http://www.faz.net/-gqe-91jca

Autobahn 8 : Ein Schwabe baut die größte Elektrotankstelle der Welt

4000 Autos sollen an der größten Elektrotankstelle laden können. Bild: dpa

Ein deutscher Mittelständler setzt voll auf Elektromobilität und plant an der A8 eine gigantische E-Auto-Tankstelle. Tausende Autos sollen täglich laden können, Benzingeruch und Ölfilme passé sein.

          Innovationspark Zusmarshausen. Große Welt klingt anders. Wenn die Pläne von Klaus Emler und seinen Mitstreitern aufgehen, dann wird das Industriegelände in Bayerisch-Schwaben, zwischen Ulm und Augsburg, dennoch für Furore sorgen, und zwar nicht nur in Deutschland. Unmittelbar an der sechsspurig ausgebauten Autobahn A 8 planen die Mittelständler nämlich nichts Geringeres als die größte Stromtankstelle der Welt. 2018 soll sie entstehen, mit 144 Ladesäulen. Damit könne man mehr als 4000 Autos am Tag laden, sagt Mitinitiator Klaus Emler.

          Bernd  Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Emler ist einer von zwei geschäftsführenden Gesellschaftern des Autoausstatters Sortimo. So wagemutig seine Pläne erscheinen, so bodenständig hat der Schwabe bisher sein Geld verdient. Das mittelständische Unternehmen mit 1400 Mitarbeitern, Hauptsitz in Zusmarshausen, versteht sich als einer der größten Autoeinrichter, Jahresumsatz 160 Millionen Euro. Im Angebot sind Boxen, Koffer, Regale, Transportsysteme, fest eingebaute Schränke für „Handwerksautos“ – zugeschnitten auf einzelne Autotypen und Berufe. Vom fertigen Schornsteinfegerfahrzeug bis zur Einrichtung der Telekom-Servicefahrzeuge reicht die Palette. Seit kurzem hat der findige Mittelständler auch elektrisch betriebene Lastenfahrräder im Programm und beschäftigt sich, wie Emler sagt, „mit weiteren Lösungen für die Mobilität in den Innenstädten“.

          Viele Autobauer nutzten die A 8 zwischen Stuttgart und München als Teststrecke. Und dass sich die Industrie auch mit Elektrotransportern beschäftige, davon sei er überzeugt. Der Bau einer Elektrotankstelle „an einem idealen Standort wie der A 8“, direkt neben dem Betriebsgelände, lag also irgendwie nahe. Mit einer üblichen Tankstelle hat das Vorhaben allerdings wenig gemein, nicht umsonst firmiert es unter „Innovationspark“. Die Besucher sollen nicht nur tanken, sondern rasten, essen, einkaufen und arbeiten. Deshalb will Emler schon in der ersten Ausbaustufe eine Erlebnisgastronomie und Büroflächen anbieten. Laden und Arbeiten, Laden und Einkaufen, heißen die Konzepte.

          Weitere Ideen und Geschäftsmodelle werden nach seinen Worten noch geprüft und ausprobiert. Einen festen endgültigen Geschäftsplan gebe es noch nicht und könne es wegen des sich schnell wandelnden Umfeldes auch noch gar nicht geben. Aber wer neue Ufer erreichen wolle, sagt er, „muss von alten weg“.

          Schneller laden als bei Tesla

          Ohnehin müsse man sich vom alten Bild der Tankstelle lösen, sagt Frank Steinbacher. Dessen Ingenieurbüro aus der Nähe von Augsburg mit 300 Mitarbeitern soll sich um Design, Technik und Betrieb der Anlagen kümmern. Benzingestank und Ölfilme seien dort – „mit einem Grünanteil von 75 Prozent das grünste Gewerbegebiet Deutschlands“ – passé. Elektromobilität bedeute mehr, als ein Auto über die Steckdose mit Strom zu versorgen. Deshalb soll die Tankanlage nach Steinbachers Worten in ein umfassendes Energiesystem eingebunden werden. Der Strom soll ausschließlich von regenerativen und regionalen Quellen kommen und gespeichert werden. Unternehmen und Private etwa könnten ihren selbst erzeugten „überschüssigen“ Strom einbringen. Beim sogenannten DC-Parken könnten Pendler ihr Auto gleichzeitig parken und laden.

          Es geht bei Bedarf aber auch deutlich schneller. Von den geplanten 144 Ladesäulen sollen 24 Supraschnelllader werden, mit einer Ladeleistung von rekordverdächtigen 350 Kilowatt, so dass eine Fahrzeugbatterie in wenigen Minuten aufgeladen werden könne. Selbst die „Supercharger“ des amerikanischen Elektroautopioniers Tesla kommen nur auf rund 150 Kilowatt. Für die Kapazitäten der heute verwendeten Autobatterie reicht das allemal. Initiator Emler zeigt sich allerdings überzeugt, dass sowohl Batteriekapazitäten als auch der Bedarf an Ladeinfrastruktur erheblich steigen. Er gehe deshalb bewusst in eine Vorreiterrolle.

          In der ersten Ausbaustufe will der Mittelständler 15 Millionen Euro investieren. Darin seien Fördermittel vom Bund in geringem Maße enthalten, sie seien jedoch bei weitem nicht ausschlaggebend für die Investition. Das Bundesverkehrsministerium hat für den Ausbau der Ladeinfrastruktur 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ist dieser Tage eigens nach Schwaben gefahren, um den Projektstart öffentlich zu verkünden. Die Politik ist auf Enthusiasten wie Emler angewiesen.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          F.A.Z. exklusiv : Lindner: Wir fühlten uns gedemütigt

          Im Interview mit der F.A.Z. spricht der FDP-Vorsitzende über die Gründe für den Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen. Vor allem einer Partei wirft Christian Lindner fehlende Kompromissbereitschaft vor.
          Keine Zeit für Grokodilstränen: Sigmar Gabriel und Martin Schulz am Dienstag im Bundestag

          SPD nach Jamaika-Aus : Einmal Opposition und zurück

          Nach dem Paukenschlag wird in der SPD noch einmal neu nachgedacht. Es gelte, Neuwahlen zu vermeiden – heißt es hinter vorgehaltener Hand. Behutsam müsse man die Partei auf eine Regierungsbeteiligung vorbereiten. Nur wie?
          Heute ein seltenes Phänomen: Steiger in Deutschland.

          Letztes Bergwerk im Ruhrgebiet : Schicht im Schacht

          Auf Prosper-Haniel, der letzten Zeche im Ruhrgebiet, bereiten sich die Arbeiter auf die Schließung vor. Von 2700 Mitarbeitern werden viele in den Vorruhestand gehen, andere sich neue Jobs suchen. Die Pumpen unter Tage aber müssen weiterlaufen – für immer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.