Home
http://www.faz.net/-gqi-110wo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Einsparungen in der Verwaltung Die Post zückt den Rotstift

26.11.2008 ·  Die Deutsche Post macht Ernst mit den geplanten Einsparungen in der Verwaltung. Mitarbeiter werden auf Teilzeitbeschäftigung gesetzt, andere in niedrigere Entgeltgruppen eingestuft. Zuerst betroffen ist wohl der Standort Magdeburg.

Von Helmut Bünder, Bonn
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Die Deutsche Post macht Ernst mit den geplanten Einsparungen in der Verwaltung. Mitarbeiter werden auf Teilzeitbeschäftigung gesetzt, andere in niedrigere Entgeltgruppen eingestuft. Als erste Niederlassung trifft es nach Angaben der Kommunikationsgewerkschaft DPV den Standort Magdeburg: Von 163 derzeit vollbeschäftigten Mitarbeitern sollen dort 25 auf eine Halbtagsstelle wechseln; weitere Mitarbeiter sollen um eine Entgeltgruppe tiefer eingestuft werden.

„Was wir hier erleben, ist der Beginn des angekündigten Sparprogramms. Die Mitarbeiter bekommen es unmittelbar zu spüren“, sagte Volker Geyer, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, der F.A.Z. Es sei das erste Mal in der Geschichte der Post, dass das Unternehmen so extrem vorgehe. „Die Personalbudgets werden massiv gekürzt, so dass es dann zu solchen Auswüchsen kommen kann“, meinte Geyer.

Postsprecher: Magdeburg ist ein Einzelfall

Ein Postsprecher widersprach dieser Darstellung. In Magdeburg handele es sich um einen Einzelfall. Dort werde nach Lösungen gesucht, um einen „Beschäftigungsüberhang“ abzubauen. Wegen der hohen Verluste in Amerika und auch in anderen Regionen rückläufiger Umsätze aus dem Express- und Logistikgeschäft will die Post ihre Kosten bis 2010 um eine Milliarde Euro senken. Ein Personalabbau in Deutschland sei „derzeit“ aber nicht geplant, hatte Vorstandschef Frank Appel vor zwei Wochen bei der Vorlage der Quartalszahlen versichert.

Sehr kritisch sieht die Gewerkschaft, dass Appel an der Dividende auf Vorjahresniveau festhält. „Man kann der Belegschaft nicht Mehrarbeit und Zusatzlasten aufbürden, nur damit die Aktionäre auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten keine Abstriche machen müssen“, meinte Geyer. Appels Überlegungen, neue Großaktionäre zu gewinnen, um die Post vor Übernahmen zu schützen, hält er im Grundsatz für richtig. Aber Geyer warnt vor einem „amerikanischen Denken, wie es Blackstone in die Deutsche Telekom gebracht hat“. Nach dem Einstieg der Private-Equity-Gesellschaft habe der Personaldruck dort extrem zugenommen, während die Kundenzufriedenheit noch immer zu wünschen übrig lasse, sagte er.

Gewerkschaft: Arbeitsplätze von 10.000 Beschäftigten bedroht

Ein Konzernsprecher sagte, für das Sparprogramm würden alle Kostenpositionen geprüft, auch in den Verwaltungen. Es gelte jedoch der Beschäftigungspakt, der Beendigungskündigungen für die Mitarbeiter der Post AG bis 2011 ausschließe. Für die jetzt in Magdeburg betroffenen Kollegen sei das kein Trost, hielt Geyer dagegen. Die geplanten Änderungen seien zutiefst „unsozial“ und die Gewerkschaft werde alle rechtlichen Mittel nutzen, um sie zu verhindern. Zudem gebe es bei der Post zahlreiche Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen, die nicht unter den Beschäftigungspakt fielen. „Die Post ist Befristungsweltmeister“. Je nach Niederlassung hätten 5 bis 10 Prozent aller Mitarbeiter nur einen Zeitvertrag. Die Arbeitsplätze von rund 10.000 Beschäftigten seien von möglichen Sparmaßnahmen deshalb unmittelbar bedroht, meinte Geyer.

Im Moment ist dies allerdings ein eher theoretisches Szenario. Um Personalengpässe in der Zustellung zu überbrücken, hat die Post gerade erst 1000 zusätzliche Briefträger befristet eingestellt und die auslaufenden Zeitarbeitsverträge von weiteren 800 Zustellern vorläufig verlängert. „Die regionale Verteilung der zusätzlichen Zusteller zeigt, dass die Schwierigkeiten keineswegs auf Ballungsgebiete begrenzt sind, wie die Deutsche Post behauptet“, sagte Geyer. Ganz offensichtlich herrsche flächendeckend in ganz Deutschland, auch in vielen ländlichen Regionen, Personalmangel. Knapp 50 Niederlassungen sollen nun zusätzliche Zustellkräfte bekommen, darunter auch Städte und ländliche Gebiete, deren Zustellprobleme bisher wenig öffentliche Aufmerksamkeit fanden. Die Post stellt die Verspätungen trotzdem weiterhin als regionale Einzelfälle dar. Vor allem Hamburg, Berlin und das Rhein-Main-Gebiet seien davon betroffen. Dort ist auch die größte Verstärkung des Personals geplant. „Es gibt kein flächendeckendes Zustellproblem“, sagte ein Postsprecher.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1957, Wirtschaftskorrespondent in Bonn.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 25 39

30.05.2012 15:34 Uhr
  Vortag
Dax 6.318,15 −1,23%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.376,20 −1,29%
Dow Jones 12.474,10 −0,85%
EUR/USD 1,2413 −0,61%
Rohöl Brent Crude 104,12 $ −2,55%
Gold 1.579,50 $ 0,00%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.