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Digitalisierung in Deutschland : Mehr als Glasfaserkabel und Flugtaxis

Verkehr der (fernen) Zukunft: Eine Animation des Autoherstellers Daimler Bild: dpa

Dorothee Bär erntet für einen Auftritt im Fernsehen Spott unter Internetnutzern. Dabei hat sie ein Kernproblem getroffen. Und übrigens braucht niemand nur auf den Staat zu warten, um sich für die Digitalisierung zu rüsten. Ein Kommentar.

          Sie hat „Flugtaxi“ gesagt. Nach ihrem Interview mit dem „Heute Journal“ witzeln sie in den sozialen Medien über Dorothee Bärs Auftritt im Fernsehen gestern Abend. Sie hat dort, angesprochen auf den schleppenden Ausbau schneller Internetverbindungen in Deutschland, gesagt, dass das Thema Digitalisierung nicht darauf reduziert werden dürfe.

          Stattdessen warb sie dafür, darüber hinaus zu denken und nannte dann als Beispiele technische Infrastrukturen für selbstfahrende Autos – und eben Flugtaxis. Unter dem Hashtag #Flugtaxi haben Nutzer auf Twitter eine Szene aus einer Pippi-Langstrumpf-Episode eingestellt, in der Pippi in die Pedale tritt und eine selbstgebaute Flugmaschine mit bloßer Körperkraft antreibt. „Die ist verdammt gerissen. Erst die PKW Maut durchboxen, und dann bauen wollen um keine bezahlen zu müssen“, steht in einem anderen Tweet

          Kabel alleine reichen nicht

          Vielleicht war es von Bär, die sich als Staatsministerin im Kanzleramt künftig um das Thema Digitalisierung kümmern soll, wirklich eine unglückliche Formulierung – von dem akuten und sehr konkreten Glasfaser-Problem überzuleiten zu einer Technologie, die nicht zeitnah etabliert sein wird und schon gar nicht für die breite Masse und überall. Allerdings hat sie durchaus einen wichtigen Punkt und den auch ziemlich deutlich gemacht: Digitalisierung ist mehr, als ganz Deutschland an Glasfaserkabel anzuschließen (wofür Bär übrigens gar nicht zuständig ist). Natürlich ist das wichtig. Natürlich ist es ein großes Versäumnis, dass dies nicht längst geschehen ist. Denn neue Technik kann nur von allen verwendet werden, wenn auch alle Zugang haben.

          Aber das alleine reicht eben nicht. Und es schadet sicher nicht, wenn eine nun hoch positionierte Politikerin darauf hinweist.

          Internetsicherheit gehört dazu

          Alle Branchen werden sich in den kommenden Jahren verändern (oder tun dies bereits): durch schnellere Rechner, größere verfügbare Datenmengen, schlauere Computerprogramme. Das gilt für Konzerne wie für Mittelständler. Industrie 4.0 ist ein Stichwort, aber das Thema wird genauso Dienstleister treffen.

          Gerade die Gesundheitsbranche hat hier beispielsweise ein großes Potential, worauf Bär in einem anderen Interview hinwies – wachsende Datenmengen werden viel frühere Diagnosen ermöglichen und andere Therapien, Medizin und Ernährung über die Zeit sich vermutlich noch viel stärker einander annähern. Internetsicherheit ist ein weiteres zentrales Thema für die private Wirtschaft wie für die öffentliche Verwaltung, schnelle Internetverbindungen hin oder her. Andere Staaten sind da längst weiter als Deutschland.

          In Schulen darf das Thema ebenfalls gerne einen größeren Raum bekommen, auch schon in der Grundschule – und zwar nicht zusätzlich zum bisherigen Pensum, sondern am besten anstellte anderer Inhalte, die dann wegfallen. Das geht. Zu neuer Technologie gehören mündige Menschen, die sie souverän einsetzen können. Das will und kann gelernt sein.

          Jeder Einzelne kann viel tun

          Der Staat kann Digitalisierungs-„Vorreiter“ sein, wie Bär das fordert. Er muss es aber auch nicht unbedingt. Jeder Einzelne kann mittlerweile eine ganze Menge tun, ganz unabhängig von staatlich organisierten Angeboten. Für Berufstätige oder Studenten gibt es im Internet zahlreiche, teils sogar kostenlose Angebote (Udacity und Coursera heißen zwei Anbieter, Google hat gerade einen Grundkurs für Maschinelles Lernen frei verfügbar gemacht, mit dem das Unternehmen Tausende eigene Mitarbeiter weitergebildet hat). Eltern können ihre Kinder im Umgang mit Technologie ebenfalls schon früh anleiten und begleiten (ein paar Tipps haben wir hier zusammengestellt).

          Dazu gehört wiederum auch, sich kritisch mit Technik auseinanderzusetzen, zum Beispiel den Unterschied klarzumachen zwischen aktiver Nutzung und passivem Konsum. Und ein gesundes Verhältnis zwischen beidem. „Es ist ein Irrglaube, dass alle Kinder, die sich für Computer interessieren, dick und faul werden. Quatsch! Man kann auf Bäume klettern und trotzdem eine Programmiersprache können!“, sagte Frau Bär. Auch das ist sehr zugespitzt – aber richtig.

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