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Veröffentlicht: 01.03.2013, 16:50 Uhr

Digitales Lesen Der Buchhandel bietet Amazon die Stirn

Club Bertelsmann, Weltbild samt Hugendubel und Thalia haben sich mit der Telekom verbündet. Auf der gemeinsamen Plattform Tolino bieten die Buchhändler 300.000 E-Books über ein internetfähiges Lesegerät an.

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© AFP Deutsche Buchhändler und die Telekom bieten nun eine Alternative zum E-Reader „Kindle“ von Amazon

Die größten deutschen Buchhandlungen, Thalia (Douglas-Konzern), Weltbild, Hugendubel und der Club Bertelsmann, bieten gemeinsam mit der Deutschen Telekom eine Alternative zum elektronischen Buchlesegerät Kindle von Amazon. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz wurde in Berlin das Lesegerät „Tolino“ präsentiert. Das in Ostasien gebaute Gerät kommt am 7. März in den Handel. Damit erhält der Kunde ein Lesegerät, auf dem er Bücher von verschiedensten Anbietern direkt runterladen (ohne Zwischenschaltung eines PC) und lesen kann.

Georg Giersberg Folgen:

Das neue Lesegerät sei technisch nicht nur gleichwertig zum Amazon-Kindle, sondern in einigen Details besser. Ein großer Vorteil sei, dass man nicht an einen bestimmten Händler gebunden sei. „Das ist ein Meilenstein im deutschen Buchhandel, auf den wir lange hingearbeitet haben. Jetzt haben wir ein offenes System für die gesamte Branche und ein kundenfreundliches dazu“, kommentiert Carel Halff, Vorsitzender der Weltbild-Geschäftsführung. Offen heißt, dass alle Händler aufgerufen sind, sich daran zu beteiligen. Zentral ist nur die Technik.

Bücher in der Cloud

Die Deutsche Telekom ist der technische Partner des Vorhabens; sie entwickelt das System, stellt die Cloud als Speicherplatz und den Internetzugang bereit. Auch die gekauften Inhalte werden in der Telekom-Cloud kostenlos dauerhaft gespeichert, versichert die Telekom. „Das elektronische Bücherregal ist damit lebenslang nutzbar“, sagt Halff. Selbst wenn das Lesegerät verlorengehen sollte oder zerstört werde, habe man weiterhin Zugriff auf seine Bücher.

Wegen des direkten Internetzugangs kann der Kunde entweder über die WLAN-Verbindung von zu Hause aus oder über einen der 11 000 kostenfrei nutzbaren Hotspots (Offener Zugang ins Internet-Netz) der Telekom oder in den etwa 1500 Filialen der Partnerunternehmen Bücher aus dem Internet runterladen. „Mit dieser Kooperation aus Technologie und Buchhandel brechen wir zu völlig neuen Ufern auf“, hebt Michael Busch hervor, Vorsitzender der Geschäftsführung der Thalia Holding.

Wettbewerb auch auf gemeinsamer Plattform

Alle Händler werden auf dem System Tolino über eigene Shops ihre Bücher anbieten. Die Händler bleiben Wettbewerber. Man hat also auf dem Gerät Zugang zu verschiedenen Lieferanten elektronischer Bücher mit der Möglichkeit, Preise und Angebote zu vergleichen. Das ist auch aus kartellrechtlichen Gründen wichtig.

Es kann daher sein, dass der Verbraucher auf dem Tolino ein elektronisches Buch von den verschiedenen Partnern zu unterschiedlichen Preisen angeboten bekommt. Da sich die größten deutschen Buchhändler auf die gemeinsame Plattform einigen konnten, stehen vom Start weg 300 000 verschiedene Titel als elektronische Bücher zum Runterladen zur Verfügung.

„Echte Alternative zum Kindle von Amazon“

“Für Weltbild ist die Digitalisierung eine der größten Chancen in der Unternehmensgeschichte“, sagt Halff. Man habe jetzt eine Plattform, mit der man eine echte Alternative zum Kindle von Amazon biete. „Die Zukunft der deutschen Buchbranche soll auch weiterhin bei uns liegen und nicht in den Händen börsennotierter amerikanischer Konzerne“, betont Halff.

Zwar wurde kein Preis für das neue Gerät genannt; der wird auch von jedem Anbieter selbst festgelegt. Es werde aber einen attraktiven Einführungspreis geben, hieß es.

Das Gerät mit einem 6-Zoll-Bildschirm hat eine blendfreie integrierte Beleuchtung und kann über Berührung (Touchscreen) bedient werden. Der Akku habe eine Speicherkapazität von bis zu 7 Wochen, der Gerätespeicher reiche für bis zu 2000 Bücher.

Umsatz mit elektronischen Büchern noch gering

Damit nimmt der deutsche Buchhandel den Kampf um das elektronische Buch auf. Zwar ist der Umsatz mit elektronischen Büchern noch immer gering. Weltbild (der Gruppenumsatz betrug 2011/12 rund 1,6 Milliarden Euro) nimmt für sich eine Vorreiterrolle in Anspruch. Zwar würden derzeit auch hier erst 4 Prozent aller Bücher als digitale Version abgesetzt, aber von den im Internet bestellten Büchern seien es schon mehr als 10 Prozent, jeweils mit stark steigender Tendenz.

Nach den neuesten Zahlen der GfK sind im Jahr 2012 für 100 Millionen Euro E-Books in Deutschland verkauft worden. Daran hatte Amazon einen Marktanteil von 46 Prozent. Es folgten (Anteile für das vierte Quartal) Weltbild mit 15 Prozent, Thalia mit 12 und ebook (Libri) mit 10 Prozent.

Im Verkauf kämpft der stationäre Buchhandel an zwei Fronten. Zum einen wandert ihm Umsatz ab, weil gedruckte Bücher im Internet bestellt werden statt im Laden. Zum zweiten geht traditioneller Umsatz verloren, weil immer mehr Kunden Bücher direkt aus dem Internet digital runterladen.

Stationärer Handel hat gute Chancen

Fachleute gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren viele Buchhandlungen schließen werden. Allerdings muss der stationäre Handel beide Entwicklungen nicht fatalistisch hinnehmen.

Vor allem der Internetumsatz mit gedruckten Werken muss dem stationären Handel nicht verlorengehen. Das Buch ist die drittstärkste Warengruppe im Internet nach Bekleidung und Unterhaltungselektronik.

Derzeit setzen Online-Händler 2,2 Milliarden Euro mit Büchern um, 90 Prozent davon noch in gedruckter Form. Der Bundesverband des deutschen Versandhandels sieht gute Chancen für die sogenannte Multi- oder Cross-Channel-Politik. Dazu gehört vor allem, dass man elektronisch bestellte Bücher im stationären Geschäft abholt.

Mehr zum Thema

Der stark mittelständisch geprägte Buchhandel könne aber auch am Verkauf elektronischer Bücher partizipieren, sagt Halff. Er müsse eben einen Shop auf der Tolino-Plattform eröffnen.

Es gebe bereits viele Anfragen weiterer Händler, vor allem größerer Buchhändler. Bevor man sich jedem kleinen Buchhändler öffne, bedürfe es weiterer Gespräche mit dem Branchenverband Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der ein eigenes Lesegerät vertreibt.

Quelle: F.A.Z.

 

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