Home
http://www.faz.net/-gqi-7mzlt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Digitale Exzellenz

Digitalisierung Volvo macht das Auto zur rollenden Paketstation

Durch die Vernetzung von Autos mit dem Internet ergeben sich ganz neue Möglichkeiten: Der schwedische Autohersteller Volvo will Pakete künftig direkt ins Auto liefern - mit Hilfe digitaler Schlüssel.

© obs Vergrößern Fahrende Empfänger: Eine Lieferantin sucht die Autos der Besteller.

Fast jeder kennt das Problem: Man bestellt etwas im Internet, kommt nach der Arbeit nach Hause, und im Briefkasten steckt eine Notiz, die dazu auffordert das Paket an der nächstgelegenen Poststation abzuholen. Denn der Briefträger hat zu Hause niemanden angetroffen, dem er die Sendung hätte in die Hand drücken können. Mit dieser Unannehmlichkeit will jetzt der schwedische Autohersteller Volvo aufräumen. Die zum chinesischen Autokonzern Geely gehörende Marke demonstriert mit Lieferungen direkt ins Auto die Möglichkeiten, die sich durch die Vernetzung von Autos mit dem Internet ergeben. Nach Angaben von Volvo haben 60 Prozent aller Menschen Zustellprobleme beim Online-Shopping.

Zunächst nicht zustellbare Erstlieferungen kosten die Industrie angeblich ungefähr 1 Milliarde Euro für die abermalige Zustellung. Das soll sich nun ändern. Denn dank digitaler Schlüssel können nun im Fahrzeug Pakete abgegeben und abgeholt werden. Volvo präsentiert einen Zustellservice, bei dem im Internet bestellte Waren direkt in das eigene Auto geliefert werden – ganz gleich, wo der Besteller sich gerade befindet. Dazu wird ein digitaler Schlüssel erstellt. Wenn dann der Lieferdienst Waren zustellen möchte, wird der Nutzer per Smartphone – basierend auf Telematik-App Volvo On Call – benachrichtigt. Mit der Annahme der Lieferung gibt der Nutzer den digitalen Schlüssel für den Boten frei und kann nachverfolgen, wann das Auto vom Zusteller geöffnet und wieder abgeschlossen wird. Nach der Zustellung erlischt der digitale Schlüssel.

Die nächste Generation von Käufern gewinnen

Ein weiteres Beispiel für die fortschreitende Digitalisierung der Automobilwelt ist das neue Kompaktwagenmodell des Ford-Konzerns. Der Ford Focus, den das Unternehmen schon vor der Automesse in Genf auf der Mobilfunkmesse in Barcelona gezeigt hat, überrascht mit einer verringerten Anzahl von Knöpfen und Schaltern im Cockpit – dafür soll die Bordelektronik besser Sprachbefehle erkennen. Das Informations- und Unterhaltungssystem läuft als erstes in Europa mit der neuen Software Sync 2. Der Computer soll seine Nutzer besser verstehen: So genüge es „Ich habe Hunger“ zu sagen, damit eine Liste von Restaurants in der Nähe angezeigt werde.

Genauso soll zum Beispiel auch die Temperatur der Klimaanlage per Sprachkommando verändert werden können. Angeblich will Ford die nächste Sync-Version auf Basis des QNX-Betriebssystems entwickeln und nicht mehr mit der Windows-Software des bisherigen Partners Microsoft. QNX gehört inzwischen zum angeschlagenen Smartphone-Pionier Blackberry und ist eine seiner großen Hoffnungen für die Zukunft.

Mehr zum Thema

Für die Autokonzerne ist die Digitalisierung ihrer Fahrzeuge ein Schlüsseltrend: „Die Generation der Digital Natives verlangt, ihren digitalen Lifestyle auf das Auto übertragen zu können“, sagt Carsten Kahner, Partner der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Für alle Hersteller sei diese Kundengruppe entscheidend, um die Marken zu verjüngen und die nächste Generation von Käufern oder Nutzern zu gewinnen. Angesichts des Durchschnittsalters der Neuwagenkäufer von mehr als fünfzig Jahren scheint das auch bitter nötig.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Internet-Kriminalität Black-out im Cyberkrieg

Hacker räumen Bankkonten leer, stehlen Daten und freuen sich auf vernetzte Produkte im Internet der Dinge. Geheimdienste sind nicht besser. Und die Quantencomputer kommen erst noch. Mehr Von Carsten Knop

21.02.2015, 16:25 Uhr | Wirtschaft
Hongkong Demonstranten vernetzen sich auch ohne Internet

Um Internetsperren zu umgehen nutzen Demonstranten in Hongkong mittlerweile massenhaft FireChat, eine Nachrichtenanwendung für Smartphones, die ohne Internet funktioniert. Mehr

02.10.2014, 16:23 Uhr | Politik
Geknackte SIM-Karten Jedes Mittel ist recht

Zunehmend geraten Internet-Sicherheitsfirmen ins Visier der Geheimdienste. Der neueste Angriff von NSA und GCHQ zielt auf die Hersteller von SIM-Karten, betroffen ist auch ein deutsches Unternehmen. Die Bundesregierung schweigt. Mehr Von Constanze Kurz

23.02.2015, 22:23 Uhr | Feuilleton
Internet Googles Vision von der totalen Vernetzung

Aktienkurse, Katzenvideos, Nachrichten: Wer im Internet sucht, der findet - und das meist mithilfe der Suchmaschine Google. Doch der Technologiekonzern will längst mehr sein: Das Internetunternehmen hat sich selbst zum Weltverbesserer erklärt. Und schraubt schon heute an einem komplett vernetzten Morgen Mehr

14.02.2015, 13:44 Uhr | Wirtschaft
Offline Banking Bankkunden wollen Filialen - aber nicht dafür zahlen

Nur wenige Mausklicks entfernt - die Mehrheit nutzt das Internet für alltägliche Geschäfte. Dennoch ist die Nähe zur Filiale noch immer ausschlaggebend für die Wahl der Hausbank. Mehr Von Markus Frühauf

27.02.2015, 08:38 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Aktualisiert: 03.03.2014, 18:01 Uhr

Im geldpolitischen Labor

Von Gerald Braunberger

Ein Paradebeispiel für die Dilemmas moderner Geldpolitik kann man derzeit in Schweden besichtigen. Das Land ist reich, aber war mehrfach anfällig für Spekulationsblasen. Mehr 1 4


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Hauptverdiener Mann

Bei den meisten Paaren in Deutschland sind die Männer nach wie vor die Hauptverdiener. Das ändert sich nur langsam. Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden