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EADS-Chef Gallois Brandlöscher für Europa

09.03.2010 ·  Louis Gallois gilt in Frankreich als Angehöriger einer Manager-Gattung, die anderswo unbekannt ist: „der linke Manager“. Seine Mission, den EADS-Konzern erst zu befrieden und dann dauerhaft in der internationalen Geschäftswelt zu installieren, ist nicht beendet.

Von Christian Schubert, Paris
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Der in Frankreich mögliche Ruhestand mit 60 Jahren ist seine Sache nicht. Demnach hätte er schon vor sechs Jahren aufhören können. Doch Louis René Fernand Gallois macht weiter, denn seine Mission, den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS erst zu befrieden und dann dauerhaft und unumgänglich in der internationalen Geschäftswelt zu installieren, ist nicht beendet. In den vergangenen Monaten ging Gallois wieder an seine Belastbarkeitsgrenze, denn in einem beispiellosen Kraftakt musste EADS im Streit um den Militärtransporter A 400 M eine Einigung mit sieben Nato-Nationen finden.

Dabei versuchte sich das Unternehmen im Stil amerikanischer Kriminalserien mit dem guten und dem bösen Polizisten. Erst drohte Tom Enders, der deutsche Chef der EADS-Tochtergesellschaft Airbus, mit dem Ausstieg aus dem Programm. Das kam vor allem beim deutschen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg überhaupt nicht gut an, denn der fühlte sich erpresst. Die Fronten verhärteten sich. Enders war von da an weniger präsent. Stattdessen rückte Gallois mit seinem ausgleichenden Charakter und der Erfahrung vieler Verhandlungsschlachten in den Mittelpunkt - unterstützt vom EADS-Verwaltungsratsvorsitzenden Bodo Uebber. Nach Dutzenden von hochkarätig besetzten Treffen, die sich über viele Monate hinzogen, kam es am Freitag schließlich zu einer Voreinigung. Die Regierungen wollen insgesamt 3,5 Milliarden Euro nachschießen.

Je komplizierter es werde, desto mehr fühle sich Gallois in seinem Element, berichten enge Mitarbeiter. In der Tat hastet der Franzose von einem Brandherd zum anderen. Nach dem Abtritt des spaltenden Noël Forgeard mussten die tiefsten Gräben zwischen Deutschen und Franzosen im Konzern zugeschüttet werden. Das ist dem wenig Deutsch sprechenden, aber mit viel Gelassenheit und Humor ausgestatteten Gallois ein gutes Stück weit gelungen, wobei bei EADS immer wieder schnell neue Risse aufbrechen können. Dann galt es, die Verspätungen beim Großraumflieger A380 aufzuholen, was weitgehend die Baustelle von Tom Enders ist, doch eben in konstruktiver Zusammenarbeit mit Gallois. Auch den Insider-Skandal hat der französische EADS-Chef unbeschadet hinter sich gelassen.

Bis zur Hauptversammlung 2012 läuft sein Vertrag noch. Dass sein Abtritt noch nicht bald ansteht, stimmt viele Akteure inner- und außerhalb des Unternehmens froh. Denn zumindest hat sich Gallois als Brandlöscher bewährt. Damit ist EADS freilich noch nicht zukunftsfest gemacht. Aufgrund des A400M rutscht das Unternehmen abermals tief in die Verlustzone, und das in einer Zeit, in der der Hauptmarkt der zivilen Luftfahrt weiter in der Krise steckt.

Gallois motiviert nicht das Geld

Gallois motivieren nicht die finanziellen Anreize. Im vergangenen Jahr spendete er mit 1,4 Millionen Euro den leistungsgebundenen Anteil seiner Vergütung für wohltätige Zwecke und behielt nur den fixen Teil von 900 000 Euro. Schon bei seinen früheren Stationen, an der Spitze der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF, des Flugzeugherstellers Aérospatiale, des Triebwerksherstellers Sncema oder als Berater von Ministern, war Geld nie seine Antriebsfeder. Er sieht sich auch nicht als Vertreter von Partikularinteressen.

Gallois gilt in Frankreich zusammen mit dem Air-France-Verwaltungsratsvorsitzenden Jean-Cyril Spinetta und dem ehemaligen Renault-Chef Louis Schweitzer als Angehöriger einer Manager-Gattung, die anderswo unbekannt ist: "der linke Manager". Diese Führungskräfte blicken in den meisten Fällen auf eine linke Vergangenheit, haben mit der Welt privater Aktionäre aber ihren Frieden gemacht. Dabei glauben sie auch als Konzernmanager an eine Verantwortung im öffentlichen Interesse. Gallois steht dem linken Politiker Jean-Pierre Chevènement nahe. Außerdem ist ihm die europäische Einigung eine Herzenssache. Eine Einmischung von Regierungen in Wirtschaftsbelange hält er für durchaus gerechtfertigt, nicht nur im Verteidigungsgeschäft. Anders ließe sich ein Konkurrent zu Boeing ohnehin nicht aufbauen, bei dem der amerikanische Staat ja auch genügend eingreife, lässt er gerne wissen. Europa kann aus seiner Sicht nur mit konkreten Projekten gebaut werden: "Große industrielle Abenteuer wie Ariane und Airbus zählen hundertmal mehr als alle Vertragswerke zusammengenommen", findet er.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Paris.

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