http://www.faz.net/-gqe-no6w
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 01.01.2003, 13:51 Uhr

DVB Bank DVB setzt Kapitalerhöhung nicht durch

Großaktionär DZ Bank verweigert sich

Die früher als Deutsche Verkehrsbank firmierende Spezialbank im genossenschaftlichen Finanzverbund hat ihre im Frühjahr angekündigte Kapitalerhöhung abgeblasen. Statt dessen erwartet die auf internationale Verkehrsfinanzierung spezialisierte DVB Bank einen außerordentlichen Ertrag aus dem Verkauf einer Beteiligung.

Im April hatte der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Driese für dieses Jahr eine Kapitalerhöhung in Höhe von 25 Millionen Euro mit den Worten angekündigt: "Dann werden wir ja sehen, wer unsere Aktionäre sind." Insbesondere der Großaktionär DZ Bank, der zu diesem Zeitpunkt plante, die DVB Bank zu verkaufen, fühlte sich von den mit ihm nicht abgestimmten Plänen vor den Kopf gestoßen. Inzwischen haben sich die Wogen offenbar ein wenig geglättet. Driese fand niemanden, der bereit gewesen wäre, die Kapitalerhöhung zu zeichnen. Und Ulrich Brixner, der Vorstandsvorsitzende der DZ Bank, fand keinen Käufer für sein Paket von 67 Prozent an der DVB Bank.

Auch wenn der Markt für Verkehrsfinanzierung nach dem 11. September sicherlich schwierig und damit eine auf die Verkehrsfinanzierung spezialisierte Bank für einen Käufer möglicherweise nicht besonders attraktiv ist, ist der gescheiterte Verkauf aus Sicht der DVB keineswegs schmeichelhaft. Dennoch findet Driese in der Mitarbeiterzeitung der DVB dafür schöne Worte. "Die DVB bleibt in der Vitrine der DZ Bank", läßt er sich zitieren und gleichzeitig durchblicken, daß hinter der Entscheidung keineswegs strategisches Kalkül der Muttergesellschaft, sondern der Umstand steckt, daß der von drei interessierten Konsortien gebotene Preis aus Sicht der DZ Bank zu niedrig war.

Die Marktbedingungen und die gescheiterten Pläne haben die beiden selbstbewußten Vorstandsvorsitzenden Brixner und Driese nun wieder zusammengeführt. Anstelle der Kapitalerhöhung, die das Rating der DVB verbessern sollte, werde die DZ Bank nun von der DVB den Anteil von 2,1 Prozent kaufen, den diese an der ebenfalls zum DZ-Bank-Konzern gehörenden Fondsgesellschaft Union Investment hält, heißt es. Aus dieser Umschichtung im DZ-Bank-Konzern erwartet Driese für sein Haus einen außerordentlichen Ertrag. Von den im Dezember anstehenden Überprüfungen des Ratings der DVB durch die Agenturen Moody's und Standard & Poor's (S&P) seien keine Überraschungen zu erwarten, sagte ein Sprecher der DVB dieser Zeitung. Zuletzt hat S&P im August das Rating der DVB von BBB+ bestätigt, jedoch den negativen Ausblick nicht auf "neutral" verändert.

Aus Drieses Sicht ist das Thema Verkauf durch die DZ Bank offenbar abgehakt. Im Sommer 2001 hatte er sich erstmals dazu bekannt, er wünsche sich einen Dollar-Kapitalgeber. Es werde nicht nach neuen Interessenten gesucht, sagt er jetzt. Beobachter werten allerdings die Gründung einer neuen Gesellschaft namens DVB Logpay mit Sitz in Mainz als Hinweis darauf, daß die DZ Bank die DVB drängt, sich von Randaktivitäten zu trennen. Ein Verkauf von Randbereichen gilt als leichter, wenn diese in eigenen Gesellschaften gebündelt sind. In DVB Logpay geht das Frachtenausgleich- und Frachtenstundungssystem auf, mit dem die DVB bislang ausschließlich für DB Cargo das Inkasso übernimmt. Der Sprecher der DVB sagte dieser Zeitung, DVB Logpay solle in der Sparte "bargeldlose Bezahlung in der Logistik" ein neues Geschäftsfeld erschließen. (ham.)

Quelle:

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Osram verkauft Lampengeschäft Chinesen geht ein Licht auf

Der Leuchtmittelhersteller Osram trennt sich von seinem größten Geschäftsfeld. 400 Millionen Euro zahlt ein chinesisches Konsortium. Für den Käufer fallen aber noch mehr Kosten an. Mehr

26.07.2016, 17:59 Uhr | Wirtschaft
Nach Anschlägen in Bayern Seehofer kündigt massive Sicherheitsanstrengungen an

Nach den mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlägen von Würzburg und Ansbach hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) massive Anstrengungen im Bereich der inneren Sicherheit angekündigt. Der islamistische Terrorismus ist in Deutschland angekommen, und die Bevölkerung erwartet mit Recht, dass wir dieser Herausforderung mutig die Stirn bieten, sagte Seehofer in Gmund am Tegernsee vor Journalisten. Mehr

27.07.2016, 09:02 Uhr | Politik
Quartalsberichte Deutsche Bank nur noch mit Mini-Gewinn

Die mitten in der Sanierung steckende Bank hat sich mit Mühe in den schwarzen Zahlen gehalten. Vor einem Jahr stand noch ein Gewinn von gut 800 Millionen Euro zu Buche. Mehr

27.07.2016, 07:48 Uhr | Wirtschaft
Übernahme durch Verizon Yahoo verliert seine Eigenständigkeit

20 Jahre nach Firmengründung ist das ein schwerer Schlag für Yahoo. Nachdem Anfang des Jahres bereits die Streichung von 1700 Stellen angekündigt worden war, wird das Unternehmen jetzt für 5 Milliarden Dollar von Verizon übernommen. Mehr

25.07.2016, 19:50 Uhr | Wirtschaft
Italien Krisenbank legt Rettungsplan vor

Die italienische Bank Monte dei Paschi will ihr Kapital um 5 Milliarden Euro aufstocken und faulen Kredite in Milliardenhöhe verkaufen. Im Land gibt es große Zweifel, ob das klappt. Mehr Von Tobias Piller, Rom

27.07.2016, 18:13 Uhr | Wirtschaft

Leeres Gerede

Von Werner Mussler, Brüssel

Die EU-Kommission sieht von Bußgeldern gegen Spanien und Portugal ab. Dieser Schritt ist unter mehreren denkbaren Optionen die mildeste. Schade. Mehr 5

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden