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Discount-Marktführer Aldi Die verschwiegenen Optimierungsweltmeister

28.07.2010 ·  Karl Albrecht und sein verstorbener Bruder Theo hatten sich ihr Discount-Geschäft aufgeteilt - in Aldi Süd und Aldi Nord. Viele Spekulationen und Fragen ranken sich seit langem um die Unternehmensgruppe. Sie gibt Rätsel auf, aber der Erfolg ist noch immer da.

Von Carsten Knop
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Die verschwiegenen Aldi-Unternehmen sind die unbekannte Größe im deutschen Einzelhandel. Angesichts der vielen Fragen und Spekulationen, die sich um Aldi Nord und Aldi Süd ranken, ist es kein Wunder, dass es in der Beschreibung und Beurteilung der geschäftlichen Situation zwei unterschiedliche Lager gibt. Die einen sagen, Aldi erstarre in alten Strukturen und sei nicht innovativ genug. Das gelte besonders für Aldi Nord, das Reich des am Samstag verstorbenen Theo Albrecht. Die anderen sagen, Aldi sei noch immer das Nonplusultra unter den Lebensmitteldiscountern, verdiene prächtig, wachse in einem zunehmend gesättigten Markt - und könne die Konkurrenz, zum Beispiel vom finanziell wesentlich schlechter situierten Unternehmen Lidl, locker aushalten.

Von einer Erstarrung könne jedenfalls keine Rede sein. Immer wieder kämen gerade von Aldi Innovationen, was allerdings vor allem für Aldi Süd gelte, also das Unternehmen, das Theos Bruder Karl Albrecht gehört. So oder so: Die Zahlen seien gut, wie gut und wie hoch, das weiß allerdings niemand so genau. Diese Zeitung hat für ihre Beilage „Die hundert größten Unternehmen“ vor einiger Zeit geschätzt, dass der Umsatz von Aldi Süd und Aldi Nord im vergangenen Jahr 49,96 Milliarden Euro erreicht haben könnte; hier ist das In- und Auslandsgeschäft berücksichtigt (siehe Die 100 größten Unternehmen 2010: Im Wirbel der Krise). Die Zahlen blieben von Aldi unwidersprochen.

Aldi Süd wirtschaftet seit der Trennung erfolgreicher

Auf der Basis der Addition der Umsätze der deutschen Regionalgesellschaften ermittelt auch die „Lebensmittelzeitung“ regelmäßig Zahlen für das Deutschlandgeschäft. Hier wird für 2009 ein Wert von 28,9 Milliarden Euro zugrunde gelegt. Branchenkenner gehen davon aus, dass auch die Ertragslage positiv ist - und Aldi jederzeit dazu in die Lage versetzt, Preisattacken des Wettbewerbs nicht nur auszuhalten, sondern auch zu kontern. Insgesamt dürfte der Umsatz der Aldi-Gesellschaften im laufenden Jahr 50 Milliarden Euro überschreiten. Betrieben werden auf der ganzen Welt mehr als 9000 Filialen. Der Grundsatz, preiswerte und gute Ware in Massen ohne große Dekoration zu verkaufen, hat weiter Bestand.

Seit Jahren stehen Karl (23,5 Milliarden Euro) und Theo Albrecht (16,7 Milliarden Euro) in den Listen der reichsten Männer und Frauen im Land mit an der Spitze - auch wenn dies abermals nur Schätzungen sind, so zeigt sich hieran zumindest, dass die Vermutung, Aldi Süd habe in den Jahren seit der Trennung erfolgreicher gewirtschaftet, zutreffend ist. Doch ist es auch nicht so, dass man in einer Aldi-Nord-Filiale heruntergekommenen Läden betritt, die sich erheblich von denen der Süd-Kette unterscheiden. Was bei Aldi Nord passiert, bestimmt im wesentlichen Verwaltungsratsmitglied Hartmuth Wiesemann, der von Theo Albrecht als Generalbevollmächtigter eingesetzt worden ist. Wiesemann ist ein Aldi-Eigengewächs und hat noch nie in einem anderen Unternehmen gearbeitet: Mit 14 Jahren fing er als Lehrling in einer Essener Albrecht-Filiale an. Später studierte er nebenher Betriebswirtschaftslehre. Seit 1982 sitzt er im Verwaltungsrat.

Der Discount-Marktführer arbeitet nach wie vor akribisch

Aldi Süd hat einen Führungswechsel hinter sich. Dort ist vor einiger Zeit Armin Burger ausgeschieden, der in der österreichischen Tochtergesellschaft von Aldi Süd mit dem Namen Hofer erfolgreich gewirkt hatte, an der Spitze der Gruppe die Kultur aber mit zu vielen neuen Ideen wohl überfordert hat - und mit seinen Kollegen im Koordinierungsrat aneinander geriet, also mit Jürgen Kroll und Norbert Podschlapp. Sie lenken Aldi Süd schon seit langer Zeit.

Bei allen Diskussionen über mangelnde Innovationsfähigkeit gilt aber wohl auch: Der Discount-Marktführer bearbeitet nach wie vor akribisch die gesamte Palette möglicher Optimierungen. Da geht es um so profane Dinge wie Energieeffizienz, Ladenarchitektur, Ladenbau, logistische Vereinfachung, Kassentechnik, neue Sortimente und neue Dienstleistungen – und da macht den Aldis und ihren Fremdmanagern an der Unternehmensführung nach allgemeiner Branchenmeinung noch immer keiner etwas vor.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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