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Dubai Die größte Baustelle der Welt

18.11.2006 ·  In Dubai wird gebaut und gebaut und gebaut. Wenn erst Menschen in all den Wohnungen wohnen, brauchen sie Strom - vor allem zur Kühlung. Angenehme Raumtemperatur in der Wüste: das kann schon mal tausend Dollar im Monat kosten.

Von Konrad Mrusek, Dubai
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Der Burj Tower in Dubai, der mit über 700 Metern das höchste Gebäude der Welt werden soll, hat zwar erst die Hälfte seiner Größe erreicht. Doch bereits der Ausblick von der Mitte des künftigen Riesen zeigt, warum das reiche Emirat auch für etliche europäische Unternehmen zur Zeit eine Goldgrube ist: Ringsum schießen Dutzende von Hotels und luxuriöse Appartement-Gebäude in die Höhe. Selbst im Persischen Golf wird auf einer der drei frisch aufgeschütteten Inseln kräftig gebaut. In den kommenden vier Jahren soll sich die Zahl der 39.000 Hotelzimmer verdoppeln.

Fast jeder fünfte Kran auf der Welt dreht sich gegenwärtig im orientalischen Kleinstaat, weil dieser einen erheblichen Teil seiner Ölmilliarden in den Tourismus steckt. Damit soll nach dem Ende der Petrodollar-Zeit ein Großteil des Volkseinkommens erwirtschaftet werden. Von diesem Bau-Boom profitiert nicht nur der deutsche Kranhersteller Liebherr, auch europäische Elektrotechnikunternehmen wie etwa die Schweizer ABB produzieren teilweise bereits an der Kapazitätsgrenze, weil am Golf so große Nachfrage herrscht. Man liefert nicht allein Turbinen, Stromnetze, Transformatoren und Schaltanlagen, sondern auch jene elektronischen Systeme für die Haustechnik, mit denen künftig am Golf die vielen Hotelzimmer gekühlt werden oder ausländische Millionäre auf Knopfdruck ihre Appartements romantisch beleuchten wollen.

1000 Dollar Kühlkosten im Monat für Vergeßliche

Die Immobilienmaklerin im "Le Rêve Tower" an der neuen Dubai-Marina will nicht verraten, welcher Ausländer die luxuriöse, 1500 Quadratmeter große Wohnung im 55. Stock gekauft hat. Es soll sich, wie man hört, um einen Russen handeln. Auch Tennisstar Roger Federer und der Pop-Sänger Michael Jackson haben angeblich in Dubai schon Immobilien erworben. Sieht es bei ihnen demnächst so aus, wie in der neunten Etage des "Le Rêve"? Hier ist alles auf große Geldbeutel zugeschnitten: Die Wohnung ist knapp 600 Quadratmeter groß und kostete 1,7 Millionen Dollar. Selbst bei der Haustechnik wurde nicht gespart: Im Badezimmerspiegel ist ein kleiner Fernsehschirm, damit man schon beim Rasieren den Börsenbericht verfolgen kann.

Und in jedem der vielen Zimmer gibt es, zusätzlich zur zentralen elektronischen Steuerung, einen kabellosen "Touch-Screen", mit dem Temperatur und Licht verändert werden können. Wer auf "Romantic" drückt, erhält abgedimmtes Licht unter der Stuckdecke. Die Klimaanlage läßt sich bei entsprechender Programmierung sogar mit Handy oder per Internet fernsteuern. Das ist nicht unwichtig im heißen Dubai, denn wer bei der Abreise die Umstellung vergessen sollte, der muß monatlich mit bis zu 1000 Dollar Kühlkosten rechnen.

Die Elektrotechnikbranche vibriert

So luxuriös sind nicht alle Appartements und Hotels, doch die Größe des Projekts ist gigantisch, das zu einem erheblichen Teil vom Herrscherhaus in Dubai über diverse Gesellschaften finanziert wird. Etwa hundert Hochhäuser entstehen allein am Segelhafen von Dubai, was hunderttausend zusätzliche Bewohner ergeben dürfte. Dabei ist schon jetzt das Straßensystem überlastet, müssen schnell zusätzliche Fahrspuren in den Wüstensand gelegt werden. Selbst diese Erweiterung dürfte nach Ansicht von Einwohnern aber nur dann einen Verkehrskollaps vermeiden, wenn nur ein Teil der Besitzer sich jeweils in der Zweitwohnung aufhält.

Gleich neben dem Neubaugebiet stehen Kraftwerke und Umspannanlagen. Denn der Ehrgeiz von Dubai, zum größten Touristenzentrum am Golf zu werden, verlangt nach einer ebenso gigantischen Stromproduktion. Die Kraftwerkskapazität von Dubai soll daher bis 2010 ebenfalls verdoppelt werden. Außerdem will man die Stromnetze von sechs Golfstaaten verknüpfen, um die Versorgungssicherheit zu verbessern. Der Strom, der die Tourismusträume ermöglichen soll, läßt die Elektrotechnikbranche schon jetzt vibrieren.

Immobilienblase im Wüstensand?

In Dubai werden selbst nüchterne Schweizer Elektroingenieure euphorisch, wenn sie ihr Geschäft beschreiben. "Das sind aufregende Zeiten", sagt Bernhard Jucker, Vorstandsmitglied des ABB-Konzerns. Dieser baut zwar keine Kraftwerke mehr, weil man das Geschäft vor Jahren verkaufte, doch man liefert unter anderem jene Elektroprodukte und Systeme, die in Dubai den Touristen die Kühlung bringen, die man abseits des Strandes selbst im warmen Golf-Winter braucht.

Auf den Folien, die Jucker und seine ABB-Kollegen in Dubai zeigen, weisen alle Pfeile steil nach oben. 2005 war der Nahe Osten für die Elektrotechnikbranche bereits ein fast ebenso großer Kunde wie das stark wachsende China. Allein bei der ABB summierten sich die Aufträge auf 1,7 Milliarden Dollar. Im Herbst 2006 stiegen die Bestellungen weiterhin um gut 20 Prozent, obwohl der Ölpreis deutlich unter dem Rekordniveau des Frühjahrs lag.

Monaco des Nahen Ostens

Entsteht in Dubai eine Immobilienblase, werden die Petrodollars in eine Hotel-Halde gesteckt, die langfristig nicht stabil ist? Es fällt immerhin auf, daß von den geplanten Sachinvestitionen im Nahen Osten in den Jahren bis 2010, die auf 599 Milliarden Dollar geschätzt werden, fast die Hälfte auf Bauprojekte entfällt. Die ABB-Manager haben dennoch keine Sorge, daß hier eine Immobilienblase entsteht. Man verweist darauf, daß Hotels in Dubai ständig ausgebucht sind und Appartements schnell verkauft werden.

"Die Politiker am Golf sind weiser geworden", meint Boon Kiat Sim, Leiter des ABB-Geschäfts im Nahen Osten und Afrika, "sie diversifizieren nun bei der Anlage ihrer Ölerlöse. Außerdem basieren die Investitionsrechnungen auf einem Ölpreis von 20 bis 30 Dollar." In Dubai baut man nicht allein auf jene Touristen, die die Emirates Airlines heranfliegen sollen, man vertraut vor allem auf die Reichen aus den umliegenden Regionen, die ihr Geld in Wohnimmobilien stecken. Das Emirat will offenbar eine Art Monaco des Nahen Ostens werden, das mit Steuervorteilen lockt und neben dem Strandleben und Jachthafen auch mehr Sicherheit und Diskretion bietet.

Quelle: F.A.Z., 17.11.2006, Nr. 268 / Seite 22
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