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Drama in Algerien Kollegen in Geiselhaft

Es ist der Albtraum eines jeden Unternehmens, wenn die eigenen Mitarbeiter in Geiselhaft von Terroristen geraten. Deshalb müssen Betriebe, die Geschäfte in Krisengebieten machen, ihre Mitarbeiter besonders schützen. Bloß wie?

© dpa Anlage des Gaskonzerns Statoil in Algerien

Nachrichten wie diese sind der Albtraum eines jeden Unternehmens: Die eigenen Mitarbeiter geraten als Geiseln in die Hand von islamistischen Terroristen. Der britische Ölkonzern BP und der norwegische Statoil-Konzern mussten das am Mittwoch in Algerien durchleiden, als ihre Beschäftigten von einer Gasplattform verschleppt wurden. Am Donnerstag dann die dramatische Eskalation: Bei einem bewaffneten Luftangriff des algerischen Militärs kommt es zu einem Blutbad, es sterben Dutzende von Geiseln, andere können angeblich gerettet werden. Über Stunden hinweg ist die Nachrichtenlage unklar. Keiner weiß, wer überlebt hat und wer getötet wurde.

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Klar ist dagegen zumindest die Linie von Unternehmen in solchen Situationen: „Wir tun alles, was wir können, um die Sicherheit unserer Leute zu gewährleisten und uns um ihre Familien zu kümmern - das hat oberste Priorität“, sagte BP-Vorstandschef Bob Dudley am Donnerstag, bevor die Eskalation bekanntwurde. „Alle unsere Anstrengungen gehen dahin, die Behörden darin zu unterstützen, eine friedliche Lösung der Situation und eine sichere Rückkehr unserer Kollegen und aller anderen Gefangenen zu erreichen.“ Am Abend kündigte der Konzern an, Teile seines Personals aus Algerien abzuziehen. Auch der spanische Mineralölkonzern Cepsa evakuierte zwei Probebohrfelder als „rein prophylaktische Maßnahme“.

Keine Details über die Gefangenen

Die Entführer schlugen auf einem Erdgasfeld in der Sahara rund 1300 Kilometer südöstlich von Algier zu. Die Förderanlage In Amenas wird von einem Konsortium betrieben, dem der zweitgrößte europäische Energiekonzern BP, der norwegische Statoil-Konzern und die staatliche algerische Ölgesellschaft Sonatrach angehören. Nach BP-Angaben befinden sich auf der Anlage normalerweise rund 700 Arbeitskräfte. Die meisten davon seien algerische Angestellte von externen Dienstleistungsunternehmen. BP selbst hat weniger als 20 eigene Mitarbeiter vor Ort. Der Rest ist Spekulation, denn in solchen Fällen ist Diskretion gefragt: BP werde mit Rücksicht auf die Sicherheit der betroffenen Mitarbeiter keine Details über die Gefangenen veröffentlichen, auch nicht zu deren Nationalität. Außerdem wollte der britische Konzern nicht sagen, wie viele seiner Angestellten als Geiseln genommen wurden. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, um deren Sicherheit nicht zu gefährden. Helge Lund, der Vorstandschef von Statoil, bestätigte, dass zwölf Angestellte des Unternehmens entführt worden seien.

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International agierende Unternehmen wie BP müssen auf solche Situationen vorbereitet sein, denn Anschläge, Geiselnahmen, Entführungen gehören in vielen Ländern zur realistischen Bedrohung der dortigen Bevölkerung und der entsandten Mitarbeiter ausländischer Unternehmen. Vorsorge treffen, Risiko minimieren, das alles fällt unter die „Fürsorgepflichten des Arbeitgebers“. Sie umfassen alles, was für den Schutz des Arbeitnehmers und seiner Sachen notwendig ist. Oft gibt es ganze Abteilungen, die sich nur um die Belange dieser Mitarbeiter kümmern. Dabei ist die To-do-Liste selbst bei normalen Entsendungen lang: medizinische Untersuchungen, Vorbereitungsgespräche, Einreise, steuerliche Fragen, Sicherheitsvorkehrungen, Kommunikation, Logistik und später die Wiedereingliederung in den Betrieb.

Viel umfangreicher allerdings ist das Programm bei Entsendungen in Krisengebiete. Denn das Wichtigste, so heißt es immer wieder, ist eine umfangreiche Vorbereitung. Viele lassen sich dabei von Reisesicherheitsdienstleistern wie International SOS oder Control Risks helfen, die sich auf medizinische und sicherheitstechnische Beratung bei Auslandseinsätzen spezialisiert haben. Diese versprechen, über Kontakte in den Krisengebieten innerhalb weniger Minuten Informationen über die Sicherheitslage vor Ort zu beschaffen. Sie organisieren Evakuierungen und die medizinische Versorgung von Verletzten.

Ruhe im Unternehmen wiederherstellen

Richtlinien müssen erarbeitet, Mitarbeiter geschult werden. Auch ein umfangreicher Krisenplan muss schon vor dem Ernstfall stehen, ebenso wie die Entscheidung, welche Mitarbeiter ad hoc in einen Krisenstab gerufen werden, der schlimmstenfalls über Monate hinweg rund um die Uhr im Einsatz sein muss. „Wichtig ist, dass Entscheidungsträger darin vertreten sind“, sagt Stephan Gabriel, Sicherheitsmanager von International SOS.

Die Handlungsbreite betroffener Konzerne schwankt im Ernstfall zwischen erzwungener Untätigkeit und hektischer Aktivität, um den Mitarbeitern zu zeigen: „Wir kümmern uns.“ Die Entführung selbst kann der Arbeitgeber naturgemäß wenig beeinflussen. Hier entscheiden die regionalen Behörden, die Polizei und notfalls auch das Militär, was zu tun ist. Aber mit den zuständigen Botschaften können sie sich eng abstimmen. Außerdem gelte es, die Ruhe im Unternehmen wiederherzustellen, erläutert Gabriel. Nicht nur die Öffentlichkeit muss informiert werden, auch die Kollegen und nicht zuletzt die Familien wollen wissen, was mit den Mitarbeitern geschehen ist.

Bei der Betreuung der Familienmitglieder hülfen auch oft die Botschaften, berichtet Gabriel. Doch auch davon abgesehen gibt es viel zu tun: Das fängt schon damit an, dass Familienmitglieder beim Eintreffen am Flughafen betreut, in einem Hotel untergebracht und ständig mit Informationen versorgt werden müssen. Auch die Kollegen vor Ort, die der Geiselnahme entronnen sind, müssen speziell betreut werden. Dabei müssen die Unternehmen differenziert reagieren: „Menschen gehen sehr unterschiedlich mit Stress um“, sagt Gabriel. Selbst nach einer Entführung ist die Fürsorgepflicht des Unternehmens noch längst nicht beendet, schließlich können posttraumatische Belastungsstörungen eintreten, die dringend behandelt werden müssen. Besonders auf stille Mitarbeiter ist dabei zu achten: darauf, wie sie sich verändern.

Quelle: F.A.Z.

 
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