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Drogerieketten-Pleite : Gemüse und Pakete hätten Schlecker-Insolvenz wohl verhindert

  • -Aktualisiert am

Anton Schlecker (rechts) begrüßt den Insolvenzverwalter seines Unternehmens Arndt Geiwitz bei heutigen Gerichtstermin. Bild: Reuters

Der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz belehrt den regungslosen Anton Schlecker vor dem Stuttgarter Landgericht. Der hätte durch neue Konzepte das Unternehmen retten können.

          Der endgültige Untergang der Drogeriemarktkette Schlecker wäre nach Auffassung des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz möglicherweise abwendbar gewesen – mit einem neuen Konzept und einem radikalen Einschnitt bezüglich der Zahl der Filialen in Deutschland. Aber es habe letztlich der Käufer gefehlt, sagte Geiwitz am Montag vor dem Stuttgarter Landgericht im Bankrott-Prozess gegen Anton Schlecker. Es habe mehrere Interessenten gegeben, etwa einen arabischen Staatsfonds oder einen osteuropäischen Fonds. Es sei eine Art Tankstellenkonzept geplant gewesen: weniger Drogerie, dafür auch Lebensmittel, ein Paketshop und ähnliches. „7-Eleven war unser Benchmark“, erläuterte Geiwitz mit Verweis auf die japanische Einzelhandelskette. „Wir hatten am Ende des Tages auch einen Käufer für dieses Konzept.“ Nur sei der letztlich doch abgesprungen.

          Schlecker hatte Anfang 2012 Insolvenz angemeldet, danach hatte Geiwitz mehrere Wochen lang versucht, die Kette zu verkaufen. Nach sechs Wochen sei er aber ziemlich ernüchtert gewesen. Der Insolvenzverwalter gab einen tieferen Einblick in die Hintergründe der Pleite von Europas größter Drogeriemarktkette. Es habe eine Geschäftsmodellkrise gegeben. Die zumeist kleinen Filialen unter 200 Quadratmeter Verkaufsfläche hätten dem zunehmenden Wettbewerb durch die Konkurrenten Rossmann und dm nicht standgehalten. „Der größte Fehler von Anton Schlecker war, zu lange an der Ladengröße festzuhalten.“ Das Unternehmen habe in den letzten vier Jahren vor der Insolvenzanmeldung Verluste beim Betriebsergebnis in Höhe von 478 Millionen Euro gemacht.

          Über 300 Millionen Euro geltend gemacht

          „Die Philosophie von Anton Schlecker war immer, durch extreme Größenvorteile Preisvorteile zu erreichen“, sagte der Zeuge weiter. Dieser Blickwinkel sei sicherlich zu einkaufsorientiert und zu wenig kundenorientiert gewesen. Schlecker verlor viele Kunden vor allem an die direkten Konkurrenten, die – so stellte es Geiwitz weiter dar – gezielt die profitablen Schlecker-Standorte mit eigenen Filialen in unmittelbarer Nähe angriffen. Der heute 72-Jährige habe bis zum Schluss nicht an die Insolvenz geglaubt. Zugleich habe er deutlich höhere Personalkosten gehabt als die Wettbewerber. Nach Auffassung des Insolvenzverwalters gab es bei der einstigen Drogeriemarktkette eine gewisse Überregulierung. So gab es damals den Angaben zufolge 1000 Betriebsräte und rund 100 Gremien. Schlecker hatte schon längere Zeit vor der Anmeldung der Insolvenz eine Unternehmensberatung engagiert, um ein Sanierungskonzept auszuarbeiten. Für das „Fit for Future“ genannte Programm reichte dann aber das Geld nicht mehr, um es konsequent umzusetzen.

          Die Anklage wirft Anton Schlecker vorsätzlichen Bankrott vor. Er soll außerdem Geld aus dem Unternehmen gezogen und an seine Kinder Lars und Meike verschoben haben, die wegen Beihilfe angeklagt sind. Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung, dass spätestens Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte und der Gründer über die Lage im Bilde war. Schlecker hatte dies stets zurückgewiesen. Er verfolgte den mehrstündigen Vortrag des Verwalters ohne sichtbare Regung. Insgesamt hatten die Schlecker-Gläubiger einst einmal 1,2 Milliarden Euro an Forderungen angemeldet.

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          Berechtigt erscheinen Geiwitz lediglich 438 Millionen Euro. Unter den Gläubigern sind auch viele frühere Beschäftigte. Ob er ihre Forderungen auszahlen könne, hänge auch vom Erfolg von mehreren Schadensersatzklagen gegen frühere Lieferanten wegen eines Preiskartells ab. Bei ihnen werden über 300 Millionen Euro geltend gemacht, wie der Zeuge am 16. Verhandlungstag weiter berichtete. Sollte er in diesen Fällen juristisch erfolgreich sein, könnten auch einstige Mitarbeiter mit Geld rechnen. Der 48 Jahre alte Wirtschaftsprüfer sprach von einem „sehr unüblichen Großinsolvenzverfahren“ – allein schon deshalb, weil Schlecker sein Imperium als Einzelkaufmann geführt hatte und das mit damals 24.000 Beschäftigten. Es sei sehr sparsam und schlank geführt worden. Es habe nicht einmal ein automatisiertes Warenwirtschaftssystem gegeben. Während Geiwitz im Inland schließlich alle Läden schloss, konnte er einige Auslandsgesellschaften erfolgreich verkaufen, so Tochterunternehmen in Spanien, Tschechien, Österreich.

          Quelle: F.A.Z.

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