24.01.2010 · Über denen, die im finstren Tal wandern, scheint ein heller Apfel. Der Computer- und Elektronikkonzern Apple hat jetzt in Frankfurt seinen größten Laden in Deutschland eröffnet.
Von Carsten KnopWenn die Augen glänzen, sind kalte Füße gleichgültig. Aber wie steht man zu einer Marke, wenn man bereit ist, nachts, früh am Morgen, bis kurz vor Mittag stundenlang in Eiseskälte in ein leeres, noch nie zuvor von einem Kunden besuchtes Geschäft zu blicken, über dem ein weißer Apfel prangt? Wie fühlt man sich, wenn man nach zehn Stunden des Wartens endlich von einem Spalier jubelnder Mitarbeiter begrüßt wird? Keine Frage: es ist ein Willkommen mit Ausrufezeichen, wobei die Betonung auf dem Ausrufezeichen liegt, schließlich geht es um Konsum. Aber auch auf die Fragen gibt es eine Antwort: Das Warten, schließlich der Eintritt, hat etwas Sakrales. Herr, es ist Zeit! Unternehmenschef Steve Jobs und die Seinen haben entschieden, ein Haus zu bauen. Dieses Mal steht es in Frankfurt.
Keine Anzeige hat auf den Tag der Eröffnung hingewiesen. Auch Sonderangebote gibt es keine. Die Läden gibt es auf der Welt schon an 283 anderen Stellen. Und das schon seit dem Jahr 2001. Nichts wirklich Neues also. Und doch stehen kurz vor der Eröffnung am Samstag um 11 Uhr Hunderte Menschen in einer Reihe innerhalb von Absperrgittern und wollen hinein. Dabei sehen sie überall, in zehn Ländern dieser Erde, fast gleich aus, diese Läden. In Amerika wird sogar schon über ein neues Design für die Verkaufsgeschäfte nachgedacht, in denen Apple seine Produkte ohne weiteren Zwischenhändler direkt an die Kunden vertreibt.
Größer Apple-Laden in Deutschland
Georg Albrecht, der deutsche Pressesprecher, hat davon auch schon gehört. Mehr aber auch nicht. So ist das bei Apple: Vor der nächsten Predigt von Jobs hört man lange von der Botschaft. Und irgendwann ist es so weit. Dann kommt ein neues Produkt auf den Markt. Oder in der Umgebung eröffnet ein „Apple Store“. Dann kommen sie, ein jeglicher aus seiner Stadt. In Frankfurt kommt der erste Kunde immerhin aus dem nicht eben nahen Montabaur. Er ist 18 Jahre alt. Die Produkte des Hauses hat er schon. Natürlich auch ein iPhone. Kaufen will er höchstens eine Tasche für dieses Mobiltelefon. Dafür hätte er nicht so früh aufstehen müssen. Aber wann jemals wird er wieder die Chance haben, mit seinem Namen überall dort vermerkt zu werden, wo an diesem Tag über die Eröffnung des dritten Ladens dieser Art in Deutschland berichtet wird?
Frankfurt folgt auf München und Hamburg, aber es ist der größte Laden, den die Amerikaner in Deutschland bisher gebaut haben, wie immer an einer ersten Adresse, der sogenannten Freßgass’ in Frankfurt, zwischen Alter Oper und Zeil gelegen, an einer Straße, die auf den Stadtplänen eigentlich Große Bockenheimer Straße heißt. Das steht auch auf den 2000 schwarzen T-Shirts, die die ersten Besucher geschenkt bekommen: „Große Bockenheimer Straße“, dann das Firmenlogo und hinten am Nacken, wie auf jedem Produkt von Apple der Aufdruck: „Designed by Apple in California“.
Der Blumenhändler von nebenan räumt derweil seine von den Menschenmassen gefährdete Auslage weg: Was ist hier bloß los? Dabei kommt Jobs, der Mann, der die Marke in den vergangenen zehn Jahren zu einem Massenphänomen gemacht hat, zu solchen Eröffnungen längst nicht mehr selbst. Seine Strahlkraft überträgt sich auch so auf seine Emissäre, in diesem Fall auf den für das internationale Einzelhandelsgeschäft zuständigen Manager Steve Cano, dessen amerikanische Begeisterungsfähigkeit nur auf denjenigen befremdlich wirkt, der glaubt, über das Phänomen Apple werde seit Jahren viel zu viel berichtet.
Solche Kritiker haben einerseits recht. Andererseits: Gibt es in der Familie nicht doch längst jemanden, der einen digitalen Musikspieler mit dem Namen iPod benutzt? Wer hätte nicht gern ein iPhone oder gibt damit an, schon eines zu haben? Und diejenigen, die über Apple berichten, haben seit Wochen ohnehin nur noch ein Thema: Was wird Jobs in der dieser Woche auf einer Veranstaltung in San Francisco ankündigen, wo die „neueste Schöpfung“ des Hauses gezeigt werden soll? Der Pressesprecher weiß von nichts. Warten wir also wieder. Verkündigt wird gewiss große Freude.
"Keine Anzeige hat auf den Tag der Eröffnung hingewiesen."
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Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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