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Einzelhandel Rewes riskante Revolution

23.01.2006 ·  An diesem Montag präsentiert Rewe einen Acht-Punkte-Plan, der den Lebensmittelhändler auf Rendite trimmt. Penny, HL und Toom waren einmal - bald gibt´s nur noch Rewe-Märkte.

Von Thiemo Heeg
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In seinem früheren Leben als Manager von Rhone-Poulenc, Quelle und Debitel hat Achim Egner schon vieles auf- und umgebaut. Doch das war nichts im Vergleich zu dem, was der 48jährige Jurist in seiner neuen Rolle als Chef des Handelskonzerns Rewe jetzt plant.

Europas drittgrößter Lebensmittelhändler (Minimal, Penny, HL, Toom) soll künftig internationaler auftreten und seine Rendite verdoppeln. Am Montag präsentieren Egner und seine Vorstandskollegen ihr Konzept für die Rewe-Revolution von oben: ein Acht-Punkte-Programm, das dieser Zeitung vorliegt.

Künftig nur noch eine Marke

Für die Kunden am augenfälligsten: Die Supermärkte sollen künftig nur noch unter einer Marke auftreten. Dem Vernehmen nach werden die „Minimal“-Märkte von Herbst an als „Rewe“-Märkte firmieren. Sechs Werbeagenturen sind derzeit damit beauftragt, ein einheitliches Logo zu entwerfen.

Das Programm sieht daneben vor, den Discounter Penny kräftig auszubauen. Den Bereich Touristik zählt Rewe weiter zum Kerngeschäft. In Nicht-Kerngeschäftsfeldern sei dagegen „über Desinvestitionen zu entscheiden“, heißt es drohend. Damit könnte der angeschlagene Charterflieger LTU gemeint sein, an dem Rewe 40 Prozent hält und der in den nächsten drei Jahren beweisen soll, daß er kein Bruchlandekandidat ist.

Wirtschaftlich am interessantesten ist Punkt vier, „Internationalisierung“. In zehn Jahren soll Rewe eineinhalbmal soviel Geschäft im Ausland machen wie im Inland. „Der Auslandsanteil am Gesamtumsatz soll bis 2015 auf bis zu 60 Prozent gesteigert werden“, heißt es in dem Strategiepapier. Derzeit sind es gut 30 Prozent. Konkurrent Metro (Kaufhof, Media-Markt) erwirtschaftet heute schon 54 Prozent seiner Erlöse außerhalb der Landesgrenzen.

Komplexes Firmenkonglomerat ist zu teuer

Aus Unternehmenssicht eine verständliche Entwicklung: Deutschland gilt im europäischen Vergleich als schwieriges Pflaster für die Branche. Der Billig-Rausch und eine ungezügelte Handelsflächenexpansion sorgen für scharfen Wettbewerb. Pro Einwohner stehen hierzulande rund 1,4 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung; Briten oder Franzosen kommen mit der Hälfte aus.

In diesem Umfeld sind Handelsmanager über jeden Euro froh, der sich sparen läßt. Offensichtlich ist im Genossenkonzern Rewe noch Potential vorhanden. Egner will verschachtelte Strukturen aufbrechen. Das könnte zwei- bis dreistellige Millionensummen in die Kassen spülen. Unter der Ägide des langjährigen Chefs Hans Reischl (“Mister Rewe“) war ein komplexes Firmenkonglomerat entstanden - und zahlreiche überflüssige Doppelfunktionen.

Ein Beispiel von vielen: Die selbständigen Rewe-Händler werden von anderen Großlagern beliefert als die konzerneigenen Filialbetriebe. Das kann dazu führen, daß ein Händler seine Waren aus einem Hunderte Kilometer entfernten Depot erhält, obwohl gleich nebenan ein Filiallager angesiedelt ist. Egner will diese Verschwendung durch eine neue Regionalaufteilung und 14 neue strategische Geschäftseinheiten beenden.

Genossenschaft zählt im Wettbewerb nicht

Ob er mit seinen Reformen Erfolg haben wird, hängt davon ab, ob die Genossen mitziehen. Hier sind zumindest Zweifel angebracht. Im Herbst sollen vier Mitglieder des Aufsichtsrats versucht haben, den Chef des Kontrollgremiums, Klaus Burghard, zu stürzen. Burghard ist der wirklich mächtige Mann im Konzern. Er hat Egner inthronisiert. Und er war dafür verantwortlich, daß 2004 und 2005 alle Getreuen des früheren Konzernlenkers Reischl den Vorstand verließen.

Die Egner-Kritiker hüten sich derzeit, offen aufzutreten. Chef-Genossen wie Rainer Paas von der mächtigen Rewe Dortmund sagen nur: „Maßstab für den Erfolg der Umstrukturierung sind letztlich Marktbedeutung und Umsatz.“ Es ist der Ton, der die Zweifel erkennen läßt. Egner weiß um seine Gegner, und so heißt es im Strategiepapier beschwichtigend: „Die Rewe Group bekennt sich zu ihren genossenschaftlichen Strukturen.“ Andererseits sagt er auch: „Im Wettbewerb fragt kein Mensch danach, ob Sie eine Genossenschaft sind oder nicht.“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.01.2006
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