind froh, dass die Entscheidung gefallen ist. Denn nun können sich unsere Mitglieder und das Management wieder voll auf die Entwicklung und Fertigung von Qualitätsprodukten für die Zukunft der Chrysler Group konzentrieren“, sagte er.

Namensänderung soll im Herbst beschlossen werden

Die Namensänderung in Daimler AG soll in einer Hauptversammlung im Herbst beschlossen werden. Der zukünftige Daimler-Vorstand werde auf sechs Mitglieder verkleinert. Chrysler-Chef Tom LaSorda, Eric Ridenour und Tom Sidlik werden ausscheiden. Zetsche sagte: „Unsere Ausgangsposition ist solide. Wir verfügen über eine überdurchschnittliche hohe Finanzkraft. Und unsere Perspektiven sind gut.“

Cerberus ist eines der größten privaten Investment-Unternehmen und wurde 1992 gegründet (siehe dazu auch: Der Firmenkäufer: Cerberus). Cerberus wurde von Wolfgang Bernhard beraten, der von 2001 bis 2004 bei Chrysler als Chief Operating Officer für das Tagesgeschäft zuständig war. Nach seinem Weggang von Daimler-Chrysler war Bernhard VW-Markenchef. Auch bei Volkswagen schied er aus.

Keine Einwände vom Gesamtbetriebsrat

Der Daimler-Chrysler-Gesamtbetriebsrat hat keine Einwände gegen den mehrheitlichen Verkauf der amerikanischen Sparte an Cerberus. „Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat begrüßen die Entscheidung des Unternehmens, die Zukunft von Chrysler zügig zu regeln“, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Mitteilung. Die Interessenvertretungen in Deutschland und Nordamerika würden ihre Bewertungen eng miteinander abstimmen. Dabei stehe die nachhaltige Sicherung aller Arbeitsplätze im Unternehmen stets im Mittelpunkt.

Als Interessenten für Chrysler galten neben Cerberus auch der Finanzinvestor Blackstone sowie der kanadische Autozulieferer Magna International. Der amerikanische Milliardär und frühere Chrysler-Großaktionär Kirk Kerkorian hatte 4,5 Milliarden Dollar für Chrysler geboten und einem Eingeweihten zufolge den Schulterschluss mit den Chrysler-Beschäftigten gesucht. Rund 50.000 Chrysler-Mitarbeiter hatten ein Komitee gegründet, um ihren Arbeitgeber in Eigenregie zu übernehmen und vor dem Zugriff von branchenfremden Investoren zu schützen.

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