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Einzelhandel Karstadt macht bei seiner Sanierung Fortschritte

03.11.2005 ·  Der Handelskonzern steigert sein Betriebsergebnis bei sinkendem Umsatz. Karstadt-Quelle ringt mit der Lufthansa um die Zukunft ihrer gemeinsamen Touristiktochter Thomas Cook.

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Der Handelskonzern Karstadt-Quelle macht bei seiner Sanierung Fortschritte. Karstadt-Quelle steigerte im dritten Quartal und damit auch in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2005 sein Betriebsergebnis deutlich, muß aber angesichts der anhaltenden Konsumflaute in Deutschland sinkende Umsätze verkraften. Mit seinen am Donnerstag vorgelegten Geschäftszahlen blieb der Konzern allerdings klar unter den Erwartungen von Branchenexperten.

Der um zwischenzeitlich verkaufte Konzern-Bereiche bereinigte Umsatz sei im Zeitraum Januar bis September um 7,8 Prozent auf 8,096 Milliarden Euro gesunken, teilte der Vorstand in Düsseldorf mit. Im dritten Quartal sanken die Erlöse auf vergleichbarer Basis auf 2,57 (Vorjahr: 2,78) Milliarden Euro. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt einen Quartalsumsatz von 2,63 Milliarden Euro erwartet. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg dagegen in den ersten neun Monaten um 25,5 Prozent auf 158 Millionen Euro, im abgelaufenen Quartal verbesserte es sich auf 35,9 (28) Millionen Euro. Analysten hatten aber auch hier eine deutlichere Verbesserung auf 45,6 Millionen Euro erwartet.

Prognosen für 2005 sollen erfüllt werden

Der Konzernverlust nach Anteilen Dritter reduzierte sich auf 247,24 Millionen Euro von rund 1,5 Milliarden vor Jahresfrist. Karstadt-Quelle bekräftigte seine Umsatz- und Ergebnisprognosen für das Gesamtjahr. Danach rechnet der Konzern weiter mit einem Umsatzrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich und mit einem bereinigten Ebitda von mindestens 350 Millionen Euro. Die Schulden sollen bis Jahresende auf 3,3 Milliarden Euro sinken, Ende September beliefen sie sich noch auf 4,4 Milliarden Euro.

Finanzchef Harald Pinger teilte mit, daß der Konzern in Verhandlungen über ein nachrangiges Darlehen stehe. „Die Reaktionen der Märkte sind positiv“, fügte er hinzu. Über das Volumen werde er in Kürze berichten. Konzernchef Thomas Middelhoff bekräftigte im Zwischenbericht, bis Jahresmitte 2006 die Karstadt Hypothekenbank AG sowie das Ratenkreditgeschäft im Versandhandel zu verkaufen. Insgesamt sollen diese Verkäufe einen Erlös von rund 1,3 Milliarden Euro erbringen.

Logistikimmobilien scheinbar zum Verkauf vorgesehen

Karstadt-Quelle rechnet Unternehmenskreisen zufolge noch in diesem Jahr mit dem Verkauf seiner verbliebenen Logistikimmobilien. „Sie können davon ausgehen, daß die Logistikimmobilien noch in diesem Jahr verkauft werden“, sagte eine dem Unternehmen nahestehende Person am Donnerstag. Eine andere Quelle bestätigte dies. Der Verkauf solle einen beträchtlichen Erlös bringen, der zum Schuldenabbau verwendet werden soll.

Ringen um Thomas Cook

Die Konzerne Lufthansa und Karstadt-Quelle ringen um die Zukunft ihrer gemeinsamen Touristiktochter Thomas Cook. Middelhoff bekräftigte am Donnerstag in Düsseldorf, sein Unternehmen strebe die Mehrheit an Thomas Cook an. Die Deutsche Lufthansa betonte dagegen, momentan sei der Vorstand nicht zu einem Verkauf des 50-Prozent-Anteils an Thomas Cook bereit. „Derzeit ist nicht geplant, daß wir uns von Thomas Cook trennen“, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Middelhoff bestätigte, daß es zur Zeit auch keine Gespräche mit Lufthansa gebe.

Er hatte zuvor erklärt, ein Börsengang von Cook sei nicht vorgesehen. Lufthansa wies darauf hin, daß beide Gesellschafter vereinbart hätten, das Unternehmen in jedem Fall börsenfähig zu machen. „Beide Gesellschafter haben die IPO-Fähigkeit als gemeinsames Ziel definiert. Ein Abweichen davon ist nicht geplant. Mehr haben die beiden Gesellschafter dazu nie gesagt“, sagte die Sprecherin.

Der Ende 2003 knapp der Pleite entgangene Reisekonzern war in den vergangenen zwei Jahren mit einem harten Sparkurs saniert worden. Für das gerade abgelaufene Geschäftsjahr 2004/2005 wird erstmals seit vier Jahren wieder ein kleiner Gewinn erwartet, die Zahlen liegen noch nicht vor.

Seit längerem halten sich in der Touristikbranche Spekulationen, daß die Mutterkonzerne das 1997 gemeinsam gegründete Unternehmen wieder aufteilen könnten. Die von Lufthansa eingebrachte Ferienfluggesellschaft Condor könnte demnach zur einstigen Mutter Lufthansa zurückwandern. Das Veranstaltergeschäft mit der Hauptmarke Neckermann würde wieder bei Karstadt-Quelle landen. Aus dem Umfeld beider Unternehmen hieß es in der Vergangenheit wiederholt, es würden alle Optionen geprüft.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters
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