http://www.faz.net/-gqe-7666p
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 30.01.2013, 19:16 Uhr

Ehemalige Sal. Oppenheim-Kunden Millionärin prangert die Deutsche Bank an

Geschädigte Kunden von Sal. Oppenheim fühlen sich hingehalten. Nachdem die Privatbank von der Deutschen Bank übernommen wurde, verloren Anleger ihr Geld - und wurden zu Nachzahlungen aufgefordert. Nun kämpft eine Professorin für die Rechte der Geschädigten.

von
© REUTERS Die frühere Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt - heute ist dort noch eine Filiale.

Unter den rund 200 Geschädigten der Privatbank Sal. Oppenheim regt sich Protest gegen die Deutsche Bank, die das Kölner Geldinstitut vor drei Jahren kurz vor dessen Pleite übernommen hat. „Die Deutsche Bank lässt uns am ausgestreckten Arm verhungern“, sagt Sabine Rau. Die Professorin für Familienunternehmen an der WHU - Otto Beisheim School of Management gehört zur Gründerfamilie der Walter Rau Lebensmittelwerke GmbH in Hilter nahe dem Teutoburger Wald.

Joachim Jahn Folgen:

Sabine Rau zählt nicht zu jenen exponierten Wirtschaftsfiguren, die den offenen Kampf gegen Sal. Oppenheim aufgenommen haben - von der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz über den früheren Karstadt-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff bis zum Schuhhändler Heinz-Horst Deichmann, dem früheren VW-Chef Carl Hahn und dem Erben Wilhelm von Finck junior. Die Hochschullehrerin sieht sich vielmehr als Vertreterin der größten Gruppe von Gläubigern, die viel Geld mit den Immobilienfonds rund um den schillernden Vermögensverwalter und Immobilienunternehmer Josef Esch verloren haben. „Von denen halten fast alle den Mund, weil sie sich fürchterlich schämen“, sagt Rau. „Viele haben sogar nachgezahlt bis an die Schmerzgrenze.“

„Wir hätten das Desaster kommen sehen müssen“

Von ihren Brüdern ließ sich Rau einst ihren Anteil an dem Hersteller von Streichfetten („Deli Reform“-Margarine) auszahlen. „Mein Mann und ich wollten das Vermögen für die nächste Generation erhalten“, erklärt sie. Deshalb hätten sie einen zweistelligen Millionenbetrag der vermeintlich seriösen Privatbank anvertraut.

Die dreifache Mutter räumt ein, dass sie und ihr Mann im Nachhinein oft gedacht haben, sie hätten das Desaster kommen sehen müssen. So hätten die Raus vielleicht misstrauisch werden müssen, als die Bank im Jahr 2007 nach Luxemburg umzog. „Aber erst als Sal. Oppenheim dann drei Jahre später von der Deutschen Bank übernommen wurde, fielen wir aus allen Wolken.“ Das Geld war weg, und nun sollten die Geschädigten sogar einen hohen Betrag nachschießen, weil die Fondsverwalter ihre Objekte mit viel Fremdkapital finanziert hatten. „Wir haben uns blöd angestellt“, gibt sie zu.

Die Führungsriege der Bank um Sal. Oppenheim, die von Ende Februar an wegen des Verdachts der Untreue vor Gericht steht, habe eben immer einen seriösen Eindruck vermittelt, sagt Rau zur Erklärung. „Christopher Oppenheim hat uns damals Esch vorgestellt und gesagt: Wenn Sie Ihr Geld konservativ anlegen wollen, kommen Sie an Immobilien nicht vorbei.“ Um das angelegte Geld habe man sich angeblich nicht kümmern müssen; stattdessen seien die Kunden zu Golfturnieren eingeladen worden.

Mehr zum Thema

Enttäuscht und empört zeigt sich Rau über die Deutsche Bank. Öffentlich habe diese ihre Bereitschaft erklärt, mit den Geschädigten zu einem Kompromiss zu kommen. „Aber man hat das Gefühl, es mit zwei verschiedenen Personen zu tun zu haben.“ Seit zwei Jahren zögen sich die Verhandlungen hin. Wiederholt hätten dort die Ansprechpartner gewechselt; und im letzten Moment scheitere eine Lösung immer wieder daran, dass irgendein Gremium in der Zentrale noch nicht zugestimmt habe oder dass noch Dokumente nachgereicht werden sollten.

Rau will trotzdem nicht aufgeben, versichert sie: Wenn das Geldinstitut den Stecker ziehe, müsse sie eben notfalls in Privatinsolvenz gehen. „Wenn man mit seiner Familie darüber spricht und einen Freundeskreis hat, der nicht auf dem Portemonnaie aufgebaut ist, muss man nicht zu Kreuze kriechen.“

Korrektur: In der Bildunterschrift hieß es zuerst, das Bild zeige die Zentrale der Deutschen Bank. Tatsächlich ist es die ehemalige Zentrale, heute ist dort noch eine Filiale. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ex-Arcandor-Chef Middelhoff arbeitet wieder

Thomas Middelhoff hat als Freigänger seine Arbeit in einer Behinderteneinrichtung wieder aufgenommen. Von seinem Gehalt muss er einen Beitrag zu den Haftkosten leisten. Mehr

23.05.2016, 12:00 Uhr | Wirtschaft
Tag der Arbeit DGB-Chef Hoffmann warnt vor AfD

Unter dem Motto Zeit für mehr Solidarität haben sich am Tag der Arbeit allein bei den bundesweit mehr als 500 DGB-Kundgebungen etwa 400.000 Menschen versammelt. Auf der zentralen Veranstaltung in Stuttgart warnte DGB-Chef Reiner Hoffmann auch vor der rechtspopulistischen AfD. Mehr

02.05.2016, 08:15 Uhr | Politik
Ehemaliger Spitzenmanager Middelhoff darf in den offenen Vollzug

Seit vergangener Woche sitzt Thomas Middelhoff wegen Untreue und Steuerhinterziehung im Gefängnis. Nun wird ihm der offene Vollzug erlaubt. Mehr

20.05.2016, 15:15 Uhr | Wirtschaft
Weltwunder in Gefahr Korallen am Great Barrier Reef sterben ab

Mehr als ein Drittel der Korallen des nördlichen und zentralen Great Barrier Reef in Australien sind durch ein Massenkorallenbleichen zerstört worden. Das berichteten australische Wissenschaftler. Noch in März waren Wissenschaftler von einer viel kleineren Zahl betroffener Korallen ausgegangen. Das Great Barrier Reef gilt als UNESCO Weltnaturerbe und zählt zu den sieben Weltwundern der Natur. Mehr

31.05.2016, 10:41 Uhr | Wissen
Möbel zum Aufpumpen Ein Luftikus von einem Tisch

Eine Luftmatratze gibt es in fast jedem Haushalt – aber einen Tisch zum Aufblasen? Der Frankfurter Philipp Beisheim hat dafür den wichtigsten Nachwuchspreis der Branche bekommen. Mehr Von Peter-Philipp Schmitt

22.05.2016, 07:55 Uhr | Stil

Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Armut in Deutschland Vanessas grenzenlose Welt

Wie sieht Kinderarmut in Deutschland aus? Das kann man zum Beispiel bei Vanessa sehen. Da gibt es Eis, Spielplätze, genügend Geld bis zum Monatsende und eine Mutter, die alles für das Kind tut. Trotzdem fehlt es am Nötigsten. Mehr Von Nadine Bös 1

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden