04.04.2008 · Die Graphit Kropfmühl AG gehört zu den wenigen deutschen Unternehmen, die noch in Zimbabwe tätig sind. Seit mehr als 30 Jahren fördert die Firma Graphit aus einer Mine. Doch das Land ist völlig heruntergewirtschaftet. Zimbabwe hat sich von der Kornkammer Afrikas zu einem Armenhaus gewandelt.
Von Claudia BröllMartin Ebeling hat die Hoffnung auf einen Wandel in Zimbabwe nie aufgegeben. "Wir haben immer gesagt, wir machen weiter, auch wenn wir kurzfristig Verluste machen", sagt der Vorstandschef der im niederbayerischen Hauzenberg beheimateten Graphit Kropfmühl AG dieser Zeitung. Glaubt man den jüngsten Prognosen über den Wahlausgang, könnte sich die Standfestigkeit gelohnt haben. Nach südafrikanischen Presseberichten hat der zimbabwische Präsident Robert Mugabe seiner Familie gegenüber eingestanden, die Wahl verloren zu haben. Obwohl die wirtschaftliche Zukunft des Landes damit noch keineswegs abzusehen ist, berichten Analysten, dass sich einzelne, risikofreudige ausländische Investoren schon für den Wiedereinstieg bereit machten.
Graphit Kropfmühl, eine Gesellschaft mit einem Jahresumsatz von 83 Millionen Euro, gehört zu den wenigen deutschen Unternehmen, die noch in Zimbabwe tätig sind. Seit mehr als 30 Jahren fördert die Firma in einem Gemeinschaftsunternehmen mit einer Gesellschaft des Bergbauministeriums Graphit aus der Lynx-Mine, 280 Kilometer nordwestlich von Harare. Dreihundert Mitarbeiter leben dort mit ihren Familien. Die Siedlung hat sich zu einem kleinen Dorf entwickelt. Das deutsche Unternehmen baute Häuser, eine Mühle und zwei Schulen für insgesamt 400 Kinder, außerdem kümmert es sich um Strom und Wasser.
Stromausfälle auf der Tagesordnung
"Es ist für Unternehmen heute extrem schwierig, in Zimbabwe zu arbeiten. Man muss sich wundern, dass überhaupt noch irgendetwas funktioniert", sagt Ebeling. Maschinen, Ersatzteile, Arbeitsmittel bis hin zum letzten Kugelschreiber müssten mühsam aus Südafrika oder aus Deutschland hereingebracht werden. Gut ausgebildete Arbeitskräfte hätten das Land längst verlassen. Stromausfälle stünden auf der Tagesordnung. Die Graphitförderung liege daher seit langer Zeit nur bei 500 bis 600 Tonnen im Monat. Das ist die Hälfte der Produktion, die unter normalen Umständen möglich wäre. "Wir müssen das Geschäft subventionieren, aber langfristig ist das Bergwerk für uns eine gute Rohstoffquelle." Unter Mugabes katastrophaler Wirtschaftspolitik hat sich Zimbabwe von der Kornkammer Afrikas zu einem Armenhaus gewandelt. Die Inflation der Landeswährung Zim-Dollar übersteigt 100.000 Prozent. Mehr als 80 Prozent der Menschen haben keine Arbeit, ein Drittel der Bevölkerung flüchtete. In den vergangenen acht Jahren unter Mugabes Regime ist mit dem wirtschaftlichen Niedergang auch das Gesundheits- und Bildungswesen, eines der zuvor besten in Afrika, zusammengebrochen. Die Lebenserwartung sank auf weniger als 40 Jahre.
Ausländische Unternehmen haben Enteignungen, Preiskontrollen und die Inhaftierung etlicher Firmenchefs außer Landes getrieben. Kurz vor den Wahlen hatte Mugabe ein Gesetz verabschiedet, das ausländischen Unternehmen keinen Mehrheitsanteil mehr am eigenen Unternehmen zugesteht. Nach Angaben der deutschen Botschaft in Harare ist höchstens ein Dutzend deutscher Unternehmen noch im Land. Von den großen Konzernen habe nur Siemens noch ein Büro in Harare mit einem einzelnen zimbabwischen Mitarbeiter. Die Graphit Kropfmühl AG konnte sich der Repression offensichtlich entziehen. "Wir arbeiten vernünftig mit unserem Jointventure-Partner zusammen", sagt Ebeling. Möglicherweise trägt dazu bei, dass Graphit Kropfmühl die Hälfte der Verluste der Mine schultert.
Niedergang der Textilindustrie
Heinz Höhmann vom Afrika-Verein der Deutschen Wirtschaft wittert dennoch Chancen für deutsche Unternehmen - wenn es zu einem Machtwechsel kommt. "Das Potential in Zimbabwe ist riesig. Firmen, die jetzt reingehen, könnten bei einem möglichen Aufschwung den Vorsprung haben." Zimbabwe ist reich an Rohstoffen wie Kohle, Chrom, Platin und Gold. Vor dem wirtschaftlichen Niedergang spielten die Landwirtschaft und die Textilindustrie eine wichtige Rolle für das Land.
Südafrikanische Analysten berichten, dass ausländische Investoren in London und andernorts auf der Welt schon in den Startlöchern stünden. Bisher haben neben den Südafrikanern vor allem Chinesen und Russen in Zimbabwe investiert. Das chinesische Eisenerzunternehmen Sinosteel etwa sicherte sich Ende vergangenen Jahres einen Mehrheitsanteil am größten Ferrochromproduzenten Zimbabwes, Zimasco. Die russische Investmentgruppe Renaissance kaufte einen Anteil an der zweitgrößten Bank des Landes CBZ. Nach Angaben einer anderen Bank, der African Banking Corporation (ABC), hat außerdem die Citigroup vor kurzem einen 20-Prozent-Anteil zum Preis von 25 Millionen Dollar an ABC erworben. Der in London ansässige Mischkonzern Lonrho setzt auf einen rasanten Aufschwung und plant, mehr als 100 Millionen Dollar in den Bergbau und in Immobilien fließen zu lassen.
Für Ebeling von der Graphit Kropfmühl AG ist dies Zukunftsmusik. Ihn treiben konkretere Fragen um. Er verhandelt gerade mit der Welthungerhilfe. Zusammen mit ihr will er sicherstellen, dass seine Beschäftigten in der Lynx-Mine endlich wieder genug zu essen haben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.376,20 | −1,29% |
| Dow Jones | 12.474,10 | −0,85% |
| EUR/USD | 1,2413 | −0,61% |
| Rohöl Brent Crude | 104,12 $ | −2,55% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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