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EADS-Chef Louis Gallois „Wir müssen geplante Übernahmen verschieben“

18.12.2008 ·  Auch Flugzeugbauer EADS fürchtet die Krise - vor allem, weil zusammenbrechende Zulieferer kaum zu ersetzen sind. Und weil den Kunden das Geld knapper werden könnte. Vorstandschef Louis Gallois verrät im F.A.Z.-Interview, wie sein Unternehmen sich für die schwere Zeit rüstet.

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Auch Flugzeugbauer EADS fürchtet die Krise - vor allem, weil zusammenbrechende Zulieferer kaum zu ersetzen sind. Und weil den Kunden das Geld knapper werden könnte. Vorstandschef Louis Gallois verrät im F.A.Z.-Interview, wie sein Unternehmen sich für die schwere Zeit rüstet.

Herr Gallois, wie hart trifft die Krise EADS?

Wir haben 9 Milliarden Euro Cash. Das ist derzeit ein großer Trumpf. In den kommenden Monaten hat der Schutz unserer Barmittel höchste Priorität. Daher müssen wir die Übernahmen verschieben, die wir hätten realisieren können. Auch bei den Investitionen müssen wir uns auf die Prioritäten beschränken. Die Krise wird uns vor allem über unsere Kunden und Zulieferer treffen. Viele unserer Zulieferer sind auch Autozulieferer. Die Fluggesellschaften indes sind vom sinkenden Verkehr und vom Wechsel der Passagiere auf preisgünstigere Tickets betroffen. Ein Element ist jedoch positiv: Der sinkende Ölpreis; er hilft vor allem den amerikanischen Fluggesellschaften.

Werden Sie Aufträge verlieren?

Es wird voraussichtlich Verzögerungen bei den Auslieferungen und Stornierungen geben. Um das zu begrenzen, sind wir bereit, bestimmten Fluggesellschaften bei der Finanzierung der Flugzeugkäufe zu helfen. Wir rufen auch die Exportkredit-Gesellschaften Hermes, Coface und ECGD dazu auf, ihre Garantien deutlich aufzustocken. Dennoch müssen wir die Produktion an die voraussichtliche Entwicklung der Auslieferungen anpassen. Der erste Schritt war der Stopp des Produktionshochlaufs. Airbus wird die Produktion auch verringern, wenn nötig. Doch die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Es gibt keinen Grund zur Panik. Wir haben Bestellungen über 3800 Flugzeuge.

Sie sind beunruhigt, weil wichtige Zulieferer zusammenbrechen können?

Ja. Das französisch-kanadische Unternehmen Mecachrome beispielsweise - ein sehr gutes Unternehmen, das die Auto- und die Flugzeugindustrie beliefert - macht eine schwere Zeit durch. Mehr als Airbus hat zudem Eurocopter Zulieferer aus beiden Branchen.

Kann es zu Engpässen bei der Teilelieferung kommen?

Wir sind stark von den Zulieferern abhängig. Für den Fall von Zusammenbrüchen halten wir nach alternativen Zulieferern Ausschau. Doch das ist nicht einfach, weil alle Teile in einem langen Prozess zertifiziert werden müssen. Wir haben nicht viele Zulieferer, zu denen es eine Alternative gibt.

Wagen Sie die Vorhersage, wann die Krise zu Ende ist?

Nein. Ob es schlimmer wird als bei früheren Krisen, bleibt abzuwarten. Aber mich schockiert der extreme Pessimismus überall - als ob sich der Pessimismus selbst unterhält. Ich glaube, wir können gestärkt aus der Krise hervorgehen. Sie ist auch eine Chance, um das Unternehmen zu reformieren.

In welcher Hinsicht?

Zunächst zeigt sich, dass unsere „Vision 2020“ richtig ist, denn sie soll EADS weniger abhängig von dem Zyklen im Zivilluftfahrtgeschäft machen. Heute stabilisiert das Geschäft mit Verteidigung, Sicherheit und Dienstleistungen den Konzern. Diese Bereiche muss man daher weiterentwickeln.

Was bringt die kürzlich bekanntgegebene interne Reorganisation?

Wir integrieren in der Zentrale Funktionen wie die Kommunikation, das Personalmanagement von kommenden Führungskräften und die Auslandsbüros. Sogenannte geteilte Dienstleistungen wie der allgemeine Einkauf werden von Airbus für die Gruppe geleitet. Wir wollen 2011 und 2012 mindestens 200 Millionen Euro einsparen.

