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Kölner Medienhaus : Das schwere DuMont-Erbe

Mit Optimismus in die Zukunft: Vorstandsvorsitzender der Kölner DuMont Mediengruppe Christopher Bauer Bild: Marcus Kaufhold

Die DuMont-Zeitungsgruppe befindet sich seit Jahren in der Krise. Die Regionalmedien des Verlagshauses bleiben ein rückläufiges Geschäft. Wie kann ein Neustart gelingen?

          Der Kölner DuMont-Zeitungsverlag wollte hoch hinaus und ist tief gefallen. Nach einem Verlust von 112 Millionen Euro im Jahr 2012 bestimmten in den vergangenen Jahren Stellenstreichungen und Sparprogramme die Schlagzeilen. Die Schwierigkeiten erstrecken sich auf fast alle Bereiche der Kölner Verlagsgruppe, die die Zeitungen „Express“ und „Kölner Stadt-Anzeiger“ herausbringt. In der Heimatstadt ist DuMont der Marktführer, doch das reichte dem Verlag nicht. Das Familienunternehmen wollte unter dem im Mai 2015 verstorbenen Verlags-Patriarchen Alfred Neven DuMont in ganz Deutschland wirken und kaufte Zeitungen hinzu. Das sorgte immer wieder für Ärger.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Besonders deutlich zeigt sich die Lage des Familienunternehmens in Berlin. 2009 übernahm DuMont hier die Tageszeitung „Berliner Zeitung“ und das Boulevardblatt „Berliner Kurier“ mitsamt der „Hamburger Morgenpost“ und steuert seither gegen Verluste an. In der Branche ist die Rede von einem dreistelligen Millionenbetrag, den dies das Haus schon gekostet hat. Diese Summe wird das Kölner Zeitungshaus wohl kaum wiedersehen. Jedenfalls erwartet das Unternehmen trotz allerlei Anstrengungen und Sparprogrammen nicht mehr, dass der Berliner Standort für hohe Gewinne sorgt. Ob dort investiertes Geld wieder zurückkommt? „Das ist der härteste Zeitungsmarkt in Europa“, sagt der DuMont-Vorstandsvorsitzende Christoph Bauer im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir wollten keine Verluste mehr in Berlin.“

          „Der eigentliche Aufbau in Berlin beginnt jetzt erst“

          Die Erwartungen sind gedämpft, die Aussichten auch nicht besser. Die Rede war schon oft von einer kompletten Abkehr vom Zeitungsgeschäft oder einem Teilverkauf. DuMont prüfte zahlreiche Optionen und überlegte dabei auch, den Berliner Standort zu schließen. Bisher geht es weiter. „Einfach Geld in ein schwarzes Loch zu werfen, das jedes Jahr größer wird, das wollen wir und können wir uns nicht leisten“, sagt Bauer. Er stellt es als unumgänglich dar, wie DuMont in der Hauptstadt vorgegangen ist. In Berlin gründete DuMont eine neue Newsroom GmbH mit etwa 140 Stellen in der Redaktion, auf die sich die bisherigen 190 Mitarbeiter in den Berliner Redaktionen bewerben mussten. 50 Stellen fallen weg. Durch das Konstrukt der neuen Gesellschaft spart sich DuMont eine Sozialauswahl, um sich vermutlich von langjährigen und gutverdienenden Mitarbeiter trennen zu können.

          Selbst mit dem gewagten Umbau ist die Zukunft in Berlin nicht lange gesichert. „Es ist ein Neustart, und er ist noch nicht erledigt“, sagt Bauer. „Der eigentliche Aufbau in Berlin beginnt jetzt erst.“ Hinzu kommt, dass sich DuMont auf ein Experiment einlässt und eine Redaktion gleichzeitig das Boulevardblatt „Berliner Kurier“, die Tageszeitung „Berliner Zeitung“ und deren Internetseiten betreiben soll.

          Im vergangenen Jahr ist der konsolidierte Umsatz von DuMont um 1 Prozent auf 592 Millionen Euro angestiegen. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 lag der Umsatz noch bei mehr als 700 Millionen Euro und ist seither stark gesunken. Allerdings hat das Unternehmen im Jahr 2016 die Konzernrechnungslegung von den International Financial Reporting Standards (IFRS) auf deutsches Handelsrecht (HGB) umgestellt, wie DuMont am Donnerstag mitteilte. Dazu werden Aktiva und Passiva neu bewertet. Ein neues Spiel? Für Bauer ist das ein wichtiger Schritt. Das Unternehmen ist gleich, doch die Bilanz anders. Und plötzlich soll die Lage besser sein? „Mit der Umstellung ist das Unternehmen zukunftsfähig. Wir haben dadurch eine Bank-Kreditlinie von 160 Millionen Euro zur Verfügung“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Jetzt könne wieder investiert werden.

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