05.07.2007 · Der Eon-Manager Hans-Peter Villis wird neuer Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns ENBW. Er bekommt einen Fünfjahresvertrag. Ganz harmonisch scheint die Entscheidung jedoch nicht gefallen zu sein.
Von Michael RothDer Eon-Manager Hans-Peter Villis wird am 1. Mai 2008 neuer Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns ENBW Energie Baden-Württemberg AG. Er bekommt einen Fünfjahresvertrag. Der amtierende Vorstandsvorsitzende Utz Claassen hatte vor zwei Wochen erklärt, dass er für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung stehe. Der 49 Jahre alte Villis war der Favorit der ENBW-Großaktionäre, dem Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) und der Electricité de France (EDF). Beide halten je 45 Prozent an der ENBW. Parallel zu den Überlegungen, ob Claassens Vertrag verlängert wird, hatten sich die Großaktionäre nach einer Alternative umgeschaut. Claassen wurden unter anderem ungeschicktes Vorgehen in Öffentlichkeit und mangelnde strategische Perspektiven für ENBW vorgeworfen.
Ganz harmonisch scheint die Entscheidung im ENBW-Aufsichtsrat für Villis jedoch nicht gefallen zu sein. Nach Angaben von Stefan Mappus, kenntnis- und einflussreicher Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg, ist der Abstimmungsprozess zwischen OEW und EDF „etwas holprig verlaufen“, obwohl schon mehrere Monate nach einem Nachfolger gesucht worden sei.
Ein Finanzfachmann
Der künftige ENBW-Vorstandsvorsitzende Villis ist derzeit Finanzvorstand bei der schwedischen Eon-Tochtergesellschaft. Neben der Bestellung von Villis hat der ENBW-Aufsichtsrat Pierre Lederer, bisher im Vorstand Chief Operating Officer, mit Wirkung zum 1. Oktober 2007 zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt. Lederer ist seit dem Jahr 2000 im ENBW-Vorstand. Er kam vom Großaktionär EDF. Einen neuen Fünfjahresvertrag erhält Personalvorstand und Arbeitsdirektor Bernhard Beck. Finanzvorstand Christian Holzherr bekommt einen Dreijahresvertrag.
„Mit diesen Entscheidungen hat der Aufsichtsrat entscheidende personalpolitische Weichen für Kontinuität in der Führung einerseits und die kraftvolle Weiterentwicklung des Unternehmens hin zu erfolgreichem Wachstum gelegt“, sagte Claus Dieter Hoffmann, der Vorsitzende des Aufsichtsrats der ENBW. Mit Villis habe eine kompetente und erfahrene Persönlichkeit mit bester Branchenkenntnis für den Vorstandsvorsitz gewonnen werden können. Hoffmann, früher beim Bosch-Konzern für die Finanzen zuständig, hatte den gradlinigen Finanzfachmann Villis für die ENBW-Spitze favorisiert.
Politisches Gespür
Vor seiner Tätigkeit für Eon in Schweden war Villis in verantwortlichen Positionen bei der Eon Westfalen Weser AG. Davor war er Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer des Elektrizitätswerks Wesertal in Hameln. Von 2000 bis 2002 war er Vorstandsmitglied bei Gelsenwasser in Gelsenkirchen und davor Geschäftsführer der Stadtwerke Magdeburg.
Den Umgang mit öffentlichen Eignern, die OEW ist ein Zusammenschluss von schwäbischen Landkreisen, EDF vom französischen Staat beherrscht, kennt Villis. Ihm wird politisches Gespür nachgesagt. Er gilt außerdem als unaufgeregt, strukturiert und zielorientiert. Privat pflegt Villis enge Verbindungen ins Ruhrgebiet, seiner Heimat, wo auch seine Familie wohnt. Derzeit pendelt er zwischen Malmö und Castrop-Rauxel.
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