Am Freitag ist an der Börse im Hinblick auf die geplante Fusion von EADS und BAE Systems wieder mehr Ruhe eingekehrt. Die Aktie von EADS notierte in Paris ungefähr auf Vortagsniveau, BAE verzeichnete in London einen Kursanstieg von 2,55 Prozent. Unterdessen setzten sich die Beratungen der Regierungen fort. „Das ist ganz eindeutig eine sehr komplexe Transaktion mit Implikationen für die Sicherheit und Industriepolitik“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Die deutsche Regierung befinde sich in konstruktiven Gesprächen mit den Unternehmen und in enger Abstimmung mit der Regierung in Paris. Es gehe um Standortfragen, Fragen der Balance und ein mögliches Veto-Recht, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.
Der Zeitplan der Unternehmen sieht nach britischem Aktienrecht eine Entscheidung bis zum 10. Oktober vor. „Soweit ich weiß, kann diese Frist auch verlängert werden“, sagte die Sprecherin. Nach Angaben von Seibert führt die Regierung zudem weiter Gespräche - auch mit der französischen Seite - über einen Einstieg der staatlichen Förderbank KfW, die die Hälfte der derzeit von Daimler gehaltenen 15 Prozent EADS-Anteile übernehmen soll. Eine Entscheidung zum Zusammenschluss sei noch offen, heißt es im Umfeld der Regierung in Berlin. In EADS-Kreisen hofft man, dass die Regierungen durch bestimmte Arbeitsplatzgarantien zur Zustimmung bewegt werden können.
Über Postenverteilung will man offiziell noch nicht sprechen
Der französische Staat könnte indes seine EADS-Beteiligung behalten, schrieb die Zeitung „La Tribune“. Wenn die Fusion wie geplant vonstattengeht, dürfte der französische Staatsanteil von 15 auf rund 9 Prozent sinken. Weil der heute bestehende Aktionärspakt aber aufgelöst werden soll, sind damit keine besonderen Rechte verbunden. Die Einflussmöglichkeiten der Regierungen sollen sich auf Basis einer „goldene Aktie“ lediglich auf die Abwehr einer feindlichen Übernahme sowie den Schutz bestimmter Technologien beschränken.
In Großbritannien fällt die politische Resonanz überwiegend positiv aus. Premierminister David Cameron unterstütze das Vorhaben, werde aber sicherstellen, dass die Interessen Großbritanniens gewahrt blieben, teilte ein Sprecher mit. Ebenso wie die Vertreter von der IG Metall fürchten auch die Kollegen der britischen Branchengewerkschaft Unite, dass es zur Verlagerung von Standorten und dem Verlust von Stellen kommen könnte.
Über die Postenverteilung will man offiziell noch nicht sprechen. EADS-Vorstandsvorsitzender Tom Enders könnte den gleichen Posten im größeren Konzern bekommen, hofft man in EADS-Kreisen. Der Verwaltungsratsvorsitz könnte an einen BAE-Vertreter gehen, wenn sich der Franzose Arnaud Lagardère zum Rücktritt bewegen ließe. Dieser wolle seine EADS-Aktien ohnehin verkaufen, heißt es. Der operative Konzernsitz solle Toulouse werden, die Zentrale des Verteidigungsgeschäftes könnte nach London kommen, wird weiter spekuliert.
