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EADS A400M bleibt trotz Staatshilfe ein Verlustgeschäft

08.03.2010 ·  Der Flugzeughersteller EADS und seine Kunden haben Frieden geschlossen. Der Bau des Militärtransporters A400M ist gesichert. Jetzt geht es darum, den Schaden nach den Kostensteigerungen zu begrenzen.

Von Rüdiger Köhn, München
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Die Einigung im Streit zwischen EADS und sieben Nationen, die das Militärflugzeug A 400M bestellt haben, sichert zwar das Projekt. Beide Seiten akzeptieren höhere Lasten: Die Staaten zahlen 3,5 Milliarden Euro mehr, EADS erhöht die Rückstellungen. Doch Ruhe kehrt nicht ein.

In den nächsten Wochen und Monaten steht Streit zwischen Airbus und seinen Zulieferern bevor, insbesondere dem Triebwerkskonsortium. Dort besteht wenig Bereitschaft, sich an den zusätzlichen Lasten für den Bau des Militärtransporters zu beteiligen. Zudem gibt es noch Klärungsbedarf zwischen den Ländern und Airbus über die „Eskalationsklausel“, die Beteiligung der Kunden an den gestiegenen Rohstoff- und Gehaltskosten. Darauf setzt EADS, die Staaten dürften dagegen kaum zu weiteren Beiträgen bereit sein.

Am Fortbestand des fast vier Jahre verspäteten, teuersten europäischen Rüstungsprojektes wird nach der Einigung vom vergangenen Freitagnachmittag nicht mehr gezweifelt. Das Programm bleibe, es sei nun gesichert, heißt es aus dem Umfeld der EADS, bei der Daimler mit 15 Prozent Großaktionär ist. Damit scheinen auch die Arbeitsplätze gesichert. Allein in Deutschland sind 6000 Mitarbeiter mit dem Projekt beschäftigt, 2013 sollen es 10.000 werden. Der Konzern hat bereits am Freitagabend die Übereinkunft begrüßt: „EADS sieht diese Einigung als solide Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung des A400M-Programms.“

Die Staatssekretäre der sieben Bestellnationen sowie EADS hatten sich nach einem dreiviertel Jahr zum Teil schwieriger und kontroverser Verhandlungen auf eine finanzielle Lösung geeinigt. Die Länder zahlen für die bestellten Flugzeuge 2 Milliarden Euro mehr. Darüber hinaus gewähren sie Mittel über 1,5 Milliarden Euro, die durch etwaige künftige Exporterlöse aus Verkäufen des Militärtransporters zurückgezahlt werden sollen. Es handelt sich dabei nicht um einen Exportkredit.

EADS muss 1,8 Milliarden Euro Rückstellungen übernehmen

Mit den „Export Levy Facilities“ haben die Verhandlungspartner eine Konstruktion gefunden, die nicht als Subvention zu verstehen sei und den Regeln der Welthandelsorganisation entspreche. Die Käufer verzichten zudem auf Strafzahlungen, die wegen der Verspätung von vier Jahren fällig wären. Die Anzahlungen werden erhöht, um negative Effekte für den Mittelzufluss (Cashflow) der Unternehmens zu vermeiden.

EADS muss mit Rückstellungen von 1,8 Milliarden Euro indes deutlich mehr Lasten übernehmen als die vom Unternehmen erhofften 800 Millionen Euro. Das zeichnete sich allerdings schon in den vergangenen Wochen ab. Mit den bereits getätigten Rückstellungen hat EADS insgesamt rund 4,2 Milliarden Euro für das Projekt zurückgestellt. Der Konzern erwirtschaftet damit im Geschäftsjahr 2009 einen hohen Verlust, sowohl beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wie im Konzernergebnis. Details folgen am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Paris.

Wenig Hoffnung auf ein profitables Projekt

Trotz der zusätzlichen Zahlungen der Kunden wird der A400M voraussichtlich nicht profitabel gebaut: Angesichts der hohen Kosten wird das Projekt erst Ertrag abwerfen, wenn beträchtlich mehr als die bislang bestellten 180 Maschinen verkauft würden. Die Beteiligten können allenfalls auf profitable Zusatzeinnahmen aus Dienstleistung und Wartung hoffen.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) äußerte sich am Wochenende zwar zufrieden über die Lösung, die viele Arbeitsplätze im Mittelstand sichern werde. Doch kritisierte er den Verhandlungsverlauf. „Ich hatte wenig Rührung, mich von einem Konzern erpressen zu lassen“, sagte zu Guttenberg in einem Radiointerview. Er charakterisierte den Tonfall der Gespräche als „sehr, sehr harsch“. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen leistete vor allem die Bundesregierung im Gegensatz zu Frankreich Widerstand gegen staatliche Hilfen.

EADS versucht, die Zulieferer in die Pflicht zu nehmen

Zeitweise drohte Airbus-Vorstandsvorsitzender Thomas Enders mit dem Aus für das Projekt, nahm sich aber in den vergangenen Monaten zurück. EADS-Chef Louis Gallois, der zuvor auch unzulängliches Management für die Probleme mitverantwortlich machte, ging in die Endrunde der Verhandlungen und hat am Freitag die Übereinkunft unterschrieben.

