http://www.faz.net/-gqe-8zu8i
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 16.07.2017, 20:16 Uhr

Britische Fluggesellschaft Die Easyjet-Chefin geht von Bord

Nach sieben Jahren an der Spitze der Billigfluggesellschaft steht die Britin Carolyn McCall vor dem Wechsel zur Fernsehgruppe ITV. Der Abgang kommt für Easyjet zu einem kritischen Zeitpunkt.

von , London
© AFP Wohin führt der Weg von Easyjet?

Bei der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet steht ein Wechsel im Cockpit bevor: Vorstandschefin Carolyn McCall will das Unternehmen offenbar nach sieben Jahren an der Spitze verlassen. Britischen Medienberichten zufolge wird die Easyjet-Chefin zur britischen Fernsehgruppe ITV wechseln. Erfahrung in der Medienbranche hat die 55 Jahre alte Britin: Bevor sie zu Easyjet stieß, hat McCall den Zeitungsverlag Guardian Media Group geleitet. Der Privatfernsehsender ITV braucht Ersatz für Vorstandschef Adam Crozier, der Anfang Mai seinen Rücktritt angekündigt hat.

Marcus Theurer Folgen:

Bei Easyjet hat die Quereinsteigerin McCall ganze Arbeit geleistet: Trotz Einbußen im vergangenen Jahr hat sich der Börsenwert der Airline seit 2010 mehr als verdreifacht. Easyjet ist nach Ryanair und vor dem deutschen Rivalen Eurowings der zweitgrößte europäische Billigfluganbieter und verfügt über eine Flotte von mehr als 250 Maschinen. McCall ist es gelungen, bei Easyjet mit neuen Angeboten mehr Geschäftsreisende als Kunden zu gewinnen. Damit macht der Preisbrecher traditionellen Fluggesellschaften wie der Deutschen Lufthansa und Air Berlin das Leben schwer. Der Billigflug-Marktführer Ryanair hat McCalls Geschäftskundenoffensive mittlerweile kopiert.

Brexit könnte weitreichende Auswirkungen haben

Für Easyjet kommt der erwartete Führungswechsel zu einem kritischen Zeitpunkt: Der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU könnte für das Unternehmen weitreichende Auswirkungen haben. Am Freitag gab Easyjet bekannt, ein neues Standbein für das EU-Geschäft nach dem Brexit aufzubauen. Die neue Tochtergesellschaft Easyjet Europe soll in Österreich angesiedelt werden und sicherstellen, dass die Fluggesellschaft aus Großbritannien auch, nachdem das Land den Staatenbund verlassen hat, Flüge innerhalb der EU anbieten darf.

47546663 © AFP Vergrößern Sagt bye-bye zu Easyjet: Die Britin Carolyn McCall

Wichtige andere Fragen, die der Brexit für Easyjet aufwirft, sind aber weiterhin ungeklärt. Die größte Unwägbarkeit ist, ob die Gesellschaft aus dem Londoner Vorort Luton nach dem Austritt weiterhin uneingeschränkt Flüge zwischen Großbritannien und seinen europäischen Nachbarländern in der EU anbieten kann. Dies hängt davon ab, ob sich die EU-Kommission und die Regierung in London auf ein freizügiges Abkommen für den Luftverkehr nach dem Brexit einigen können.

Großbritannien wird die EU voraussichtlich im Frühjahr 2019 verlassen, doch der Billiganbieter ist schon längst in Turbulenzen geraten. Nachdem die Briten beim Referendum im Juni 2016 überraschend für den Brexit gestimmt haben, ist der Aktienkurs der Fluggesellschaft um rund ein Drittel gefallen und hat die Einbußen bis heute nicht wettgemacht. Der starke Wertverfall des Pfunds seit dem Austrittsvotum hat zu hohen Wechselkursverlusten geführt und der Gesellschaft einen Strich durch die Gewinnplanung gemacht. Easyjet veröffentlicht sein Quartalsergebnis an diesem Donnerstag.

Mehr zum Thema

Auch McCall selbst haben die Brexit-Wirren viel Geld gekostet: Laut Easyjet-Geschäftsbericht ist ihr Jahreseinkommen – einschließlich Boni und Pensionsansprüchen – im vergangenen Jahr von 6,2 Millionen auf 1,5 Millionen Pfund geschrumpft. Bei ITV erwarten die Managerin ebenfalls große Herausforderungen: Der Fernsehkonzern leidet unter einem starken Umsatzschwund im Werbemarkt. Zugleich locken neue Konkurrenten wie der Streaming-Dienst Netflix immer mehr Zuschauer an. Die Sendergruppe hat versucht, gegenzusteuern, indem sie ihre Produktionssparte ausbaute.

Kontrolle gegen Größenwahn

Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai

Pekings Regierung wird die auf Pump finanzierte Einkaufstour chinesischer Konzerne zu riskant – und macht dabei auch vor Verhaftungen keinen Halt. Was steckt hinter dem Kurswechsel? Mehr 14

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden
Zur Homepage