Was bedeutet das für die Divisionen?

Wir bringen den Bereich Military Aircraft, zu dem unter anderem der Militärtransporter A400M gehört, unter das Dach von Airbus. Wir mussten das Management des A400M vereinfachen. Das war nicht der Hauptgrund für die Verspätung, aber die Kunden drängten stark darauf. Zweitens werden sich die Divisionen Raumfahrt und Verteidigung stärker koordinieren. Sie haben viele Gemeinsamkeiten, nicht zuletzt unter den Kunden, und wir brauchen weniger Doppelarbeit. Die Divisionen bleiben als eigenständige Einheiten erhalten. Der Leiter des Verteidigungsbereichs, Stefan Zoller, wird künftig an François Auque berichten, den Leiter der Raumfahrt.

War es schwer für die Deutschen, das zu akzeptieren?

Man musste das erklären. Das ist normal. Die Spanier stehen vor den gleichen Veränderungen. Doch wenn man gleichgewichtig vorgeht, findet man Zustimmung.

Haben die Deutschen jetzt Nachteile zu erwarten, weil das Verteidigungsgeschäft einen französischen Chef hat?

In keiner Weise. Stefan Zoller bleibt Chef seiner Division. Überhaupt haben bei EADS drei von vier Divisionen einen deutschen Chef. Dies sind die größten Divisionen des Unternehmens. Stefan Zoller wird sich wie vorher beispielsweise um den Eurofighter kümmern. Die Division Verteidigung bleibt deutsch so wie die Raumfahrt französisch bleibt. Eines Tages ändert sich das vielleicht. Ich wünsche, dass die Nationalitäten künftig eine geringere Rolle spielen. Ich erinnere auch daran, dass vor nicht langer Zeit der Raumfahrtbereich an Tom Enders berichtete, als dieser noch Co-CEO war. Das führte zu keinem Skandal. Tom Enders hatte beispielsweise keinen Zugang zu technischen Leistungsdaten der französischen Atomrakete M51. So wird auch François Auque beispielsweise keinen Zugang bekommen zu Detailinformationen über das Radar des Eurofighter.

Gibt es keinen Interessenkonflikt zwischen dem Eurofighter und dem französischen Kampfflugzeug Rafale von Dassault? EADS ist mit 46 Prozent an Dassault beteiligt.

Das ist eine historische Beteiligung. Damit leben wir gut.

Sind Sie noch Mitglied im Dassault-Verwaltungsrat?

Den habe ich verlassen, denn es entstand ein Interessenkonflikt, weil Dassault von Alcatel-Lucent 20 Prozent am französischen Verteidigungsunternehmen Thales kaufen will. Ich bedaure es, dass wir nicht Kandidat für den Kauf der 20 Prozent an Thales sein durften. Der französische Staat bevorzugte Dassault.

Das ist das Problem mit einem Staat als Aktionär.

Der französische Staat hätte in jedem Fall seinen Segen für den Verkauf der Thales-Anteile geben müssen, denn er ist auch Aktionär von Thales. Manchmal passiert es übrigens auch, dass private Aktionäre blockieren. Unsere drei Kontrollaktionäre Daimler, Lagardère und der französische Staat haben ein Vetorecht. Das war der Situation bei der EADS-Gründung angemessen. Ich habe vorgeschlagen, künftig das Konzept einer goldenen Aktie zu untersuchen.

Stoßen Sie auf Zustimmung?

Die Entscheidung obliegt den Kontrollaktionären und den beiden Staaten Deutschland und Frankreich.

Greifen Sie Akquisitionen wieder auf, wenn sich die Lage bessert?

Ja, im Bereich der Verteidigung, Sicherheit und der Dienstleistungen mit einer Priorität für die Vereinigten Staaten.

Wollten Sie für die Reorganisation nicht auch ein einziges Hauptquartier?

Das ist etwas für einen späteren Zeitpunkt. Ein Sitz in Toulouse wäre schwer für die Deutschen zu akzeptieren. Ich kann das gut verstehen.

Und EADS in Airbus umtaufen?

Das steht nicht auf der Agenda.

Das Gespräch führte Christian Schubert.

Quelle: F.A.Z.
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