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Drogeriediscounter Reue hat Schlecker nie gezeigt

11.01.2010 ·  Anton Schlecker hat zusammen mit seiner Frau aus dem Nichts ein Drogerie-Imperium aufgebaut. Heute arbeiten mehr als 52.000 Menschen bei Schlecker. Doch er gerät immer wieder in die Schlagzeilen, wegen Missachtung von Arbeitnehmerrechten. Auch Politiker sind erzürnt.

Von Susanne Preuss
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Immer um Neujahr herum praktiziert Anton Schlecker das, was er für Pressearbeit hält. In früheren Jahren gewährte der schweigsame Drogeriekönig seinem Leib- und Magenblatt aus Ulm Audienz. Der daraus entstehende Artikel in der „Südwestpresse“ wurde dann als Pressemitteilung betrachtet und in die Redaktionen gefaxt – auf dass die übrige Journaille abschreibe, was da zu lesen war. Rückfragen oder nachhaken war zwecklos.

Inzwischen zählt der Drogeriediscounter immerhin zu den 100 größten Handelsunternehmen der Welt, aber so sehr viel anders gestaltet sich die Pressearbeit immer noch nicht. Um den Jahreswechsel herum erscheint nun eine Illustrierte mit dem Titel „Schlecker informiert“, die letztlich den gleichen Zweck verfolgt wie dereinst das Fax: Die Medien sollen aus der Illustrierten abschreiben, wie viel Umsatz das Unternehmen erzielt hat (7,2 Milliarden Euro im Jahr 2009). Und wenn möglich, soll noch einiges von der Propaganda transportiert werden, die in dem 120 Seiten starken Blatt zwischen der Werbung für Milka, Dusch-Das und das Cewe-Fotobuch verbreitet wird, etwa aus dem Editorial: „Auch in unserem Jubiläumsjahr stehen unsere Kundinnen und Kunden bei uns im Mittelpunkt.“

1987 wurden beide Kinder entführt

Wessen Bild abschweift auf das Foto daneben, auf dem der harmlos-freundlich dreinblickende Anton Schlecker mit seiner blonden, langbeinigen Frau Christa abgebildet ist, fragt sich unwillkürlich, ob an der Darstellung etwas geschönt worden sein könnte oder ob man wahrhaft noch so jugendlich aussieht, wenn man so viel hinter sich hat wie dieses Ehepaar. Anton Schlecker ist immerhin im vergangenen Herbst 65 Jahre alt geworden. Und ganz abgesehen davon, dass er mit seiner Frau zusammen aus dem Nichts ein Drogerie-Imperium mit mehr als 52 000 Mitarbeitern aufgebaut hat – was unbestritten harte Arbeit war –, widerfuhr dem Paar an Weihnachten 1987 ein schrecklicher Schicksalsschlag: die beiden Kinder wurden entführt.

Staunend nahm die Öffentlichkeit damals zur Kenntnis, dass der Metzgermeister Schlecker Nerven wie Drahtseile haben muss, denn er handelte die Lösegeld-Forderung für seine Kinder von 18 auf 9,6 Millionen Mark herunter. Hinter vorgehaltener Hand wurde sogar getuschelt, ob es bei der Entführung mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Jeglicher Verdacht wurde aber obsolet, als Ende der neunziger Jahre die Entführer gefasst und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren.

Regelmäßige Empörung über die Zustände bei Schlecker

Kräftemessen mit Anton Schlecker, das lehrt dieser Vorfall allemal, ist eine schwierige Sache. Die Gewerkschafter versuchen es trotzdem immer wieder, weil Schlecker auch besonders viele Angriffsflächen bietet. Eine erste Welle der Empörung über die Zustände bei Schlecker schwappte in den neunziger Jahren über das Land. Damals war eine Mitarbeiterin bei einem Raubüberfall auf eine Schlecker-Filiale ums Leben gekommen, und erstmals sah man genauer hin.

Die kleinen, oft etwas schmuddelig wirkenden Drogerie-Läden waren meist nur mit einer schlecht bezahlten Teilzeit-Mitarbeiterin besetzt, die dem Alltag ausgeliefert war, ohne Toilette, ohne Telefon, aber mit umfassender Verantwortung ausgestattet und stets das Risiko vor Augen, dass ein Testkäufer oder gar das Ehepaar Schlecker hereinkommen und die Lage inspizieren könnte.

Der öffentliche Druck führte zu Verbesserungen bei Schlecker und auch dazu, dass ähnliche Zustände bei anderen Discountern, etwa dem ebenfalls aus Baden-Württemberg heraus aufgebauten Filialisten Lidl, bekannt wurden. Ende der neunziger Jahre wurde Anton Schlecker sogar rechtskräftig verurteilt wegen fortgesetzter Missachtung von Arbeitnehmerrechten und vielfachen Betrugs.

Einer der meistgehassten Arbeitgeber

So wenig man über den schweigsamen Mann weiß, so viel ist sicher: Er ist wohl einer der meistgehassten Arbeitgeber der Republik. Jetzt steht Schlecker abermals unter Druck. Laut Verdi hat er Hunderte AS-Filialen geschlossen und stattdessen größere XL-Filialen eröffnet, die überwiegend mit Leiharbeitspersonal betrieben würden. Deren Gehalt liege bis zu 50 Prozent unter Tarif, zudem hätten sie weniger Urlaub. Die Zeitarbeitsfirma Meniar, von der das Personal komme, werde zudem von der Schlecker-Konzernzentrale gesteuert.

Nicht nur die Gewerkschaft erregt sich darüber, auch Politiker sind erzürnt. Doch Anton Schlecker hat in solchen Fragen nie Reue gezeigt. Er hat immer nur so viel nachgegeben, wie unbedingt notwendig war. Das dürfte auch diesmal wieder so sein. Nach der heftigen Kritik aus der Politik will die Drogeriekette Schlecker ihre Zusammenarbeit mit der umstrittenen Leiharbeitsfirma auslaufen lassen. Mit dem Unternehmen sollten keine neuen Verträge abgeschlossen werden, teilte ein Sprecher von Schlecker am Montagabend mit.

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