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Dreidimensionales Fernsehen Die Stunde der Wahrheit

14.03.2010 ·  Das Geschäft mit der dritten Dimension soll beginnen: Nach einem monatelang von den Herstellern geschürten Rummel kommen nun die ersten Geräte in die Geschäfte. Jetzt entscheidet der Verbraucher über den Erfolg von 3-D-Fernsehern.

Von Roland Lindner, New York
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Für die Unterhaltungselektronikindustrie ist die Stunde der Wahrheit gekommen. Seit Monaten rühren Hersteller von Fernsehern die Werbetrommel für eine neue Generation von Geräten, die dreidimensionale Bilder zeigen können. Nun kommen die ersten 3-D-Fernseher auf den Markt, und der Verbraucher hat das Wort. Er entscheidet letztlich über den Erfolg der von einiger Skepsis begleiteten Technik. Der koreanische Weltmarktführer Samsung und der japanische Wettbewerber Panasonic geben in dieser Woche auf Veranstaltungen in New York den offiziellen Startschuss für ihre 3-D-Produkte. Die Panasonic-Geräte sind von sofort an in amerikanischen Geschäften verfügbar. Samsung zieht noch im Laufe des Monats nach – sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland.

Die Konsumelektronikbranche sieht das Momentum im Geschäft mit 3-D auf ihrer Seite. Sie beruft sich auf den gigantischen globalen Erfolg des Kinofilms „Avatar“, der auf vielen Leinwänden dreidimensional aufgeführt wurde. Damit, so argumentieren die Fernsehhersteller, hätten die Verbraucher Geschmack an 3D-Technik gefunden und wollten dieses Erlebnis nun auch in den eigenen vier Wänden haben. Zweifler halten dagegen, der Erfolg im Kino lasse sich nicht so einfach auf das Wohnzimmer übertragen. So werden Bedenken angemeldet, ob potentielle Nutzer die notwendigen 3-D-Brillen auch zu Hause tragen wollen und ob sie bereit sind, den Aufpreis für die neuen Geräte zu zahlen. Zudem ist das Angebot von dreidimensionalen Filmen und Fernsehsendungen derzeit noch dürftig.

Expertenprognosen gehen weit auseinander

Angesichts dieser Unsicherheitsfaktoren gehen auch die Expertenprognosen für die neue Produktkategorie weit auseinander. Das Marktforschungsinstitut Displaysearch sagt für 2010 einen globalen Absatz von 1,2 Millionen 3-D-Fernsehern voraus. Eine andere Schätzung von iSuppli liegt bei 4,2 Millionen Geräten. Die Hersteller selbst verbreiten Optimismus: Boo Keun Yoon, der Chef des globalen Fernsehgeschäfts von Samsung, sagte kürzlich in New York, er rechne noch in diesem Jahr allein für sein Unternehmen mit dem Verkauf von mehr als zwei Millionen 3-D-Fernsehern, „und das ist sehr konservativ geschätzt“.

Der japanische Wettbewerber Sony, der im Juni seine ersten 3D-Geräte auf den Markt bringen will, legt die Messlatte für das am 31. März 2011 zu Ende gehende aktuelle Geschäftsjahr mit 2,5 Millionen 3D-Geräten noch etwas höher. Das würde 10 Prozent des gesamten von Sony geplanten Absatzes von 25 Millionen Fernsehern entsprechen. Panasonic hat sich für 2010 vorgenommen, eine Million 3D-Fernseher zu verkaufen. Samsung war im weltweiten Fernsehmarkt nach Angaben von Displaysearch im Schlussquartal 2009 Spitzenreiter mit einem Marktanteil von 23,6 Prozent, gefolgt vom koreanischen Wettbewerber LG Electronics (13,0 Prozent), Sony (11,5 Prozent) und Panasonic (8,0 Prozent).

Aufpreis von 25 Prozent

Samsung-Manager Yoon erwartet, dass sich auch im gegenwärtigen, wirtschaftlich schwierigen Umfeld viele Menschen zum Kauf eines 3-D-Fernsehers hinreißen lassen – selbst wenn sie sich erst in den vergangenen Jahren neue hochauflösende HD-Geräte angeschafft haben. Üblicherweise liege der Lebenszyklus von Flachbildschirmfernsehern bei sechs Jahren. Aber Yoon traut der 3-D-Technik zu, diesen Zeitraum zu verkürzen, weil sie einen bedeutenden Fortschritt darstelle: „Aus meiner Sicht ist 3-D eine größere Revolution als der Übergang vom Schwarzweißfernsehen zur Farbe.“

3-D-Fernseher werden zunächst alles andere als ein billiges Vergnügen sein, aber die nun von den ersten Herstellern genannten Preise sind niedriger als von manchen Beobachtern erwartet. Samsung zum Beispiel setzt in Amerika für einen 3-D-tauglichen 46-Zoll-Fernseher mit LED-Hintergrundbeleuchtung einen Ladenverkaufspreis von 2599 Dollar an; in Deutschland sind es 2499 Euro. Ein 55-Zoll-Gerät liegt bei 3299 Dollar (3199 Euro). Yoon sagt, Samsung habe sich an Umfragen orientiert, wonach 60 Prozent der Verbraucher Bereitschaft erkennen ließen, für 3-D einen Aufpreis von 25 Prozent zu zahlen. Die Listenpreise sind auch nicht in Stein gemeißelt: Beim Online-Einzelhändler Amazon gibt es die 46-Zoll-Version mit einem Abschlag von mehr als 250 Dollar. Yoon sagt, die Preise für 3D-Fernseher seien angesichts des harten Wettbewerbs unter den Herstellern schon jetzt bei der Einführung knapp kalkuliert. Verbraucher sollten sich nach seinen Worten nicht darauf einstellen, dass die Preise schon bald drastisch reduziert werden, so wie es sonst bei neuartigen Geräten üblich ist.

Mit der Anschaffung des Fernsehers allein ist es freilich nicht getan. Wer dreidimensionale Filme ansehen will, braucht auch einen 3-D-tauglichen Blu-Ray-Spieler und die entsprechenden Brillen. Samsung hat eigene 3-D-Brillen für seine Geräte entwickelt, die je nach Version mindestens 150 Dollar kosten. Die Brillen funktionieren nicht mit Fernsehern anderer Hersteller. Yoon streitet nicht ab, dass diese mangelnde Kompatibilität unter den Geräteherstellern für Verbraucher ein Ärgernis sein kann, und er verspricht, dass die Industrie künftig an gemeinsamen Standards arbeiten werde. Der Samsung-Manager gibt aber zu: „Wir stehen da noch ganz am Anfang.“ An den Brillen wird nach seinen Worten auf absehbare Zeit kein Weg vorbeiführen. Dazu seien technische Durchbrüche nötig, die sich heute noch nicht abzeichnen, unter anderem eine Vervielfachung der Auflösung bei den Fernsehern. „Auch in zehn Jahren wird man für das 3-D-Fernsehen noch Brillen brauchen“, sagt Yoon.

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