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Einweihung in Rastatt Daimler investiert in Kompaktwagenproduktion

22.10.2009 ·  Was bisher A- und B-Klasse war, soll künftig eine ganze Modellfamilie werden, Elektro-Varianten eingeschlossen. In Rastatt werden dafür 600 Millionen Euro investiert. Partnerschaften mit anderen Herstellern werden ausgelotet.

Von Susanne Preuß, Rastatt
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Erst im Jahr 2011 sollen die ersten Fahrzeuge der neuen Kompaktwagengeneration von Mercedes auf den Markt kommen, doch die Investitionen dafür nehmen Gestalt an. Während im ungarischen Kecskemét gerade erst mit dem Bau eines neuen, 800 Millionen Euro teuren Werks begonnen wurde, ist die Erweiterung des Werks Rastatt schon weiter fortgeschritten. Die neue Halle für den Karosserie-Rohbau steht nach zehn Monaten Bauzeit. Das war Anlass für einen Festakt, bei dem Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche sagte, dass die Investition von 600 Millionen Euro in Rastatt „der richtige Schritt zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ sei.

Das Segment der Premium-Kompaktfahrzeuge wachse, es werde grüner, und Rastatt biete gute Voraussetzungen, um von beiden Entwicklungen zu profitieren. „Wir sind keine Camper, die ihre Zelte immer dort aufschlagen, wo in puncto Lohnkosten die Sonne gerade am hellsten scheint“, betonte Zetsche. Daimler kenne die Vorteile des Standorts Deutschland. Der Konzern investiere an deutschen Standorten in diesem und dem nächsten Jahr insgesamt 3 Milliarden Euro.

Mercedes stelle sich auf deutliche Veränderungen in der Autoindustrie ein, sagte Zetsche, vor allem auf eine stärkere Polarisierung zwischen billigen und guten Autos. Ein Segment, bei dem es noch viel Luft nach oben gebe, sei das sogenannte Small Premium, also die Spitzenklasse bei den Kompaktautos. Neben der Verstädterung, die zu einer höheren Nachfrage nach Stadtautos führe, sei einer der Treiber für den Markt auch der stärker gewordene Wunsch der Autokunden nach „subtilem, zeitgemäßem und damit vor allem ökologisch korrektem Luxus“.

Mercedes reagiert darauf, indem die Produktpalette im Kompaktwagensegment, die bisher auf die A- und B-Klasse beschränkt ist, auf vier Modellreihen ausgeweitet wird, die jeweils sehr unterschiedliche Zielgruppen ansprechen sollen. Zudem hat Mercedes drei Varianten für Elektroautos auf Basis des Kompaktmodells entwickelt, das durch seinen Sandwichboden den nötigen Stauraum für Batterie oder Brennstoffzelle bietet. Trotz aller Erfolge sei es aber noch ein langer Weg bis zur Marktreife, räumte Zetsche ein - unter anderem, weil allein die Batterie heute noch dreimal so viel koste wie zwei herkömmliche Kleinwagen.

Schlechte Nachricht für die 5700 Mitarbeiter

Es gebe zuverlässige Prognosen über die zusätzliche Nachfrage, die durch die neuen Kompaktwagenmodelle generiert werde, sagte Zetsche. Eine Größenordnung nannte er aber nicht. Die Portfolioerweiterung ergebe aber wirtschaftlich nur im Produktionsverbund mit dem in Ungarn entstehenden Werk einen Sinn, betonte der Konzernchef. Die zusätzliche Nachfrage soll durch die Produktion in Kecskemét befriedigt werden. Das Werk sei auf eine Kapazität im niedrigen sechsstelligen Bereich ausgelegt.

Für die derzeit noch 5700 Mitarbeiter im Werk Rastatt enthält diese Aussage eine schlechte Nachricht. So dient die Investition von 600 Millionen Euro an dem Standort zwar der Modernisierung des Werks sowie einer Erweiterung, die aufgrund der größeren Modellvielfalt nötig ist. Die Kapazität soll aber bei 250.000 Autos im Jahr stabil gehalten werden. Bei einer höheren Produktivität bedeutet das auch einen geringeren Bedarf an Personal. Welche Fortschritte in diesem Bereich bereits erzielt wurden, stellte Rainer Schmückle klar, der Produktionsvorstand der Sparte Mercedes-Benz Cars: Allein in den vergangenen drei Jahren sei es gelungen, die notwendige Zeit zur Herstellung eines Autos um 30 Prozent zu verbessern.

Kostensenkung über Zusammenarbeit mit anderen Herstellern

„Wir müssen in puncto Rendite im Kompaktwagensegment deutlich besser werden als bisher - gerade weil das Segment an Bedeutung gewinnt“, gibt Schmückle vor. Die Produktion in Ungarn, wo je Arbeitsstunde mit Kosten von 8 Euro gerechnet wird, während es in Baden-Württemberg mehr als 50 Euro sind, ist aber nur ein Bestandteil der Renditebemühungen. Daneben lotet Mercedes die Möglichkeit aus, mit anderen Herstellern zusammenzuarbeiten und so Kosten zu senken. Auch wenn die Entwicklung der künftigen Kompaktwagenmodelle weitgehend abgeschlossen sei, könne es noch zu Kooperationen kommen, sagte Schmückle.

Notwendig sei dann eben eine „Mercedisierung“ der Teile. Gespräche gebe es über verschiedene Komponenten - bis hin zum Motor. Man habe ja beobachtet, dass der Einsatz markenfremder Motoren von den Kunden nicht negativ beurteilt würde. So greift BMW für seinen Mini beispielsweise auf einen Motor von Peugeot zurück. Für die Modelle mit Heckantrieb (also alle Mercedes-Modelle außer der A- und B-Klasse) ist Mercedes weiter in Gesprächen mit BMW über die Zusammenarbeit bei Entwicklung und Einkauf gemeinsamer Bauteile.

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Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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