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Dubiose Geschäfte Betrug in der Windindustrie

Die Windenergie ist dank staatlicher Förderung ein lukrativer Markt – doch offenbar auch ein Nährboden für zwielichtige Geschäfte. Bauernfunktionäre sollen sich um Millionen Euro bereichert haben.

© dpa Vergrößern Läuft hier wirklich alles rund?

Die Energiewende hat manchem Landwirt ein ordentliches Zubrot beschert: Nicht mehr nur mit Kühen oder Kartoffeln, sondern auch mit Windrädern verdienen Bauern heutzutage ihr Geld. Das Geschäftsmodell reicht von der Verpachtung eines Ackers für den Bau einer Windkraftanlage bis zur finanziellen Beteiligung an einer Projekt- oder Betreibergesellschaft.

Joachim Jahn Folgen:      

Doch wo reichlich Subventionen in Gestalt von Zwangsabgaben der Stromkunden für erneuerbare Energie fließen, wächst offenbar auch die Gefahr der Selbstbedienung. In Niedersachsen hat das „Landvolk“ – der Interessenverband der Landwirte zwischen Ems und Elbe – seinen früheren Vorstandsvorsitzenden im Kreisverband Diepholz auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagt. Forderungen haben die Bauernvertreter auch gegen einen ehemaligen Geschäftsführer angemeldet, ferner gegen einen bisher bei ihnen angestellten Steuerberater – ausgestattet mit einem „unkündbaren“ Arbeitsvertrag – sowie gegen dessen Ehefrau. Zudem ermittelt eine Zentralstelle für Wirtschaftsdelikte bei der Staatsanwaltschaft in Stade.

Anzeige wegen schweren Falles der Veruntreuung

Das komplizierte Geflecht von Tochterfirmen und Geschäftspartnern – allesamt aus der Windbranche –, von Zahlungen, Rückbuchungen und umstrittenen Spenden durchleuchtet derzeit im Auftrag der neuen Verbandsführung die bundesweit tätige Wirtschaftskanzlei Luther. Deren Wirtschaftsstrafrechtler André Große Vorholt hat acht dicke Aktenordner gefüllt. Er vermutet einen schweren Fall von Untreue, hat Anzeige erstattet und spricht von Indizien, „die sich gewaschen haben“. Aus Sicht des Münchner Advokaten liegt außerdem der Verdacht der Korruption nahe.

Die Hinweise auf kriminelle Delikte sind nicht ohne: Ins Rollen gebracht hat den Fall eine Anzeige des Osnabrücker Finanzamts für Großbetriebsprüfungen, das nach einer routinemäßigen Sichtung der Buchhaltungsunterlagen nicht nur eine verdeckte Gewinnausschüttung, sondern auch Geldwäsche vermutete. Auch die Sonderprüfung durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft förderte Merkwürdigkeiten zutage.

Gleichsam als Kronzeugin hat sich überdies eine Zahnärztin gemeldet, die früher mit einem der Beschuldigten liiert war. Sie sagte aus, der frühere Geschäftsführer habe ihr verraten, dass er – gemeinsam mit dem damaligen Vorsitzenden – Geld veruntreut habe. Jahrelang habe er damit sogar ihr gegenüber geprahlt. Während der Jurist sich früher meist „recht knauserig“ gezeigt habe, will sie bei ihm denn auch einen spürbaren Anstieg des Lebensstandards beobachtet haben.

Zu hohe Gehälter und trügerische Transaktionen

Das vermeintliche Sündenregister ist lang. So soll der Ex-Vorsitzende, der zugleich Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft des Landvolks war, rund 3 Millionen Euro an eine Firma überwiesen haben, die Windparks errichtet und betreibt. Als stiller Gesellschafter war er dort selbst beteiligt – saß also auf beiden Seiten des Geschäfts mit am Tisch, wie Große Vorholt bemängelt. Dabei soll der Agrarfunktionär das Energieunternehmen bevorzugt und zu hohe Preise bezahlt haben. Umgekehrt soll er selbst von dort ein „Beraterhonorar“ von mehr als zwei Millionen Euro kassiert haben. Beteiligt war an mehreren dieser Geschäfte eine weitere Firma, deren einziger Kommanditist nach den Recherchen der Schwiegersohn des früheren Vorsitzenden war.

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