Home
http://www.faz.net/-gqi-7666p
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Ehemalige Sal. Oppenheim-Kunden Millionärin prangert die Deutsche Bank an

Geschädigte Kunden von Sal. Oppenheim fühlen sich hingehalten. Nachdem die Privatbank von der Deutschen Bank übernommen wurde, verloren Anleger ihr Geld - und wurden zu Nachzahlungen aufgefordert. Nun kämpft eine Professorin für die Rechte der Geschädigten.

© REUTERS Vergrößern Die frühere Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt - heute ist dort noch eine Filiale.

Unter den rund 200 Geschädigten der Privatbank Sal. Oppenheim regt sich Protest gegen die Deutsche Bank, die das Kölner Geldinstitut vor drei Jahren kurz vor dessen Pleite übernommen hat. „Die Deutsche Bank lässt uns am ausgestreckten Arm verhungern“, sagt Sabine Rau. Die Professorin für Familienunternehmen an der WHU - Otto Beisheim School of Management gehört zur Gründerfamilie der Walter Rau Lebensmittelwerke GmbH in Hilter nahe dem Teutoburger Wald.

Joachim Jahn Folgen:      

Sabine Rau zählt nicht zu jenen exponierten Wirtschaftsfiguren, die den offenen Kampf gegen Sal. Oppenheim aufgenommen haben - von der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz über den früheren Karstadt-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff bis zum Schuhhändler Heinz-Horst Deichmann, dem früheren VW-Chef Carl Hahn und dem Erben Wilhelm von Finck junior. Die Hochschullehrerin sieht sich vielmehr als Vertreterin der größten Gruppe von Gläubigern, die viel Geld mit den Immobilienfonds rund um den schillernden Vermögensverwalter und Immobilienunternehmer Josef Esch verloren haben. „Von denen halten fast alle den Mund, weil sie sich fürchterlich schämen“, sagt Rau. „Viele haben sogar nachgezahlt bis an die Schmerzgrenze.“

„Wir hätten das Desaster kommen sehen müssen“

Von ihren Brüdern ließ sich Rau einst ihren Anteil an dem Hersteller von Streichfetten („Deli Reform“-Margarine) auszahlen. „Mein Mann und ich wollten das Vermögen für die nächste Generation erhalten“, erklärt sie. Deshalb hätten sie einen zweistelligen Millionenbetrag der vermeintlich seriösen Privatbank anvertraut.

Die dreifache Mutter räumt ein, dass sie und ihr Mann im Nachhinein oft gedacht haben, sie hätten das Desaster kommen sehen müssen. So hätten die Raus vielleicht misstrauisch werden müssen, als die Bank im Jahr 2007 nach Luxemburg umzog. „Aber erst als Sal. Oppenheim dann drei Jahre später von der Deutschen Bank übernommen wurde, fielen wir aus allen Wolken.“ Das Geld war weg, und nun sollten die Geschädigten sogar einen hohen Betrag nachschießen, weil die Fondsverwalter ihre Objekte mit viel Fremdkapital finanziert hatten. „Wir haben uns blöd angestellt“, gibt sie zu.

Die Führungsriege der Bank um Sal. Oppenheim, die von Ende Februar an wegen des Verdachts der Untreue vor Gericht steht, habe eben immer einen seriösen Eindruck vermittelt, sagt Rau zur Erklärung. „Christopher Oppenheim hat uns damals Esch vorgestellt und gesagt: Wenn Sie Ihr Geld konservativ anlegen wollen, kommen Sie an Immobilien nicht vorbei.“ Um das angelegte Geld habe man sich angeblich nicht kümmern müssen; stattdessen seien die Kunden zu Golfturnieren eingeladen worden.

Mehr zum Thema

Enttäuscht und empört zeigt sich Rau über die Deutsche Bank. Öffentlich habe diese ihre Bereitschaft erklärt, mit den Geschädigten zu einem Kompromiss zu kommen. „Aber man hat das Gefühl, es mit zwei verschiedenen Personen zu tun zu haben.“ Seit zwei Jahren zögen sich die Verhandlungen hin. Wiederholt hätten dort die Ansprechpartner gewechselt; und im letzten Moment scheitere eine Lösung immer wieder daran, dass irgendein Gremium in der Zentrale noch nicht zugestimmt habe oder dass noch Dokumente nachgereicht werden sollten.

Rau will trotzdem nicht aufgeben, versichert sie: Wenn das Geldinstitut den Stecker ziehe, müsse sie eben notfalls in Privatinsolvenz gehen. „Wenn man mit seiner Familie darüber spricht und einen Freundeskreis hat, der nicht auf dem Portemonnaie aufgebaut ist, muss man nicht zu Kreuze kriechen.“

Korrektur: In der Bildunterschrift hieß es zuerst, das Bild zeige die Zentrale der Deutschen Bank. Tatsächlich ist es die ehemalige Zentrale, heute ist dort noch eine Filiale. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Versteigerung Mehr als 10.000 Euro für Middelhoffs Armbanduhr

Diese Uhr hat ein Gerichtsvollzieher dem ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff weggenommen. Jetzt ist sie versteigert worden - für das Vierfache ihres eigentlichen Wertes. Mehr

17.10.2014, 16:21 Uhr | Wirtschaft
Prozessbeginn für Ex-Arcandor-Chef Middelhoff

In dem Verfahren vor dem Landgericht Essen geht es um die Abrechnung von Flügen des ehemaligen Arcandor-Chefs. Middelhoff selbst machte vor Verhandlungsbeginn einen entspannten Eindruck. Mehr

06.05.2014, 17:02 Uhr | Wirtschaft
Finanzinstitute Elf Banken im Stresstest angeblich durchgefallen

Seit Monaten prüft die Finanzaufsicht die größeren Banken in den Euro-Ländern. Laut einem Medienbericht haben mindestens 11 Banken nicht bestanden. Deutsche Banken seien nicht darunter. Die EZB bezeichnet den Bericht als Spekulation - Ergebnisse gebe es erst am Sonntag. Mehr

22.10.2014, 10:52 Uhr | Wirtschaft
Verschleierte Verluste und versickerte Kredite

Die Bank Espírito Santo ist Portugals größte Privatbank und ein traditionsreiches Familienunternehmen. Jetzt hat die Muttergesellschaft die Insolvenz beantragt. Was genau dahinter steckt, ist selbst für Finanzexperten schwer zu durchschauen. Mehr

30.07.2014, 11:43 Uhr | Wirtschaft
Termine des Tages Asien trifft auf Europa

Die Staats- und Regierungschefs kommen in Mailand zum 10. Asien-Europa-Treffen zusammen, KWS SAAT lädt zur Bilanzpressekonferenz und aus Washington kommt der Philadelphia-Fed-Index für Oktober. Mehr

15.10.2014, 13:19 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 30.01.2013, 19:16 Uhr

Indonesiens unerfahrener Hoffnungsträger

Von Christoph Hein, Singapur

Gerade wurde Indonesiens neuer Präsident Joko Widodo eingeschworen. Die Erwartungen an ihn sind riesig. Aber ist er seinem Amt gewachsen? Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Wie wichtig ist die Raumfahrt für Deutschland?

Dass die Raumfahrernation Amerika viel in die Erforschung des Weltraums investiert, ist keine Überraschung. Aber selbst in Italien, Japan und Frankreich hat die Raumfahrt einen höheren Stellenwert als hierzulande. Mehr 4

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden