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Einzelhandel Aldi-Weine vom Spitzenwinzer

18.08.2007 ·  Deutscher Wein ist wieder gefragt, aber lieblich-lieblose Massenware will niemand mehr. Jetzt arbeitet sogar der Discounter Aldi mit den Spitzenwinzern Raimund Prüm und Fritz Keller zusammen. Sogar Aldi-Kunden sind heute bereit, hohe Preise für Weine mit gutem Namen zu bezahlen. Für die deutsche Weinbranche ist dies eine Sensation.

Von Christian von Hiller
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Die Klage ist nicht mehr nur des Kaufmanns Gruß. Auch die Vertreter der deutschen Landwirtschaft haben ihn gelernt. Allein dem deutschen Winzer fällt das Klagen schwer. Der Jahrgang 2006 ist weitgehend ausverkauft, die Preise steigen, und die Aussichten sind noch besser. Keine Frage, deutscher Wein ist gefragt.

Jetzt springt sogar der Discounter Aldi auf die Modewelle auf. Bisher waren die deutschen Supermärkte dafür bekannt, ausschließlich lieblich-lieblose Billigware ins Regal zu stellen und den einst so schlechten Ruf heimischer Erzeugnisse beim deutschen Verbraucher zu verfestigen. Doch künftig arbeitet Aldi Süd mit den beiden Edel-Winzern Fritz Keller vom Weingut Franz Keller im Kaiserstuhl und Raimund Prüm vom Weingut S.A. Prüm an der Mosel zusammen.

Zwei Welten treffen aufeinander

Die Kooperation ist eine Sensation für den deutschen Weinbau. Denn Keller und Prüm stehen wie nur wenige Winzer für den Wiederaufstieg deutscher Weine und deren internationalen Erfolg. Raimund Prüm gehört das Weingut S.A. Prüm in Wehlen an der Mittelmosel, dessen beste Erzeugnisse aus der berühmten Spitzenlage „Wehlener Sonnenuhr“ kommen.

Ausgerechnet Prüm und Keller mit Aldi? Eine solche Meldung hätte jeder Weinkenner vor kurzem noch ungläubig für falsch erklärt, weil hier zwei Welten aufeinander prallen, die sich bisher unversöhnlich gegenüber standen. In die Aldi-Kartons kämen ja nicht die preisgekrönten Produkte der Weingüter Franz Keller und S. A. Prüm, heißt es bei den beiden Weingutsbesitzern. Das ginge ohnehin schlecht. Denn die beiden Güter könnten nicht annähernd die Menge erzeugen, die Aldi Süd für seine 1600 Supermärkte zwischen Wilsum und Waldshut braucht. Prüm kommt mit seinem Gut von 16,5 Hektar Größe auf eine Jahresproduktion von 90.000 bis 100.000 Flaschen.

Preise deutlich über dem Durchschnitt

Aldi handelt in anderen Dimensionen: Dort wird in Hunderttausenden Flaschen gerechnet. Prüm soll allein mit Mosel-Riesling rund 300.000 Flaschen bei Aldi verkaufen. Ihm selbst machen solche Zahlen Angst: „Ich weiß ja gar nicht, ob ich überhaupt genügend Menge in der Qualität bekomme, die ich brauche“, sagt Prüm. Weil diese Menge aber für den Discounter zu gering sein kann, wird Prüm-Riesling wohl nicht über das gesamte Jahr bei Aldi erhältlich sein.

Bei Keller steht die Menge auch noch nicht fest, aber sie wird spürbar darüber liegen. Denn Fritz Keller soll für Aldi eine Weißwein- und eine Rotwein-Linie auf den Markt bringen. Im Frühjahr kommenden Jahres soll die weiße Weißburgunder-Linie in die Regale kommen, im Herbst eine rote Spätburgunder-Marke.

Vieles ist noch offen, unter anderem der Markenname. Beim Preis peilt Keller rund 5 bis 6 Euro für den Weißwein und wohl 7 bis 8 Euro für den Rotwein an. Das wäre deutlich über dem Durchschnittspreis von 2,36 Euro, den deutscher Wein derzeit erreicht.

Eine Steillagen-Cuvée für den Discounter

Keller arbeitet dazu in Baden mit mehr als 1000 Winzern, neun Genossenschaften und zwei Weingütern zusammen. Über diese Kooperation will er die Region Baden an die Spitze einer Qualitätsbewegung bei deutschem Wein setzen und den beteiligten Winzern eine verlässliche Kalkulationsgrundlage bieten mit Preisen, die klar über jenen liegen, die sie für Fassware bei den Kellereien und den Genossenschaften erhalten.

