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Drei Bereiche mit Verlust Gewinneinbruch bei Siemens

30.04.2008 ·  Schwierige Zeiten für Siemens: Gestern erst hat die amerikanische Kanzlei Debevoise & Plimpton von neuen Belegen in der Schmiergeld-Affäre berichtet. Nun muss Siemens verkünden, dass der Gewinn massiv eingebrochen ist. Konzernchef Peter Löscher hat Personalabbau angekündigt. Für Zahlen sei es aber noch zu früh.

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Altlasten in der Bahn- und Kraftwerkssparte haben bei Siemens einen massiven Gewinneinbruch verursacht. Das Ergebnis stürzte im zweiten Quartal um 67 Prozent auf 412 Millionen Euro ab. Vorstandschef Peter Löscher korrigierte die Jahresprognose am Mittwoch nach unten und kündigte einen weiteren Personalabbau an. Die Börse hatte Schlimmeres befürchtet und machte die Aktie zum größten Gewinner im Deutschen Aktienindex (DAX).

„Für die zweite Hälfte des laufenden Geschäftsjahres bin ich verhalten optimistisch“, sagte Löscher in München. Der Umsatz soll doppelt so stark wachsen wie die Weltwirtschaft, das operative Ergebnis aber nur noch „Vorjahresniveau erreichen“. Dabei seien die Kosten der Korruptionsaffäre und des Konzernumbaus noch nicht berücksichtigt.

„In der Verwaltung wird es ganz klar zu Personalabbau kommen“

Die Finanzkrise werde ab Herbst „deutlicher in der Realwirtschaft ankommen“, sagte Löscher: „Wir sehen erste Bremsspuren.“ Siemens werde seine Kosten bis 2010 um zehn Prozent senken und allein in der Verwaltung 700 Millionen einsparen. „In der Verwaltung wird es ganz klar zu Personalabbau kommen“, sagte er. Für Zahlen sei es noch zu früh. „Wann kommt der Herr Löscher mit großen Personalabbauzahlen? Er ist noch nicht so weit“, sagte der Konzernchef.

Ausmaß und Breite der Korruptionsaffäre hätte er nicht erwartet: „Das hat mich persönlich überrascht“, sagte Löscher. Die Gesamtkosten summierten sich inzwischen auf 1,8 Milliarden Euro. Aber dem Geschäft habe der Skandal nicht geschadet. „Wir haben keinerlei Vertrauensverluste von Kunden.“

Der Auftragseingang stieg im zweiten Quartal um 12 Prozent auf 23,4 Milliarden Euro. Der Umsatz legte nur um ein Prozent zu auf 18,1 Milliarden. Das operative Ergebnis fiel um 32 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

Kraftwerkspannen jetzt erledigt

Dafür machte der Konzern vor allem Altlasten in Höhe von 857 Millionen Euro in drei Sparten verantwortlich, die in die roten Zahlen rutschten. In der Kraftwerkssparte (PG) führte Missmanagement zu teuren Verzögerungen. Die Bahnsparte (TS) litt unter neuen Pannen bei Combino-Straßenbahnen und Verzögerungen beim Transrapid in Schanghai. Bei IT-Dienstleistungen (SIS) ging ein Großprojekt in England schief.

Die Überprüfung der Problemprojekte sei aber im Wesentlichen abgeschlossen, sagte Löscher und gab Entwarnung: Nur in der Kraftwerkssparte fielen in den kommenden Quartalen noch knapp 100 Millionen Euro Belastung an.

Größter Gewinnbringer war erneut die Sparte Automatisierungstechnik (AD) mit einem Plus von 35 Prozent auf 712 Millionen, gefolgt von Medizintechnik (MED), Energieübertragung (PTD), Industriediensten (ID) und Osram.

Trennung von Telefonanlagen-Sparte wird teuer

Der Konzernumbau und die Folgen der Korruptionsaffäre schmälerten den Gewinn um 506 Millionen Euro. Beim Verkauf der Telefonanlagensparte SEN sei noch ein „erheblicher Verlust“ zu erwarten, sagte Löscher. Mit mehreren Kaufinteressenten werde intensiv verhandelt.

Der Anti-Korruptions-Beauftragte Peter Solmssen sagte, die Gespräche mit der US-Börsenaufsicht und dem Justizministerium dauerten wohl „viele Monate“. Die rigorose Aufklärung und die neuen Regeln kämen gut an: „Unser Verhalten wird sich lohnen“, sagte er. Siemens kläre „die individuelle Verantwortung ohne Ansehen der Person“ und werde gegebenenfalls auch Schadenersatz fordern. Namen könne er noch keine nennen, denn „Fakten im Sinne von Beweisen gibt es noch nicht“, sagte Solmssen.
Das erste Halbjahr sah für den Konzern mit 6,9 Milliarden Euro Gewinn zwar gut aus, aber 5,4 Milliarden stammten aus dem Verkauf der Autozuliefersparte VDO. Das Betriebsergebnis fiel um ein Zehntel auf 2,9 Milliarden Euro.

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Von Heike Göbel

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