Home
http://www.faz.net/-gqe-763pu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Elektronikhandel Metro baut Anteil an Media-Saturn aus

Der Handelskonzern Metro hält künftig gut 78 Prozent an seiner Tochtergesellschaft Media-Saturn. Metro übernimmt knapp 3 Prozent von Mitbegründer Leopold Stiefel. Doch der seit längerem mit Metro streitende Erich Kellerhals kann dem Unternehmen weiter in die Parade fahren.

© dapd Vergrößern Die fast 900 Läden von Media Markt und Saturn gehören zur Metro-Gruppe

Im Machtkampf mit dem Mehrheitseigner Metro um Europas größte Elektrohandelskette Media-Saturn verliert Firmengründer Erich Kellerhals seinen einzigen Verbündeten im Aktionärskreis. Media-Saturn-Mitbegründer Leopold Stiefel kündigte am Montag an, seine Familie werde sich von ihren Media-Saturn-Anteilen in Höhe von insgesamt 2,97 Prozent trennen und diese an den Düsseldorfer Handelskonzern verkaufen. Der Streit zwischen Kellerhals und Metro habe keine Rolle bei seiner Entscheidung gespielt, sagte Stiefel. Für seinen Anteil erhält Stiefel einen üppigen Preis: Metro-Kreisen zufolge werden rund 230 Millionen Euro fällig. Die Ergebnisse des Unternehmens werden aber nicht belastet,
Metro hat einem Sprecher zufolge Rückstellungen gebildet. Der Poker mit Kellerhals dauert indes an - denn dessen umfassende Veto-Rechte bleiben trotz des auf rund 78 Prozent steigenden Metro-Anteils an Media-Saturn bestehen.

„Media-Saturn ist mein Lebenswerk“, unterstrich Stiefel. Trotzdem sagt er seiner Beteiligung Adieu: „Nachdem ich mich schon vor Jahren entschlossen habe, meine Anteile zum gegebenen Zeitpunkt vertrauensvoll in die Hände des Mehrheitsgesellschafters Metro zu legen, habe ich diesen Schritt nun vollzogen“, fügte er in einer Pressemitteilung hinzu. Er habe bereits 2002 eine Put-Option für die verbliebenen Anteile vereinbart, sagte Stiefel Reuters weiter. Nun nehme er diese wahr, denn er könne den Weg von Media-Saturn mit seinem Anteil nicht wesentlich mitbestimmen. „Es gibt keinen Streit zwischen mir und der Metro oder zwischen mir und Herrn Kellerhals“, unterstrich er. Kellerhals hätte zudem entsprechend seiner Beteiligung an Media-Saturn auch Anteile seiner Familie übernehmen können, sagte Stiefel weiter. Kellerhals verzichtete indes auf die Option, weitere Anteile zu kaufen, berichteten Insider.

Stiefel hatte zusammen mit Kellerhals die Elektromarktkette aufgebaut. Milliardär Kellerhals hatte immer wieder betont, Geschäftspartner Stiefel teile im Streit mit der Metro seine Position. Bei dem Konflikt geht es um die umfassenden Vetorechte Kellerhals’ bei Media-Saturn - diese sind dem Mehrheitseigner Metro ein Dorn im Auge. Der Handelsriese hatte Kellerhals immer wieder vorgeworfen, Entscheidungen zu verzögern. Kellerhals seinerseits wirft dem ungeliebten Großaktionär vor, ihn enteignen zu wollen. Unstimmigkeiten zwischen beiden Seiten hatte es unter anderem um die Internet-Strategie von Media Markt und Saturn gegeben.

Der Streit beschäftigte auch die Gerichte. An den Machtverhältnissen in den Media-Saturn-Gremien ändert Stiefels Entscheidung indes nach Angaben von Sprechern beider Seiten nichts. Kellerhals hält knapp 22 Prozent an Media-Saturn - für die Veto-Rechte reichen nach Firmenstatut 20 Prozent. Entsprechend musste er keine Anteile von Stiefel übernehmen, um seine Position abzusichern. Stiefel erhält zudem durch die 2002 ausgehandelte Option Kreisen zufolge für knapp drei Prozent der Media-Saturn-Anteile rund 230 Millionen Euro - damit würde die Kette insgesamt mit mehr als sieben Milliarden Euro bewertet. Der Metro-Konzern, zu dem auch noch Großmärkte sowie die Töchter Real und Kaufhof gehören, ist an der Börse rund 7,4 Milliarden Euro wert.

Ein Sprecher von Kellerhals’ Investmentgesellschaft Convergenta nannte Stiefels Entscheidung zum Ausstieg aus dem Aktionärskreis eine „private Vermögensdisposition von Herrn Stiefel“. „Es steht uns nicht zu, diese zu kommentieren“, fügte er hinzu.
Gänzlich verabschieden will Stiefel sich aber nicht - er wolle Media-Saturn als Berater in strategischen Fragen zur Verfügung stehen, betonte er. „Wir begrüßen seine Bereitschaft, dem Unternehmen weiter verbunden sein zu wollen, sehr und freuen
uns auf die weitere Zusammenarbeit“, sagte Metro-Chef Olaf Koch. Metro-Aktien notierten am Vormittag in einem fast unveränderten Gesamtmarkt leicht im Minus.

Quelle: Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Entwicklungsbank in Schanghai Amerika verliert Machtkampf mit China

Vergeblich haben die Vereinigten Staaten versucht, eine chinesische Konkurrenz zur Weltbank zu verhindern. Pekings neuer Entwicklungsbank für Asien treten nach Großbritannien nun auch Deutschland, Frankreich und Italien bei. Mehr Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai

17.03.2015, 07:22 Uhr | Wirtschaft
Frankfurter Anthologie Trennung

Thomas Huber liest Trennung von Erich Fried Mehr

10.10.2014, 16:08 Uhr | Feuilleton
Sicherheitslücken Guthabenkarten können leicht manipuliert werden

Guthabenkarten etwa für Tankstellen oder Elektrogeschäfte sind ein beliebtes Geschenk. Doch die gutgeschriebenen Beträge können leicht von Kriminellen abgeräumt werden. Mehr

20.03.2015, 09:44 Uhr | Finanzen
W-Lan-Empfang Freies Internet in der Moskauer Metro

In der russischen Hauptstadt bietet die Metro ihren Kunden freies W-Lan an, damit sie ohne Unterbrechung surfen können. Und auch über der Erde boomt die russische Software-Industrie. Mehr

08.12.2014, 15:29 Uhr | Wirtschaft
Richtungsstreit in der AfD Lucke wehrt sich gegen Rechtsruck

Der Streit in der AfD um die Erfurter Resolution setzt sich fort: Nun meldet sich Parteichef Bernd Lucke kritisch zu Wort. Unterstützung erhält er von Hans-Olaf Henkel, der das Papier in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung als grotesken Versuch, die AfD zu spalten bezeichnet. Mehr

21.03.2015, 19:23 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.01.2013, 12:03 Uhr

Facebooks Geschichte wiederholt sich

Von Patrick Bernau

Facebook wertet seinen Messenger auf: Der Konzern erobert die Smartphones. Das zeigt: Facebook kann seine Macht vervielfältigen. Mehr 3 10


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutsche Bildungsbürger scheuen Facebook & Co.

Deutschland ist so ziemlich das einzige Land in Europa, in dem ungebildete Leute in sozialen Netzwerken präsenter sind als gebildete. Mehr 15

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden