26.02.2009 · Angesichts der Wirtschaftskrise fordern Politiker die Unternehmen immer wieder dazu auf, keine Dividenden zu zahlen. Viele große deutsche Konzerne werden ihre Aktionäre jedoch auch in diesem Jahr noch einmal mit einer hohen Ausschüttung belohnen - obwohl sich die Geschäftslage rasch verschlechtert hat.
Von Holger Paul, Manfred Schäfers und Michael PsottaViele große deutsche Konzerne werden ihre Aktionäre auch in diesem Jahr noch einmal mit einer hohen Ausschüttung für ihre Treue belohnen, obwohl sich ihre Geschäftslage in den vergangenen Monaten rasch verschlechtert hat und die Aussichten für 2009 höchst unsicher sind. Nach Schätzung der Landesbank Baden-Württemberg wird die gesamte Dividendensumme aller Konzerne aus dem Deutschen Aktienindex (Dax-30) in diesem Jahr nur um 16,5 Prozent auf knapp 23,38 Milliarden Euro sinken. Für 2007 hatten die Dax-Konzerne die Rekordsumme von 28,1 Milliarden Euro ausgeschüttet.
Die Aufforderung des Bundesfinanzministers Peer Steinbrück, angesichts der Wirtschaftskrise auf Dividenden vollständig zu verzichten, wird in vielen Unternehmen und an den Finanzmärkten abgelehnt. Das sei der blanke Populismus im Wahljahr, erklärte Ulrich Hocker, der Hauptgeschäftsführer der Aktionärsschutzgemeinschaft DSW. An den zum Teil noch sehr guten Geschäftsergebnissen des Jahres 2008 sollten die Anteilseigner auch angemessen beteiligt werden, forderte er.
Auch Hubertus Schmoldt, der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, wandte sich gegen den pauschalen Verzicht auf Dividendenzahlungen. Im Gespräch mit der F.A.Z. sagte er, es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Unternehmen für 2008 eine Dividende bezahle, wenn es im abgelaufenen Jahr gut verdient habe. Schmoldt gab aber zu, dass keineswegs alle Gewerkschaftsmitglieder seiner Ansicht seien. Er habe auch selbst Bauchweh mit seinem Appell, wenn es um Unternehmen gehe, die gerade schmerzhafte Kosteneinsparungen beschlossen hätten.
Verzicht auf Dividende könnte Unternehmen empfindlich treffen
Ein Verzicht auf eine Ausschüttung könnte manche Unternehmen auch an anderer Stelle empfindlich treffen. So will etwa die Deutsche Bank trotz ihres Jahresverlusts von 3,8 Milliarden Euro eine Dividende von 50 Cent je Aktie zahlen, weil daran auch die Bedienung von hybriden Wertpapieren (zum Beispiel Genussscheinen) gekoppelt ist. Ohne Dividende gäbe es auch keine Zinszahlung an die Besitzer dieser Papiere, und das wiederum würde am Kapitalmarkt zu einem erheblichen Reputationsverlust führen, fürchtet man.
Ein anderes Problem entsteht bei Konzernen, die Vorzugsaktien ausgegeben haben. Zahlt ein Unternehmen trotz Gewinns in zwei aufeinanderfolgenden Jahren keine Vorzugsdividende, dann erhalten die Vorzugsaktionäre – bis zur Nachzahlung – Stimmrechte, und ihre Aktien sind bei der Berechnung einer erforderlichen Mehrheit mit zu berücksichtigen, erläuterte Klaus Nieding, Fachanwalt für Kapitalmarktrecht.
Dennoch sollten die Unternehmen jetzt sehr genau überlegen, welchen Anteil des Gewinns sie auszahlen, und wie viel Geld sie für die Aufbesserung ihres Kapitalpolsters benötigen, erklärte der Frankfurter Wirtschaftsprofessor Hans-Joachim Böcking. Schütte ein Konzern zu viel aus, dann könnte das sogar ein Verstoß gegen die gesetzliche Sorgfaltspflicht von Vorständen sein, warnte er. „Gerade in der aktuellen Situation ist es entscheidend, dass die Unternehmen ausreichend Liquidität haben“, sagte Böcking.
Staat soll sich in Ausschüttungen nicht einmischen
Auf gar keinen Fall sollte nun der Staat die Dividendenzahlungen regulieren, warnte Franz-Josef Leven, Direktor am Deutschen Aktieninstitut (DAI). „Das wäre das völlig falsche Signal auch für ausländische Investoren.“ In der Politik stößt die Aufforderung Steinbrücks ebenfalls auf Widerspruch. „Was der Finanzminister sagt, ist populär, aber nicht zu Ende gedacht“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Otto Bernhardt, der F.A.Z. „Wenn wir zu intensive Dividendenempfehlungen aussprechen, leidet die Aktienkultur noch mehr, als sie es jetzt schon durch die Enteignungsdiskussion tut.“
Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Röttgen, ergänzte: „Wenn wir anfangen, das Wohl von Aktionären und deren Renditeinteressen gegen den Erhalt von Arbeitsplätzen auszuspielen, schaden wir allen Beteiligten. Denn ohne Kapital kann nicht investiert werden, und ohne Investitionen gibt es keine Arbeitsplätze“. Das Bundesfinanzministerium teilte auf Nachfrage mit, man plane zum Thema Dividenden keine Initiative.
Am Beispiel BASF zeigt sich allerdings, dass im nächsten Jahr über die Ausschüttungen für 2009 größere Konflikte entstehen könnten. Das liegt an der Standortgarantie für das BASF-Stammwerk in Ludwigshafen, wo sich der Konzern verpflichtet hat, bis Ende 2010 keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen. Auf keinen Fall werde es zu einer Abschwächung dieser Vereinbarung kommen, wenn die BASF für 2009 eine Dividende in annähernder Höhe des Vorjahres ankündige, warnte Schmoldt.
Dividenden
Hans-Jürgen Junge (Junge61C)
- 26.02.2009, 18:54 Uhr
Wer besitzt eigentlich Aktien? Politker wahrscheinlich nicht...
Johnny Weissmueller (johweiss)
- 26.02.2009, 21:10 Uhr
Michael Psotta Jahrgang 1957, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung.
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