Home
http://www.faz.net/-gqi-tnn9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Einzelhandel Schlechtes Personal ist eine Todsünde

12.10.2006 ·  Die Gesellschaft für Konsumforschung hat nach den „Todsünden des Modehandels“ gefragt. Als Antwort kam heraus, daß patzige und aufdringliche Verkäufer dazugehören. Aber auch lange Schlangen an den Kassen vertreiben die Kundenschaft - vorwiegend die männliche und die ostdeutsche.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Ob der Verkäufer auf Nachfrage patzig antwortet, es gäbe nur das, was auf der Stange hängt, oder die Verkäuferin im Sekundentakt die Tür der Umkleidekabine aufreißt, hat beim Kunden die gleiche Wirkung: Er wird auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Eine Studie, für die die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der Fachzeitschrift "Textilwirtschaft" 7600 Personen nach den "Todsünden des Modehandels" befragt hat, ergab, daß Kunden auf aufdringliches Personal fast ebenso sensibel reagieren wie auf unfreundliches. 62 Prozent der Kunden lassen sich von schlechtgelaunten Verkäufern "total abschrecken", über die Hälfte auch von aufdringlichem Personal. Da ist es dem Kunden schon lieber, er muß sich das passende Oberteil zur Hose alleine suchen: Nur 26 Prozent der Kunden finden fehlende Verkäufer unverzeihlich.

Jüngere Kunden lassen sich nicht abschrecken

Die Kunden reagieren jedoch auch je nach Alter unterschiedlich. Während ältere Menschen auf fehlendes oder inkompetentes Personal überdurchschnittlich häufig mit Kaufverweigerung antworten, ignorieren die Käufer unter Dreißig Unfreundlichkeiten einfach, solange Ware und Preis stimmen. Auch von unaufgeräumten Läden oder zu lauter Musik lassen sich junge Konsumenten im Gegensatz zu den älteren nicht vom Einkaufen abhalten.

Besonders verärgert reagieren Kunden auch auf mangelnde Kulanz beim Umtausch und lange Warteschlagen vor den Umkleidekabinen, die beiden Punkte, die auf Platz drei und vier der Liste der Todsünden gelandet sind. Auf einen unaufgeräumten Laden, die fünfte Todsünde, reagieren Frauen deutlich sensibler als Männer. 45 Prozent der Frauen verlassen fluchtartig unordentliche Geschäfte, bei den Männern sind es nur 40 Prozent.

Ostdeutsche haben es eiliger

Dafür erweisen sich die Männer als ungeduldiger beim Kleiderkauf. 41 Prozent reagieren mit Kaufverweigerung auf lange Schlangen an der Kasse, während sich nur 31 Prozent der Frauen die Freude an ihrem neuen Lieblingsstück von langen Wartezeiten kaputtmachen lassen. Besonders empfindlich auf Schlangen reagieren übrigens Kunden aus den neuen Bundesländern. Außerdem legen sie mehr Wert auf Parkplätze, eine übersichtliche Ladengestaltung sowie die Möglichkeit, mit Kreditkarte zu zahlen. In diesen Präferenzen gleichen die Ostdeutschen den Kunden aus Dörfern und Kleinstädten, während für die Großstädter lange Ladenöffnungszeiten deutlich wichtiger sind.

Ein gut sortiertes Angebot ist für die meisten Kunden eine Voraussetzung, daß sie ein Kleidergeschäft zu ihrem Stammladen machen. Ist ihre Konfektionsgröße häufiger nicht vorrätig, vergeht mehr als einem Drittel die Lust, wiederzukommen. Den Umkehrschluß, das gesamte Sortiment im Verkaufsraum zu präsentieren, sollte der Einzelhändler jedoch auch nicht ziehen. Immerhin 23 Prozent der Kunden lassen sich durch vollgehängte Warenträger nämlich "total abschrecken". Doch auch hier ist die Schmerzgrenze je nach Alter unterschiedlich hoch: Während ältere Kunden sich bei vollgestopften Regalen sofort abwenden, sind die Jüngeren durch H&M und seine Konkurrenten schon abgehärtet und empfinden es sogar als angenehm, daß es in ihren Lieblingsläden weniger gepflegt zugeht.

Steht die nächste Investition an, sollte sich der Mode-Einzelhändler eher für eine gute Klima- als für eine Musikanlage entscheiden. Denn schlecht klimatisierte Geschäfte sind 35 Prozent der Kunden ein Greuel, zu laute Musikbeschallung sogar 37 Prozent.

Quelle: jul., F.A.Z., 12.10.2006, Nr. 237 / Seite 19
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Böses Spiel

Von Holger Steltzner

Mit größter Selbstverständlichkeit und in unerträglichem Ausmaß zahlt die Elite Griechenlands keine Steuern und flüchtet mit Milliarden ins Ausland - und jede griechische Regierung lässt sie gewähren. In den Geberländern wächst die Wut der Steuerzahler. Mehr 6 60

28.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.323,19 −0,26%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.376,76 −0,07%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2541 −0,27%
Rohöl Brent Crude 107,26 $ +0,38%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.