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Dienstleistungen Berater haben wieder Oberwasser

25.05.2006 ·  In der Beraterzunft dürfte die Stimmung wieder steigen. Nach einer Durststrecke ist sie wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Stärker noch als der Umsatz wuchs die Zahl der Beschäftigten, mancher spricht schon von knappem Nachwuchs.

Von Ralf Nöcker
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In der Beraterzunft dürfte die Stimmung wieder steigen. Nach einer für die Branche höchst ungewohnten Durststrecke ist sie nun wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Die nach Inlandsumsätzen größten Unternehmen der Management- und Strategieberatung haben im vergangenen Jahr um 7,3 Prozent zugelegt. Das geht aus der aktuellen Lünendonk-Liste der 25 umsatzstärksten Unternehmensberatungen hervor.

20 Beratungsunternehmen haben ihre Inlandserlöse 2005 gesteigert, lediglich fünf Berater verzeichneten einen Umsatzrückgang gegenüber 2004. Das Umsatzplus fiel allerdings geringer aus als im vergangenen Jahr (8,7 Prozent) und auch als Anfang 2005 prognostiziert wurde. Damals hatten die betrachteten Beratungen mit 10 Prozent höheren Erlösen gerechnet. Für das laufende Jahr erwarten die Beratungen durchschnittlich 8 Prozent Umsatzwachstum. "Angesichts des hohen Drucks auf die Tagessätze der Berater ist das Wachstum der Beratungen schon beachtlich", sagt Thomas Lünendonk, der Hauptautor der Liste.

Ein Markt von 14.000 Unternehmen

Die Top 25 der Liste repräsentieren rund 30 Prozent des deutschen Gesamtmarktes, allein auf die ersten zehn entfällt nahezu ein Viertel des Gesamtvolumens. Insgesamt tummeln sich auf diesem Markt nach Schätzungen des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) rund 14.000 Unternehmen. Das Gesamtvolumen des Marktes für Strategie- und Managementberatung beziffert der BDU mit derzeit rund 9,9 Milliarden Euro.

Aufnahme in die berühmte Liste finden diejenigen 25 Beratungshäuser, die in Deutschland im vergangenen Jahr die höchsten Umsätze erzielt und diese zu mindestens 60 Prozent mit klassischer Management- und Strategieberatung erwirtschaftet haben. Dazu zählen etwa Themen wie Strategie, Organisation, Führung, Logistik und Marketing. Unternehmen wie IBM Global Services, Accenture oder Bearing Point erfüllen diese Kriterien nicht und finden sich deshalb auch nicht auf der Liste. Ihr Schwerpunkt liegt auf IT- und Systemintegration, der Anteil der Managementberatung beträgt hier laut Lünendonk zwischen 10 und 20 Prozent. "Allerdings werden diese Firmen immer mehr zu ernsthaften Konkurrenten für die Strategieberater", betont Lünendonk.

Höhere Transparenz für deutschen Markt

Der Fokus auf die Deutschland-Umsätze stellt in der Methodik der Liste eine Neuerung gegenüber den Vorjahren dar. Bisher basierte die Liste auf den Umsätzen der Beratungen in Deutschland und aus Deutschland heraus. Die Auslandsumsätze der Unternehmen, die ihren Hauptsitz hierzulande haben, werden nun bei der Rangliste herausgerechnet. Die neue Struktur sorge für höhere Transparenz und bessere Vergleichbarkeit der Beratungen, was ihre Position im deutschen Markt anbetrifft, erklärt Lünendonk: "Es wird nun tatsächlich das deutsche Marktvolumen abgebildet."

Die Neuausrichtung der Liste führt allerdings dazu, daß einige Beratungen sich in der Rangliste einige Plätze weiter unten finden. Dies betrifft gerade solche Unternehmen, die durch Präsenz im Ausland ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit demonstrieren. Dazu zählen beispielsweise Simon, Kucher & Partner, die Horvath AG sowie die Düsseldorfer Management Engineers. Ganz ausgeschieden aus dem Kreis der größten 25 Beratungen ist Celerant Consulting, im vergangenen Jahr mit einem Umsatzplus von mehr als 20 Prozent noch einer der Aufsteiger in der Liste. Das Unternehmen verlor beträchtlich an Umsatz: Nach 24,6 Millionen Euro Inlandserlösen im Jahr 2004 kamen im vergangenen Jahr nur noch 14,9 Millionen Euro zusammen. Ebenfalls nicht mehr dabei ist die Frankfurter Tell Sell Consulting. Hier ging der Inlandsumsatz von 17,2 auf 16,5 Millionen Euro zurück.

Die kleinen Spezialisten wachsen am stärksten

In bezug auf die besonders wachstumsstarken Beratungshäuser bestätigte sich 2005 eine Entwicklung, die aus den Vorjahren bereits bekannt ist: Die kleinen, spezialisierten Beratungen wachsen am stärksten. Dazu zählen etwa die auf Risikomanagement spezialisierte D-Fine (plus 25 Prozent), RWE Systems Consulting (18,1 Prozent), die Preisspezialisten Simon, Kucher & Partner (17,2 Prozent) oder die Controllingexperten von Horvath (plus 15,4 Prozent).

Einige Beratungen sind dank Übernahmen in der Rangliste geklettert. So hat die auf Personal- und Vergütungsthemen spezialisierte Beratung Towers Perrin vier Plätze gutgemacht, was unter anderem auf die Übernahme der auf Fragen der betrieblichen Altersvorsorge spezialisierten Rauser AG zurückzuführen ist. Auch Mercer Consulting sowie Mummert Consulting haben aufgrund von Zukäufen Plätze gutgemacht. Mummert war Anfang 2005 von der französischen Groupe Steria übernommen worden und hatte sich nach Ausflügen in die IT-Beratung wieder stärker der klassischen Managementberatung gewidmet.

Beschäftigung wächst stärker als der Umsatz

Unter den Spitzenpositionen gibt es dagegen kaum nennenswerte Verschiebungen. Die deutsche Tochtergesellschaft der Boston Consulting Group ist im Vergleich zum Vorjahr näher an die Nummer zwei der Liste, Roland Berger, herangerückt, da letztere einen relativ hohen Anteil des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet. Neu in der Spitzengruppe ist Capgemini Consulting auf Rang 6. Das Beratungsunternehmen, das im vergangenen Jahr nicht unter den ersten 25 Beratern zu finden war, hat 2005 das Beratungs- und das IT-Geschäft wieder voneinander getrennt. Damit erfüllt die Beratungsgesellschaft Capgemini Consulting nun wieder das 60-Prozent-Kriterium von Lünendonk und ist folgerichtig in die Liste zurückgekehrt.

Gewachsen ist in den betrachteten Beratungsunternehmen auch die Zahl der Beschäftigten. Die Mitarbeiterzahl nahm hier mit 7,9 Prozent sogar etwas stärker zu als der Umsatz. In einigen Häusern ist schon wieder von Engpässen die Rede. Die Unternehmen suchten intensiv nach Nachwuchs, und zwar nicht nur an den Hochschulen, sondern auch unter Managern mit mehrjähriger Berufserfahrung, sagt Lünendonk. "Große Beratungen versuchen schon wieder, bei kleineren Wettbewerbern ganze Teams herauszukaufen", hat der Berater-Experte beobachtet.

Quelle: F.A.Z., 24.05.2006, Nr. 120 / Seite 20
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