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Easyjet-Chefin Carolyn McCall „Es gibt zu wenige Frauen für Vorstandsposten“

 ·  Derzeit arbeitet Carolyn McCall an einem neuen Image für die Fluggesellschaft Easyjet. Im Interview spricht sie über günstige Preise, glückliche Passagiere und warum sie nach Berlin, aber nicht nach Frankfurt fliegt.

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© Getty Images Vergrößern „Eine Videokonferenz kostet oft so viel wie ein Easyjet-Flugticket“, sagt die Chefin der Billigfluggesellschaft Easyjet

Seit zwei Jahren ist Carolyn McCall, 50, Chefin der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet. Davor war sie Chefin des Zeitungshauses Guardian Media Group. McCall ist die Tochter eines Textilmanagers und ist in Singapur und Indien aufgewachsen. McCall verteidigt die seit diesem Jahr geltende Einbeziehung des Luftverkehrs in den europäischen Klimaschutz-Emissionshandel. Fluggesellschaften müssen neuerdings „Verschmutzungsrechte“ kaufen und werden damit für die Treibhausgas-Emissionen ihrer Flugzeuge zur Kasse gebeten.

McCall stellt sich gegen eine breite Abwehrfront in ihrer Branche. Konkurrenten wie Lufthansa und British Airways sowie der Flugzeugbauer Airbus laufen seit Monaten gegen den Emissionshandel Sturm. Derzeit arbeitet McCall an einem neuen Image für Easyjet. Sie will mehr Geschäftsreisende als Passagiere gewinnen. Große Hoffnungen setzt sie dabei in den neuen Berliner Zentralflughafen, der im Juni eröffnet wird.

Frau McCall, Sie sind eine Rarität: Eine Frau an der Spitze eines großen europäischen Börsenunternehmens. Brauchen wir eine Frauenquote am Vorstandstisch, um das zu ändern?

Ich halte nichts von Quoten. Ich denke, das hätte gewaltige Rückwirkungen. Es stehen noch nicht genug weibliche Kandidaten für Vorstandsposten in den Startlöchern. Deshalb würden wir am Ende Frauen in den Verwaltungsrat berufen, weil sie Frauen sind und nicht wegen ihrer Qualifikation. Das wären Alibi-Posten.

Frauen fehlt es also an der Qualifikation?

Nein, so pauschal stimmt das nicht. Es fehlt die Qualifikation in einem bestimmten Bereich. Schauen Sie sich die börsennotierten Aktiengesellschaften an, da gibt es einfach nicht genug Frauen, die für solche Posten in Frage kommen. Ganz anders ist das im öffentlichen Dienst. Beim National Health Service, dem staatlichen Gesundheitsdienst hier in Großbritannien, gibt es Frauen, die Milliardenbeträge verwalten und für Tausende Mitarbeiter verantwortlich sind.

Sie fordern eine staatliche Subvention, um Extra-Posten für Frauen in den Verwaltungsräten von Börsenunternehmen zu schaffen. Was meinen Sie damit?

Ich sprach über eine Idee, wie weibliche Führungskräfte ohne Erfahrung in Börsenunternehmen an die spezifischen Anforderungen in Aktiengesellschaften herangeführt werden können. Mein Vorschlag war, dass der Staat den Unternehmen dabei helfen könnte. Es gibt Mittel und Wege, um Anreize zu schaffen, dass Unternehmen zusätzliche Aufsichtsratsposten schaffen, auf denen Frauen Erfahrung sammeln können. Aber sehen Sie: Ich habe keine Zeit, mir darüber intensiv Gedanken zu machen. Easyjet braucht meine ganze Aufmerksamkeit.

Europas Fluggesellschaften haben gerade erst eine schwere Krise hinter sich gelassen und trudeln bereits in die nächste. Was läuft da schief in Ihrer Branche?

Ja, die Zeiten sind hart. Wir waren immer eine zyklische Branche, in der die Ergebnisse schwankten. Aber jetzt kommt eine wirklich fundamentale strukturelle Verschiebung hinzu: Niedrigpreis-Airlines wie Easyjet sind heute ein Way of Life. Die Kunden haben uns voll und ganz angenommen. Die Spielregeln in diesem Markt haben sich komplett geändert.

Was ist heute anders?

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