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Für Handys und Computer : Zukunftsfabrik im AfD-Land

Mitarbeiter von Globalfoundries arbeiten in Dresden an der Chipproduktion. Bild: dpa

Gerade um Dresden gibt es ein außergewöhnliches Technologie-Cluster. Dort steht auch Europas größte Chipfabrik, die nun noch mächtiger werden soll - auch wenn der politische Rechtsruck manchen abschreckt.

          Die dritte Runde ist eröffnet, und sie wird vieles ändern: die Arbeit, den Alltag, die Wirtschaft. Nach Computern und Handys steht nun die klassische Industrie auf der Agenda der Chipbranche. Auto-, Maschinen- und Anlagenbauer, Pharma- und Chemiebetriebe, das verarbeitende Gewerbe, Dienstleistungs- und Servicebranchen. Sie alle werden unter dem Schlagwort Industrie 4.0 durchdigitalisiert. „Und unsere Dresdner Fabriken liefern über die kommenden zwanzig Jahre die wohl wichtigsten Bausteine dafür“, sagt Sanjay Jha.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jha steht auf einer der Kommandohöhen der Branche. Er ist Vorstandsvorsitzender eines der größten Halbleiterherstellers der Welt: Globalfoundries. Das Unternehmen ist ein Auftragsfertiger für Chips. Es hat Werke in Amerika, Asien und Sachsen. Der Konzern beschäftigt Tausende Mitarbeiter und verbucht einen Jahresumsatz von 5,5 Milliarden Dollar. Nach der taiwanischen TSMC-Gruppe ist es die Nummer zwei im Markt für sogenannte Chip-Foundries.

          Allein in das riesige Werk vor den Toren von Dresden sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund 12 Milliarden Dollar geflossen. Damit entstanden dreieinhalbtausend gut bezahlte Arbeitsplätze. Die auch mit reichlich Steuergeld subventionierte größte Einzelinvestition in den neuen Bundesländern katapultierte die Landeshauptstadt Sachsens in die erste Liga der Hochtechnologie. Sie zog Hunderte Zulieferbetriebe und Dutzende erstklassige Forschungsinstitute an. „Dresden ist nicht nur eine tragende Säule in unserem Konzern“, sagt Jha. „Dresden ist ein fester Bestandteil der Branche.“

          Pegida macht ihnen zu schaffen

          Politische Umtriebe wie die in der Stadt allwöchentlich protestierende Pegida-Bewegung haben den Standort allerdings auch schon einiges gekostet: Erlöse, Investoren und hochqualifizierte Fachkräfte aus aller Welt. Einige scheuen vor Dresden mittlerweile zurück. Der Image-Schaden ist gewaltig. Das aber sagt Jha nicht. Kein Wunder: Die arabischen Eigentümer von Globalfoundries halten an ihrem Vorhaben fest und bauen es für Hunderte Millionen Euro noch aus.

          So werden in ihrer Fabrik leistungsstarke Chips, Prozessoren und Sensoren für Kunden in aller Welt hergestellt. Winzige elektronische Steuerelemente, die binnen eines Wimpernschlags Hunderte Millionen Befehle ausführen, die Milliarden Transistoren auf einem kaum daumennagelgroßen Stück Silizium vereinen und Leiterbahnen haben, die Hunderte Mal feiner sind als ein menschliches Haar. Mit diesen kleinen Teilen lässt sich Großes anstellen.

          Mitarbeiter zeigen die neuesten Waver im 300 Millimeter-Format. Derzeit sind in Dresden 3.000 Spezialisten angestellt.

          Wie von Geisterhand lenken sie Maschinen und Autos; sie machen Fabriken zu riesigen Computern; sie verbinden alles mit allem und jeden mit jedem. Die Branche nennt das auch das Internet der Dinge. Jha nennt es eine „neue technische Revolution“. Und die kommt aus den Reinraumhallen seiner Firma. Diese Hallen sind größer als ein Fußballplatz und sauberer als ein Operationssaal. Jeder Mitarbeiter trägt eine weiße Ganz-Körper-Uniform. Jha trägt einen grauen Anzug. Er sitzt in einem Café gegenüber der Frauenkirche. Krawatte, weißes Hemd, ein Wasser auf dem Tisch. Draußen vor dem Fenster laufen die Bauarbeiten zum Wiederaufbau der Altstadt; drinnen spricht Jha vom Ende einer Ära.

          Die Branche stieß an die Grenzen des Machbaren

          Die mehr als ein halbes Jahrhundert als Moore’s Law bekannte Faustregel, dass sich alle 18 bis 24 Monate die Zahl der Transistoren auf der Fläche eines Chips verdoppelt, funktioniert nicht mehr. Anfang der siebziger Jahre zählte ein integrierter Schaltkreis rund 2500 Transistoren, heute sind bis zu 10 Milliarden dieser Minischalter auf einem Chip. Die Materialien wurden feiner, die Strukturen kleiner. Die Branche stieß an die Grenzen des Machbaren. „Wir brauchen neue Wege“, sagt Jha. Dresden könne auf diesem Entwicklungspfad ein Meilenstein sein.

          Die Ingenieure von Globalfoundries haben unter dem Codenamen „22FDX“ eine ganz eigene Technologie zur Fertigung neuartiger Chips entwickelt. Die „22“ steht für die Strukturgröße von 22 Nanometern, „FD“ für die spezielle Herstellungstechnologie und das „X“ für extrem. Anders als bei klassischen Chips braucht es für die auch FD-SOI-Transistoren genannten Winzlinge besonders dünne Wafer – pizzagroße, silberne Siliziumscheiben, auf denen in komplizierten Verfahren kleinste Schaltkreise aufgebracht werden. Die Herstellung kann Wochen dauern. Sie braucht Hochpräzisionsmaschinen und Mitarbeiter mit Fingerspitzengefühl. In die hauchdünnen Wafer-Scheiben sind feinste leitende und isolierende Schichten eingezogen. Damit können die Flüsse des elektrischen Stromes kontrolliert, Verluste oder gar Störungen ausgeschlossen werden. Hightech auf engstem Raum. Auf der Basis dieser Technik hat der Vorstandsvorsitzende Jha eine Konzernstrategie für die kommenden Jahre ausgearbeitet. „Wir sehen Nachfrage von allen großen Industrien: Automotive, Telekom, verarbeitendes Gewerbe.“ Als Auftragsfertiger arbeite Globalfoundries für andere große Chipmarken.

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