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Einzelhandel Karstadt-Quelle streicht Stellen im Versand

09.08.2006 ·  Karstadt-Quelle ist im zweiten Quartal in die roten Zahlen gerutscht. Der Konzern will mehr als 1000 Stellen wegfallen lassen. Schuld daran war vor allem die Versandsparte. Thomas Middelhoff will diese nun kräftig sanieren.

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Der Essener Handelskonzern Karstadt-Quelle ist nach drastischen Umsatzrückgängen in seiner Versandsparte im zweiten Quartal in die roten Zahlen gerutscht. Daraufhin senkte der Konzern seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr und baut bei Quelle und Neckermann weiter Stellen ab.

Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erwirtschaftete Karstadt-Quelle von April bis Juni entgegen den Analystenerwartungen einen operativen Verlust von 17,7 Millionen Euro. Der Konzernumsatz schrumpfte auf vergleichbarer Basis um 4,4 Prozent auf 3,21 Milliarden Euro, wie der Handelskonzern am Mittwoch mitteilte.

Gewinn nur wegen Immobilienverkäufen

Analysten hatten mit 3,34 Milliarden Euro Umsatz und einem operativen Gewinn (Ebitda) von 13,5 Millionen Euro gerechnet. Der millionenschwere Verkauf von Kaufhausimmobilien verschaffte dem Konzern unter dem Strich im ersten Halbjahr aber einen Gewinn von 558,1 Millionen Euro.

Angesichts der operativen Entwicklung senkte Karstadt-Quelle seine Erwartungen für das Gesamtjahr. Statt eines um 20 Prozent höheren operativen Gewinns rechnet das Unternehmen nur noch mit einem Plus von zehn Prozent, jeweils ohne Berücksichtigung der Immobilienverkäufe.

Kurseinbruch schlimmer als erwartet

Die Karstadt-Quelle-Aktie reagierte mit einem Kurseinbruch um neun Prozent auf unter 16 Euro. Einige Branchenexperten äußerten sich bestürzt. „Das ist deutlich schlimmer als erwartet“, sagte ein Analyst. Ein Händler sagte, die Zahlen zeigten, daß noch viel zu tun sei.

Die beiden großen Versandhandelsmarken Quelle und Neckermann entwickelten sich schwächer als geplant, räumte Vorstandschef Thomas Middelhoff ein: Der Umsatz der Versandsparte brach um 14 Prozent ein. Operativ verbuchte die Sparte allein einen Verlust von 107,5 Millionen Euro. Im zweiten Halbjahr werde der Trend aber wieder nach oben weisen, äußerte sich Middelhoff zuversichtlich.

Über 1000 Stellen im Versand fallen weg

Um den Umsatzschwund im Versand zu bremsen, kündigte er ein Programm an, das bis Ende 2007 zu außerordentlichen Kosten von 200 Millionen Euro führen werde. Insgesamt sollen deutlich mehr als 1000 Stellen wegfallen. Derzeit beschäftigt die Sparte rund 23.400 Mitarbeiter.

Der Konzern will an unter anderem auch durch eine Neuverhandlung der Versand-Konditionen mit der Deutschen Post Kosten sparen. Im zweiten Halbjahr wollen Quelle und Neckermann zudem eine Werbekampagne starten, die die Umsätze wieder nach oben bringen soll.

Verkauf von Spezialversendern angedacht

Karstadt-Quelle will sich im Zuge der Sanierung womöglich auch von einigen Spezial-Versandunternehmen trennen. „Wir ziehen einen Verkauf derjenigen Spezialversender in Betracht, die nicht unseren Renditeerwartungen entsprechen“, sagte Versandhandels-Chef Marc Sommer. Firmennamen nannte er nicht. Die Spezialversender müßten sich an dem besonders renditestarken Versandhandelshaus Walz messen, das auf Baby- und Kleinkinderprodukte fokussiert ist, sagte Sommer.

Mit dem Warenhausgeschäft zeigte sich Konzernchef Middelhoff trotz roter Zahlen sehr zufrieden. Nach der Trennung von den kleineren, unprofitablen Filialen laufe diese Sparte von Quartal zu Quartal besser. Die Umsätze legten im zweiten Quartal um 6,1 Prozent zu, trotzdem verbuchten die Warenhäuser noch einen Betriebsverlust von 36 Millionen Euro.

Karstadt-Quelle strebt bei den Warenhäusern mittelfristig eine Zielrendite von bis zu 10 Prozent an. „Die zehnprozentige Ebitda-Marge soll bei den in Top-Lagen stehenden Premium-Warenhäusern erreicht werden“, kündigte Vorstandsvorsitzender Thomas Middelhoff am Mittwoch an. Die Warenhäuser aus der Kategorie Boulevard Plus, die sich in 1-A-Lagen der Städte befinden, sollen eine Ebitda-Marge von 8 Prozent erreichten. Die Boulevard-Warenhäuser, die der Nahversorgung dienen, haben eine Zielrendite von 3 Prozent.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters und Dow Jones
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