Ähnliche Motive haben nun auch Prüm dazu bewogen. Bisher habe die Mosel ja eine „Frontstellung für billigen Wein“, sagt eine seiner Mitarbeiterinnen. „Die Mosel kann grandiose Weine produzieren, aber der deutsche Verbraucher weiß es nicht“, formuliert er selbst und beklagt, dass Mosel-Weine weltweit gefragt, in Deutschland aber ein Ladenhüter sind. Allerdings gelangt deutsche Supermarktware nicht in die amerikanische Spitzengastronomie. Prüm will nun eine „Steillagen-Cuvée“ auf den Markt bringen, um das Profil der Mosel gezielt im Discount aufzubessern.

Baden und Mosel kämpfen mit dem Image

Es ist wohl auch kein Zufall, dass ausgerechnet ein Weingutsbesitzer aus Baden und einer von der Mosel eine Kooperation mit Aldi eingehen. Beide Anbaugebiete haben ein enormes Qualitätspotential, sind in der Wertschätzung der Weinkenner aber in den vergangenen Jahren zurückgefallen. Gebiete wie Rheinhessen oder Württemberg gelten derzeit als innovativer, und als Geheimtipps für aufstrebende Regionen fallen eher Namen wie Franken oder der Mittelrhein.

Und es ist auch kein Zufall, dass die Kooperation erst im kommenden Jahr beginnt. Deutscher Wein ist knapp wie nie. „Die Keller sind weitgehend geräumt“, sagt Ernst Büscher, Sprecher des Deutschen Weininstituts in Mainz, der Vermarktungsorganisation des heimischen Weinbaus. Der Jahrgang 2006 war gut, aber die Menge gering, und deutscher Wein ist gefragt. So sind die 9 Millionen Hektoliter - die ergeben rechnerisch 675 Millionen Flaschen - gut verkauft.

„Die deutschen Winzer sind zufrieden“

Der laufende Jahrgang 2007 könnte schwierig werden, wenn in zwei Wochen die Hauptlese beginnt und in rund vier Wochen Riesling folgt: Die Nächte waren kühl und die Tage - entgegen der Empfindung vieler sonnenentwöhnter Deutscher - warm. So konnten sich die Aromen gut ausbilden. Wegen des häufigen Regens wurden die Reben gut mit Wasser versorgt. Dadurch wurde den Rebstöcken Trockenstress erspart. Aber weiterer Regen jetzt kurz vor der Lese könnte die dünnen Häute der Trauben aufplatzen lassen und die Ernte schwer schädigen.

„Die deutschen Winzer sind - bis jetzt noch - zufrieden“, sagt denn auch Ernst Büscher. Dabei wäre die Einschränkung gar nicht notwendig, denn immerhin sind deutsche Erzeugnisse wieder beim Konsumenten gefragt. Jahrelang wendeten sich selbst magenfeste Verbraucher von heimischen Gewächsen ab und griffen zu Erzeugnissen aus Italien, Spanien, Chile oder Frankreich - Hauptsache nicht deutsch, war die Devise.

Der Marktanteil deutschen Weins wächst

Vorbei. „Die Nachfrage nach deutschem Wein wächst“, sagt Büscher. Selbst der Fachhandel, der sich bis zuletzt vom Massenangebot der Supermärkte und Discounter mit Gewächsen aus dem Ausland abgrenzen wollte, ist jetzt ganz auf deutschen Wein eingestiegen, berichtet der Weinfachmann. Das zeigt sich auch in steigenden Marktanteilen: Fast jeder zweite Flasche, die in Deutschland verkauft wird, enthält ein heimisches Erzeugnis. Im ersten Quartal stieg der Marktanteil nach Wert auf 49,1 Prozent.

„Der Aufwärtstrend wird sich fortsetzen“, sagt Büscher voraus. Diese Prognose ist nicht sehr gewagt. Denn allein durch die Kooperation mit Aldi wird sich deutscher Wein besser verkaufen. Aldi baut schon lange gezielt die Marktstellung im Weinhandel aus und nimmt auch schon seit längerem immer wieder anerkannte Erzeuger und Qualitätsprodukte auf. Nur waren bisher nie deutsche Produkte dabei.

Die Kooperation birgt trotz aller Vorteile große Risiken für Prüm und Keller. Aber sie zeigt auch, dass Aldi im Weinhandel unumgänglich geworden ist. Der Discounter ist der mit Abstand größte Weinhändler der Republik. Aldi hat allein einen Marktanteil von rund 25 Prozent, und die übrigen Discounter zusammen kommen noch einmal auf etwa 25 Prozent. Nun hoffen die Ersten in der Weinbranche auf Nachahmereffekte. Wein kommt von weinen, hieß es früher einmal. Diese Volksweisheit trifft heute wahrlich nicht mehr zu.

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