Offen bleibt, wie die Verhandlungen zwischen EADS und den Zulieferern verlaufen werden, von denen 30 aus Deutschland kommen. Der europäische Luftfahrtkonzern will vor allem das Triebwerkskonsortium Europrop International (EPI) in die Pflicht nehmen, dem neben der deutschen MTU Aero Engines die britische Rolls-Royce, die französische Safran sowie die spanische ITP angehören. Airbus macht EPI zu einem erheblichen Teil für die Verzögerung verantwortlich. Immer wieder traten Schwierigkeiten mit der Software für die Turbotriebwerke auf, die extremen Belastungen ausgesetzt werden sollen. Das Konsortium weist die Vorwürfe zurück und macht EADS wegen der verzögerten Herausgabe von Daten und zu später Änderungswünsche für die Probleme mit dem Propeller verantwortlich.

MTU-Chef Egon Behle hatte erst vor knapp zwei Wochen gesagt, dass er aus dem Projekt keine weiteren Belastungen mehr erwarte, nachdem das Unternehmen das Projekt in den Büchern vollkommen abgeschrieben hatte. Behle geht nicht von weiteren Zusatzlasten aus und hat schon einmal vorsorglich eine harte Haltung angedeutet: „Man geht ja schließlich nicht in Verhandlungen, um am Ende mit einem schlechteren Ergebnis herauszukommen“, sagte er. Und: Es müsse erst noch bewiesen werden, wer tatsächlich Schuld an dem Desaster habe.

Vorerst keine Flüge unterhalb des Radars

Zu klären ist ferner, inwieweit sich die Abnehmerländer an den zusätzlichen Kosten aufgrund gestiegener Gehälter und deutlich verteuerter Rohstoffe in den vergangenen Jahren beteiligen. In der „Eskalationsklausel“ geht es darum, ob die Beteiligung von 2 auf 3 Prozent der Verteuerung erhöht wird, wie es EADS gerne sähe. Das könnte schätzungsweise einen Wert von 500 Millionen Euro ausmachen.

Zu klären sein wird in den nächsten Wochen außerdem, inwieweit die Abnehmerländer Abstriche an ihren ursprünglich gestellten Anforderungen machen. Sie zahlen mehr, müssen aber ihre Ansprüche zurückschrauben. So wird die Bundesregierung vorerst auf ihren Wunsch verzichten, dass der A400M für die Luftwaffe Tiefflug-Eigenschaften erhält, die er braucht, um unterhalb des Radars fliegen zu können.

Viel zu teuer, viel zu spät - der A400M

- Die Kunden: Der Nachfolger des mehr als 30 Jahre alten deutsch-französischen Transall-Transportflugzeuges ist von acht Ländern bestellt worden. Die Bundesrepublik ist unter den sieben Nato-Staaten mit 60 Bestellungen größter Abnehmer, gefolgt von Frankreich (50), Spanien (27), Großbritannien (25), Türkei (10), Belgien (7) und Luxemburg (1). Außerdem ist Malaysia (4) Kunde, Südafrika (8) hat storniert.

- Der Zeitplan: Ende 2009 sollte die erste A400M ausgeliefert werden. Stattdessen gab es nur den Erstflug, dem drei Jahre später der Beginn der Auslieferung folgen wird. 2013 erhalten Frankreich und Großbritannien die ersten Flugzeuge, 2014 die Bundeswehr.

- Die Kosten: 2003 wurde Europas teuerstes Rüstungsprojekt zu einem Festpreis - 20 Milliarden Euro für 180 Flugzeuge - vereinbart, was ein Novum war. Das Projekt könnte nach Schätzung des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PWC mit 31,3 Milliarden Euro bis zu 11,3 Milliarden Euro teurer werden. Mit der neuen Regelung sind 7,7 Milliarden Euro zusätzlich zu den 20 Milliarden Euro einkalkuliert.

- Die Lastenverteilung: Zusätzlich zum Kaufpreis zahlen die sieben Länder 2 Milliarden Euro. Hinzu kommen 1,5 Milliarden Euro Zahlungen, die über später erhoffte zusätzliche Exportaufträge außerhalb der Nato-Staaten beglichen werden sollen. EADS hat mit den nun übernommenen 1,8 Milliarden Euro Rückstellungen über insgesamt rund 4,2 Milliarden Euro gebildet. Darüber hinaus übernimmt der Konzern das Risiko von 3,6 Milliarden Euro, die sich aus der Differenz zu den von PWC ermittelten 11,3 Milliarden Euro Mehrkosten ergeben. Dafür werden - vorerst - keine Rückstellungen gebildet, weil der Konzern dies aus eigener Kraft kompensieren will.

Die Ursachen: Die Anforderungen der bestellenden Nationen waren mit zahlreichen Sonderwünschen enorm, und Airbus hat mitgezogen. Das Flugzeug soll flexibel einsetzbar sein, auf kurzen Sandpisten starten und landen können, trotz hoher Lasten wendig in der Luft sein und im Tiefflug unterhalb des Radars Ziele erreichen.

Die Verantwortlichen: Managementfehler wurden nicht nur vom Wirtschaftsprüfer Pricewaterhouse Coopers attestiert, sondern auch von EADS-Chef Louis Gallois selbst. Nach langem Zögern wurde die von Spaniern geführte Sparte des Militärtransporters A400M unter das Dach der Zivilflugzeugsparte Airbus und damit unter die Fittiche des Deutschen Thomas Enders genommen. Aber auch die Kundenländer tragen Mitschuld. Sie verlangten zu viel für einen zu geringen Preis. Zudem erschwerten politische Einflüsse das Projekt. Statt des von EADS bevorzugten amerikanischen Triebwerkherstellers Pratt & Whitney verlangten die Länder ein europäisches Triebwerkskonsortium als Lieferanten.

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Jahrgang 1958, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

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