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Vorwerk : Dieser 600-Euro-Teekocher soll den Thermomix-Hersteller retten

Guter Geschmack ist teuer: Vorwerk setzt auf eine hochpreisige Teemaschine. Bild: Vorwerk

Der große Wirbel um das Küchengerät scheint vorüber zu sein. Deshalb entdeckt der Hersteller Vorwerk jetzt die traditionelle Teekultur.

          Bedient das Wuppertaler Familienunternehmen Vorwerk mit seiner Küchenmaschine Thermomix bisher das populäre Thema Kochen, so wendet es sich mit seiner neuesten Produktentwicklung an die Gemeinde der Teetrinker. Kern des am Mittwoch am Stammsitz vorgestellten neuen Geschäftsfeldes ist ein Teegerät, das durch die Zubereitung des Getränks Geschmackserlebnisse liefern soll wie bei einer klassischen chinesischen Teezeremonie. Die Idee zu dem neuen Geschäftsfeld namens Temial ist in einem internen Management-Entwicklungsprogramm entstanden und als gesondertes Start-up im Unternehmen weiterentwickelt worden.

          Brigitte  Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Der Kaffeemarkt sei inzwischen stark ausdifferenziert, deshalb habe man sich den Teemarkt angeschaut, so die Initiatoren. Das Produkt soll vom Spätsommer an zunächst am deutschen und dem chinesischen Markt an der Start gehen. Dabei umfasst das mindestens 600 Euro teure System nicht nur das eigentliche Gerät. Angeboten werden auch zehn verschiedene Biotee-Sorten sowie Zubehör wie Teeschalen. Zwar können grundsätzlich alle losen Tees verwendet werden. Eine für die jeweilige Sorte präzise Zubereitung dank Scanner und App ist aber nur bei den Temial-Tees möglich, wird betont. Denn auf deren Verpackungen befindet sich der entsprechende Code.

          Umsatz deutlich zurückgegangen

          Die Digitalisierung der Geräte steht bei Vorwerk seit einigen Jahren im Zentrum der Strategie. So wird beim Thermomix inzwischen das Gros der Geräte mit dem 2016 lancierten sogenannten Cook-Key verkauft, einem Zubehör, mit dem über W-Lan Rezepte und Kochanleitungen aus dem Rezeptportal Cookidoo auf das Display geladen werden können. Der Saugroboter der Vorwerk-Marke Kobold kann über den Amazon-Sprachassistenten Alexa gesteuert werden. Ihn mit einer Kamera auszustatten, um aus der Ferne über das Smartphone das Geschehen zu Hause zu beobachten, ist für den persönlich haftenden Gesellschafter Rainer Genes eine Option für die Zukunft.

          Hatte die 2014 erfolgte Einführung des neuen Gerätetyps mit Touchscreen und elektronischer Kochanleitung einen regelrechten Hype um den Thermomix ausgelöst, so verzeichnete Vorwerk in dieser größten Geschäftssäule im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatzrückgang von 13 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Im wichtigsten Markt Deutschland fiel der Umsatz angesichts neuer Konkurrenzprodukte sogar um 22 Prozent zurück. Wie der persönlich haftende Gesellschafter Reiner Strecker erläuterte, hing ein Teil des Rückgangs damit zusammen, dass viele Kundenbestellungen aus dem Jahr 2015 aus Kapazitätsgründen erst im Folgejahr ausgeliefert werden konnten, 2016 also von einem Sondereffekt geprägt war. In diesem Jahr wird wieder mit einer moderat positiven Entwicklung gerechnet. Dazu beitragen sollen vor allem die neuen Absatzmärkte China und Vereinigte Staaten sowie der Ausbau der Verkaufstruppe.

          Insgesamt ging der Umsatz 2017 um 5 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zurück. Wichtigste Umsatzträger sind neben Thermomix die Kobold-Reinigungsgeräte sowie die Direktvertriebs-Kosmetikmarke Jafra. Das operative Ergebnis habe unter anderem wegen der nicht erreichten Absatzziele signifikant unter dem Vorjahr gelegen, heißt es im Geschäftsbericht. Genaue Ertragszahlen nennt das Unternehmen nicht. Es verweist aber auf eine Eigenkapitalquote von annähernd 60 Prozent und liquide Mittel von nahezu 1,2 Milliarden Euro.

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