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Digitale Dörfer : Nachbarschaftshilfe für das 21. Jahrhundert

Eine Hand hilft der anderen: In der digitalen Welt können Dörfer wieder enger zusammenwachsen. Bild: Stefan Boness/Ipon

Zwei Gemeinden in Rheinland-Pfalz werden digital. Ein Logistiksystem in Selbsthilfe wird aufgebaut. Es soll das Land lebenswert halten.

          Die ersten „Digitalen Dörfer“ Deutschlands stehen fest. Es handelt sich um die Gemeinden Eisenberg/Göllheim in der Nähe von Kaiserslautern sowie Betzdorf im Norden von Rheinland Pfalz in der Nähe von Siegen. Dort wird das Fraunhofer-Institut IESE aus Karlsruhe mit Unterstützung des Landes ein entsprechendes Modellprojekt umsetzen, das als Innovationsplattform für Forschung und Industrie auch ländliche Regionen mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologie in der Zukunft lebenswert halten soll.

          Carsten Knop

          verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen.

          In beiden Testregionen wird zunächst ein Logistiksystem zum Mitmachen aufgebaut werden, das den Transport von Waren und Gütern durch ehrenamtliche Helfer organisiert. Digitale Technologien sollen, wenn man so will, die traditionelle Nachbarschaftshilfe in das 21. Jahrhundert begleiten. Entstehen soll so etwas wie ein digitaler Dorfladen. Für die beteiligten Einzelhändler an Ort und Stelle wurde in Betzdorf schon ein Workshop organisiert, der Projektfortschritt lässt sich jederzeit auf dem Blog unter der Internetadresse „digitale-doerfer.de“ verfolgen.

          Die „Digitalen Dörfer“ sind ein Teilprojekt eines weiter gefassten Forschungs- und Entwicklungsvorhabens mit dem Namen „Smart Rural Areas“ (Intelligenter ländlicher Raum). Zwei Testphasen sollen den Nachweis erbringen, dass die intelligente Vernetzung aller zur Verfügung stehenden Digitalmodule ein funktionierendes Liefersystem auch auf dem Land möglich macht - wenn die entsprechenden Kommunikationssysteme und vor allem Mobilfunknetze zur Verfügung stehen.

          „Die Herausforderung stellt aber nicht nur der Breitbandausbau dar: Perspektivisch müssen bestehende Systeme intelligent ineinandergreifen und aufeinander abgestimmt funktionieren“, sagte Peter Liggesmeyer, der geschäftsführende Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE), der F.A.Z.

          „Smart Rural Areas“

          Der Bedarf sei riesig: „Nach der Klassifikation der EU lebt in Deutschland nur ein Drittel der Einwohner städtisch. Der Großteil der Bevölkerung lebt in halbstädtischen und dünn besiedelten Regionen“, sagte Liggesmeyer. Gerade einmal die Hälfte der Deutschen lebe in Gemeinden mit mehr als 20 000 Einwohnern. „Was wäre also Deutschland ohne das Land?“ Hinzu komme: Schon heute finde man 60 Prozent der Betriebe in ländlichen Regionen Deutschlands, darunter viele kleine und mittelständische Unternehmen.

          Deshalb habe das Fraunhofer IESE einen Forschungsschwerpunkt auf „Smart Rural Areas“ gelegt, als Ergänzung zu dem nach der Meinung von Liggesmeyer bislang viel zu wenig erforschten Bereich des Lebens der Zukunft in ländlichen Regionen: „Durch eine intelligente Infrastruktur beispielsweise bei Versorgung und Mobilität wollen wir eine zeitgemäße Lebensqualität auf dem Land ermöglichen. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass sich Menschen, die derzeit gezwungenermaßen ihre Zukunft in der Stadt sehen, eine neue Perspektive in kleineren Städten oder auf dem Land eröffnet.“

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