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Maggi, Wagner, Kitkat : Edeka weitet den Kampf gegen Nestlé aus

Nicht mehr im Sortiment? - Der Konflikt zwischen Edeka und Nestlé erreicht eine neue Stufe. Bild: Reuters

Die Supermarktkette Edeka buhlt um Verbraucher, um ihren Lieferanten Nestlé weiterhin unter Druck zu setzen – ein Testfall für die Branche.

          Der Streit zwischen Edeka und Nestlé um Einkaufskonditionen spitzt sich zu. In vielen Filialen wirbt Deutschlands größter Lebensmittelhändler bei seinen Kunden um Verständnis für die Boykottaktion gegen den Schweizer Markenartikler. Gleichzeitig ruft Edeka auf Plakaten dazu auf, stattdessen die preislich „attraktiven Alternativen“ aus dem eigenen Hause und dem übrigen Markensortiment zu nutzen.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Warum Edeka-Kunden demnächst Suppen von Maggi, Tiefkühlpizzen von Wagner oder Schokoriegel von Kitkat nicht mehr in den Regalen finden, begründet der Supermarktbetreiber ebenfalls wortreich: Danach sei es der Anspruch der Supermarktkette, Markenware in bester Qualität und zum attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten. Doch mit Nestlé sei in diesem Punkt bislang keine Einigung erzielt worden. Dass ein Einzelhändler in dieser Form den Schulterschluss mit Verbrauchern sucht, um seinen Lieferanten unter Druck zu setzen, ist selbst für eine Branche ungewöhnlich, in der ohnehin mit harten Bandagen um Margen und Marktanteile gekämpft wird. Dabei wurde der Streit zwischen dem größten Lebensmittelhändler in Deutschland und dem Markenmulti aus der Schweiz erst im Februar öffentlich, obwohl er seit Herbst 2017 schwelt.

          Härtere Bandagen:Neue Aktion einer Edeka-Filiale

          Der Supermarktbetreiber aus Hamburg, der mit 5.900 Filialen rund 50 Milliarden Euro im Jahr umsetzt, will etwa 160 Produkte seines Nestlé-Sortiments aus seinen Regalen verbannen. Die Boykottaktion soll den Markenartikler zwingen, bessere Konditionen einzuräumen. Damit sind nicht niedrigere Einkaufspreise, sondern die Bereitschaft der Nestlé-Manager gemeint, sich an Dauer-Werbeaktionen in den Edeka-Filialen finanziell zu beteiligen oder Aufpreise für eine größere Verkaufsfläche oder eine bessere Plazierung im Regal zu zahlen. Je nach Umsatzvolumen können Abschläge bei den Konditionen für einen Markenartikler hohe Millionenbeträge ausmachen.

          Der Schlagabtausch zwischen den beiden Schwergewichten der Lebensmittelbranche sorgt nicht nur wegen des rüden Stils und dem Umfang der Boykottaktion für Aufsehen außerhalb der Branche. Der Clinch dürfte auch Konkurrenten von Edeka und Nestlé aufzeigen, wie es um das Kräftegleichgewicht zwischen Handel und Markenartikler bestellt ist.

          So agiert Edeka-Chef Markus Mosa mit seinem Bestellstopp nicht allein. Er kann auf die Rückendeckung der europäischen Händlerallianz Agecore zählen. Diesem Verbund gehören der französische Einzelhändler Intermarché, die Coop Schweiz, Conrad aus Italien, Spaniens Eroski sowie der belgische Handelskonzern Colruyt an. Die starke Allianz bündelt ein Umsatzvolumen von rund 140 Milliarden Euro, wobei etwa zwei Milliarden Euro auf Nestlé-Produkte entfallen.

          Nicht nur Edeka bringt seine Hoflieferanten in Verlegenheit, indem es sich mit europäischen Händlern verbündet und so den Druck für Zugeständnisse bei den Konditionen erhöht. Auch die anderen Platzhirsche des heimischen Lebensmittelhandels sind mit ausländischen Partnern über Joint Ventures oder lockere Kooperationen eng liiert. Das gilt für den Kölner Rewe-Konzern und die französische Händlergenossenschaft Leclerc ebenso wie für die Düsseldorfer Metro-Gruppe, die sich kürzlich mit mittelständischen Partnern in der neu formierten Retail Trade Group eingefunden hat.

          Ähnliche Kraftproben wie mit Nestlé hatte Edeka zuvor auch mit internationalen Markenartiklern wie Mars oder Unilever sowie mit dem Kosmetikhersteller Beiersdorf ausgetragen. In allen Fällen wurden deren Produkte zeitweise aus dem Sortiment genommen, das Gefeilsche über Konditionen allerdings strikt hinter verschlossenen Türen ausgetragen.

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