27.10.2005 · Kein Wunder, daß Aldi Filialen in der Schweiz eröffnet: Dort sind die Preise wesentlich höher als in Deutschland. Die Schweizer Lebensmittelketten machten bis zuletzt mobil, unterstützt von den Gewerkschaften.
Deutschlands führender Discounter Aldi hat nach rund 16 Monaten Vorbereitung seine ersten vier Schweizer Geschäfte eröffnet.
Am Donnerstag empfingen Filialen in Weinfelden, Amriswil, Altenrhein und Gebenstorf die ersten Kunden, teilte Aldi Suisse mit. Das Sortiment bestehe aus 700 Produkten des täglichen Bedarfs. Darunter seien zahlreiche Eigenmarken, die speziell für die Schweiz konzipiert wurden. Die Schweiz ist weltweit jetzt das 15. Land, in dem die Unternehmensgruppe aus dem Ruhrgebiet aktiv ist.
Auch Lidl will in die Schweiz
Der Lebensmitteldiscounter macht Druck auf dem teuren Schweizer Markt: Die Preise liegen dort Schnitt zwei- bis dreimal höher als die in Deutschland. Deshalb kann Aldi das Stück Butter (250 Gramm) im Nachbarland für immer noch „günstige“ 1,73 Euro anbieten, während es hierzulande nur 0,75 Euro kostet.
Aldi startete in der Schweiz früher als der deutsche Konkurrent Lidl, der nach eigenen Angaben dort ebenfalls ein Filialnetz aufbauen will. Ein Datum steht allerdings noch nicht fest.
Kritik von der Gewerkschaft
Die Schweizer Lebensmittelketten Coop und Migros hatten aus Furcht vor einem Preiskrieg bis zuletzt gegen den deutschen Discounter mobil gemacht. Unterstützt wurden sie von den Gewerkschaften, die die hohe Zahl von Teilzeitverträgen bei Aldi beklagen. Insgesamt beschäftigt der Discounter in der Schweiz nach Angaben eines Sprechers 300 Menschen.
Die Gewerkschaft Unia kritisierte, Aldi drücke systematisch Teilzeitarbeit durch. Außer der Filialleitung sei das Personal in der Regel nur mit einem 50-Prozent-Pensum angestellt. Der Aldi-Lohn von 3.696 Franken (2.387 Euro) für eine Vollzeitstelle sei eine Mogelpackung: Die Beschäftigten müßten 42 Stunden pro Woche und damit eine mehr als bei den Schweizer Handelsunternehmen Migros und Coop arbeiten. Außerdem zahle Aldi weniger an die Krankentagegeld-Versicherung und umgehe mit der Teilzeitarbeit die Arbeitgeber-Beiträge für die Pensionskasse. Auf diese Weise spare Aldi Suisse bei den Löhnen über 10 Prozent ein, kritisierte die Gewerkschaft weiter.
38 Milliarden Euro Umsatz weltweit
Aldi Suisse gehört zum Unternehmen Aldi Süd, das in Deutschland, Irland, Großbritannien, Österreich, Slowenien, in den Vereinigten Staaten und Australien rund 3.000 Filialen betreibt. Aldi Nord hat bisher nach Dänemark, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Frankreich, Spanien und Portugal expandiert.
Mit einem geschätzten Bruttoumsatz von 22 Milliarden Euro ist Aldi die viertgrößte Handelsgruppe Deutschlands nach Metro, REWE und Edeka. Weltweit werden die Bruttoumsätze der Aldi-Gruppe auf 38 Milliarden Euro geschätzt. Die Auslandsexpansion ist für Aldi der große Wachstumsmotor. Im Heimatland verzeichnete Aldi Marktforschern zufolge im vergangenen Jahr Umsatzrückgänge.
Aldi für die Schweizer
Thomas Keller (tpbk)
- 28.10.2005, 07:42 Uhr
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