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Neue Motorart : Dreierbündnis plant „Revolution“ des Luftverkehrs

Erstflug in drei Jahren geplant: Airbus E-Fan X mit Elektromotor Bild: dpa

Leiser, weniger Treibstoff, weniger Emissionen: Airbus, Rolls-Royce und Siemens entwickeln gemeinsam hybrid-elektrische Motoren für Flugzeuge. Bis zum Jahr 2030 soll die Technik marktreif sein.

          Siemens spricht von einer „Revolution“ im Luftverkehr: Binnen drei Jahren will der Münchner Technologiekonzern gemeinsam mit dem Flugzeugbauer Airbus und dem Triebwerkshersteller Rolls-Royce den Prototyp eines Regionaljets mit Hybrid-Elektroantrieb abheben lassen. Er soll leiser und weniger umweltschädlich sein als Flugzeuge mit konventionellen Düsentriebwerken. Bis zum Jahr 2030, spätestens aber bis 2035 soll die Technik marktreif sein. Dann könnten die ersten Passagiere ihren Kurzstreckenflug im Hybrid-Jet antreten.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          „Das wird eine wirklich disruptive Technologie sein“, kündigte der Siemens-Manager Frank Anton bei der Vorstellung der gemeinsamen Pläne auf einer Pressekonferenz in London an. „Es gibt keine wirklich fundamentalen Hindernisse“, versicherte Airbus-Mann Mark Cousin. Die notwendige Technik für den Hybridflug gebe es schon heute. Die Komponenten müssten nur noch verbessert und für den Einsatz im Luftverkehr angepasst werden. Paul Stein, Entwicklungschef des britischen Konzerns Rolls-Royce, spricht von der „dritten Generation der Luftfahrt“ nach dem Propellerflugzeug und dem Düsenjet.

          Zumindest auf den ersten Blick wird der geplante Prototyp namens E-Fan X allerdings wohl ziemlich unscheinbar aussehen: Die drei Unternehmen bauen dafür einen betagten Regionaljet vom Typ British Aerospace 146 um. Die Maschine, die noch aus den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammt, bietet je nach Version Platz für rund 100 Passagiere. Zunächst soll lediglich eines der vier Düsentriebwerke durch einen 2000 Kilowatt starken Elektromotor ersetzt werden, der einen im Triebwerksgehäuse montierten Propeller („Fan“) antreibt. Den Strom dafür liefert eine zunächst mit konventionellem Flugzeug-Treibstoff betriebene Turbine, die wiederum eine bordeigene Batterie speist.

          Entwicklungsarbeit aufgeteilt

          Die Unternehmen versprechen, der Hybridantrieb könne den Treibstoffverbrauch und damit auch die Abgasemissionen um einen zweistelligen Prozentsatz senken. „Auch die Lärm- und Abgasbelastung rund um die Flughäfen wird erheblich geringer sein“, verspricht der Airbus-Manager Cousin. Die Airports könnten deshalb in Zukunft viel enger an die Zentren großer Städte heranrücken und damit für Passagiere einfacher erreichbar sein. Eine Reihe von Fluggesellschaften hätten Interesse an der der Hybridtechnik signalisiert. „In Zukunft wird das dramatisch zunehmen“, erwartet Cousin.

          Die drei Partner haben sich die Entwicklungsarbeit aufgeteilt: Rolls-Royce entwickelt das Triebwerk und die Turbine zur Stromerzeugung, Siemens liefert den Elektromotor fürs Triebwerk und weitere Elektronik zu, Airbus ist für die Integration der neuen Antriebstechnik ins Flugzeug verantwortlich. Wer die Batterie liefere, sei bisher offen, hieß es. Airbus und Siemens haben schon im Frühjahr 2016 angekündigt, gemeinsam Hybridantriebe für Flugzeuge zu entwickeln. Nun holen sie den britischen Triebwerksspezialisten Rolls-Royce mit an Bord. In Großbritannien laufen auch Gespräche mit der Regierung über eine mögliche staatliche Förderung für das Projekt.

          Bisheriges Projekt E-Fan gestoppt

          Der Siemens-Mann Anton sieht drei große Herausforderungen auf dem Weg zum Hybrid-Flugzeug: Einerseits seien die Elektromotoren bisher zu schwer. „Wir brauchen zehnmal so viel Leistung wie heute ohne Mehrgewicht“, sagt er. „Aber das ist machbar.“ Die zweite Hürde sei die Zulassung der Aufsichtsbehörden für die neue Antriebstechnik. Drittens müssten Flugzeugbauer das Wagnis eingehen, speziell auf den Hybridantrieb ausgerichtete Maschinen zu entwickeln.

          Im Rahmen der schon 2016 begonnenen langfristigen Zusammenarbeit zwischen Airbus und Siemens arbeiten mittlerweile mehrere hundert Ingenieure beider Unternehmen an der neuen Antriebstechnik. Die Entwicklung von hybridelektrischen und später rein elektrischen Flugzeugen sei eine der größten industriellen Herausforderungen, sagte damals Airbus-Chef Thomas Enders. Aber mit konventionellen Düsentriebwerken ließen sich die ehrgeizigen Langfristziele der EU zur Reduktion der Flugverkehrsemissionen nicht erreichen.

          Airbus hat aber auch Rückschläge erlitten: Im Frühjahr stoppte der Hersteller sein bisheriges Projekt E-Fan. Das elektrisch betriebene Kleinflugzeug mit zwei Sitzplätzen sollte eigentlich in Serie gebaut werden. Prototypen waren auf einer ganzen Reihe von Luftfahrtmessen gezeigt werden. Es erwies sich letztlich jedoch als technische Sackgasse. Nun soll das ehrgeizigere Projekt für den größeren E-Fan X zusammen mit Siemens und Rolls-Royce den Weg in die Zukunft weisen. Auch der amerikanische Airbus-Konkurrent Boeing sucht nach Alternativen zum konventionellen Düsenantrieb.

          Quelle: F.A.Z.

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